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Kachelmann-Prozess: Mutmaßliches Opfer war „fix und fertig“

Am fünften Prozesstag hat die Beamtin ausgesagt, die das mutmaßliche Vergewaltigungsopfer vernommen hat. „Sie war fix und fertig“, sagte die Zeugin.

Jörg Kachelmann vor dem Landgericht Mannheim am 5. Prozesstag.
Jörg Kachelmann vor dem Landgericht Mannheim am 5. Prozesstag.
Foto: REUTERS
Mannheim –  

Am fünften Tag des Kachelmann-Prozesses konnten sich die Besucher endlich wieder einen persönlichen Eindruck davon verschaffen, ob der Wettermoderator zu Unrecht von der Staatsanwaltschaft Mannheim beschuldigt wird oder ob der Vorwurf der schweren Vergewaltigung seiner langjährigen Freundin doch stimmen könnte. Denn die Öffentlichkeit war am Mittwoch am Landgericht Mannheim nach längerer Pause wieder zugelassen.

Im Zeugenstand saßen die zwei Polizeibeamtinnen, die das mögliche Tatopfer sofort am Morgen nach der angeblichen Tat und auch später noch mehrfach vernommen hatten. Die beiden Kripo-Beamtinnen von 40 und 59 Jahren haben lange Berufserfahrung. Sie haben auch schon Frauen vernommen, die Männer falsch anschuldigten. Aber bei der 37-jährigen Radiomoderatorin hatten beide keine Zweifel.

Auf die Frage eines Richters. „Hatten Sie das Gefühl, da stimmt etwas nicht?“, antwortete die 59-jährige Kripo-Beamtin, die seit 1978 bei der Polizei ist: „Das Gefühl hatte ich eigentlich überhaupt nicht.“ Sie hatte das mögliche Opfer morgens ab 9 Uhr und dann noch einmal am Nachmittag vernommen. Dazwischen war sie mit der Frau und der zweiten Kollegin in der Frauenklinik und der Gerichtsmedizin Heidelberg. Die Frau sei emotional gewesen, das sei aber normal. Sie habe immer wieder von ihrer Enttäuschung gesprochen, „elf Jahre“ habe sie immer wieder gesagt. Den Namen des Mannes habe sie aber erst nach ihrer ausdrücklichen Aufforderung genannt.

Auch die zweite Beamtin bemerkte nichts von „Verfolgungseifer“ bei der Ex-Freundin. Sie war am Morgen nach der möglichen Vergewaltigung bei der Fahrt in die Frauenklinik dabei. Das Gesicht des möglichen Opfers sei an diesem Morgen „fahl gewesen. Das war mehr als nur übernächtigt“, so die Polizistin. In sich gekehrt habe sie im Auto gesessen. Als auffällig schilderte die Polizeibeamtin jedoch, dass das mögliche Opfer zwei Tage später bei der Vernehmung am 11. Februar ihre Angst detailreich beschrieb. Als sie das Messer am Hals gehabt hätte, habe sie gedacht, sie überlebe nicht und habe deshalb angefangen zu beten.

Aufgefallen ist der Kriminalbeamtin weiter, dass sich der körperliche Zustand der 37-Jährigen zwischen der angeblichen Tatnacht am 9. Februar bis zu ihrer Videovernehmung am 30. März 2010 deutlich verschlechtert hatte. Sie habe die Beine nicht mehr stillhalten können. „Sie war fertig, völlig fertig“, so die Polizistin wörtlich. Inzwischen war Kachelmann am 20. März nach seiner Rückkehr von den Olympischen Spielen aus Kanada verhaftet worden. Das Medieninteresse am Fall Kachelmann hatte begonnen.

Verteidigung: „gewaltige Lüge“ der Nebenklägerin

Die Verteidigung erklärt den schlechten Gesundheitszustand der Frau anders. Verteidiger Reinhard Birkenstock sprach von „einer gewaltigen Lüge der Anzeigenerstatterin“. Sicher ist, dass die Ex-Freundin Kachelmanns die Entlarvung seiner Untreue der Polizei ursprünglich falsch erzählt hatte. Sie hatte zunächst angegeben, die Kopie eines Flugtickets mit einem Brief anonym erhalten zu haben. Das Ticket sei auf Kachelmann und eine andere Frau ausgestellt gewesen, dazu ein Schreiben: „Er schläft mit ihr.“

Dieses Schreiben hat das mögliche Opfer aber selbst geschrieben, um Kachelmann damit am 9. Februar zu konfrontieren. Das fand die Staatsanwaltschaft später heraus. Die Widersprüche ihrer Aussage wurden bald öffentlich. Die Hauptbelastungszeugin, von deren Aussageverhalten im Kachelmann-Prozess alles entscheidend abhängt, soll erst in etwa zwei Wochen vernommen werden. Aber auch dann wird die Öffentlichkeit aller Voraussicht nach wieder ausgeschlossen.

Publikum und Medien sind deshalb weitgehend auf die Aussagen der Polizeibeamten und Gutachter angewiesen. Bei letzteren gab es am Mittwoch eine Überraschung. Die Verteidigung zog ihren Sachverständigen Professor Tilman Elliger zurück, der in einem Gutachten die Aussage des angeblichen Opfers angezweifelt hat. Als Grund gab sie an, ein inzwischen vom Gericht bestellter Gutachter komme zum gleichen Ergebnis wie Elliger, man verzichte deshalb erst einmal auf ihn.

Allerdings muss das Gericht noch über den Befangenheitsantrag der Anklage gegen eine weiteren Gutachter Kachelmanns entscheiden. Der hält die Verletzungen der Ex-Freundin für selbst gemacht. Der Prozess wird am kommenden Montag fortgesetzt.

Autor:  Ursula Knapp
Datum:  29 | 9 | 2010
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