Der Wiederaufbau Haitis nach dem verheerenden Erdbeben wird nach Expertenschätzung 11,5 Milliarden Dollar kosten. Das Geld soll neben der Rekonstruktion der zerstörten Hauptstadt Port-au-Prince auch zum Aufbau einer Infrastruktur und funktionierender Institutionen genutzt werden, heißt es in einem Gutachten, das von einer Expertenkommission erstellt und am Dienstag in der Dominkanischen Republik vorgestellt wurde.
Der Großteil des Geldes soll auf einer internationalen Geberkonferenz am 31. März in New York zusammengetragen werden. Das Beben vom 12. Januar tötete in dem ärmsten Land der westlichen Hemisphäre mehr als 220.000 Menschen. Über eine Million Haitianer sind seither ohne festes Obdach.
"Das Beben hat eine beispiellose Situation geschaffen, die dadurch kompliziert wird, dass es das bevölkerungsreichste Land der Region und zugleich sein Wirtschafts- und Verwaltungszentrum getroffen hat", heißt es in dem Gutachten, das Vertreter der haitianischen Regierung sowie internationaler Finanzorganisationen wie der Weltbank, der Interamerikanischen Entwicklungsbank und der UN-Wirtschaftskommission für Lateinamerika erarbeitet haben. Port-au-Prince, wo vor dem Beben 2,5 Millionen Menschen lebten, fast ein Drittel der Haitianer, wurde zu knapp zwei Drittel zerstört oder beschädigt.
Die Hälfte der 11,5 Milliarden Dollar müsse in den sozialen Bereich investiert werden, schlüsselt das Papier weiter auf. 17 Prozent in Infrastrukturprojekte wie den Bau von Häusern und Unterkünften sowie 15 Prozent in Umwelt- und Katastrophenschutzmaßnahmen. Mittelfristig müsse zudem ein Justizsystem geschaffen sowie die Dezentralisierung des Landes vorangetrieben werden.
Die ökonomischen Schäden an Infrastruktur und Produktionsmitteln belaufen sich auf acht Milliarden Dollar und liegen damit deutlich höher als das haitianische Bruttoinlandsprodukt. Mehr als 70 Prozent der Zerstörungen habe der private Wirtschaftssektor erlitten.
Die internationalen Hilfs- und Finanzorganisationen schätzen, dass die extreme Armut in Haiti durch das Beben wieder auf 71 Prozent und damit auf das Niveau von 2001 angestiegen ist. Daher müsse ein Gutteil der Hilfsgelder nach wie vor in die humanitäre Hilfe fließen, da sonst Hunderttausende vom Hungertod bedroht seien.
Vordringlich sei es zudem, angesichts der bevorstehenden Regenzeit alle Menschen in Notunterkünfte unterzubringen. Noch immer leben rund 600.000 der geschätzten 1,3 Millionen Obdachlosen auf Straßen oder Plätzen. Außerhalb von Port-au-Prince haben die Vereinten Nationen für diese Menschen Auffanglager eingerichtet.
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