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Nach Münchner Sicherheitspanne: Buhfrau gefunden

Der Regierungspräsident von Oberbayern führt die Sicherheitspanne am Münchner Flughafen auf das Fehlverhalten einer Kontrolleurin zurück - de Maizière plädiert für den freiwilligen Einsatz von Nacktscannern. Von Iris Hilberth


Foto: dpa

Die schwere Sicherheitspanne am Münchner Flughafen ist nach Einschätzung des Regierungspräsidenten von Oberbayern, Christoph Hillenbrand, auf das Fehlverhalten einer Mitarbeiterin der Sicherheitsfirma zurückzuführen. Die Frau habe sich nicht an die Dienstanweisung zur Kontrolle gehalten. Sie hätte den Passagier, der am Mittwoch mit einem sprengstoffverdächtigen Laptop in den Sicherheitsbereich verschwand, "nicht aus den Augen lassen dürfen".

"Das ist eindeutig so vorgeschrieben, so wird geschult", sagte der Behördenleiter. "Dieser Fehler darf nie passieren, aber er darf sich auch nie, wenn er passiert ist, wiederholen."

Der nach wie vor unbekannte Passagier habe sich vor seinem Verschwinden völlig unverdächtig verhalten. Der circa 50-Jährige habe noch auf Englisch mit anderen Reisenden geplaudert. Er habe dann seinen Laptop genommen und sei "in aller Gemütsruhe" gegangen. Es habe sich keineswegs um eine Flucht gehandelt, sagte Hillenbrand.

Der Fehler der Beschäftigten sei es vor allem gewesen, dem Mann den Zugriff auf den Laptop zu ermöglichen. In jenem Moment sei in einem Hinterzimmer noch die chemische Analyse einer Wischprobe des Rechners auf Sprengstoffspuren gelaufen. Dabei sei von einem Gas-Chromatographen ein Stoff gefunden worden, der in vielen Sprengstoffen, aber auch in Ölen oder Parfüms, vorkomme. Doch noch vor einer abschließenden Klärung war der Passagier bereits verschwunden.

Hillenbrand wies zugleich Vermutungen zurück, wonach das Sicherheitspersonal schlecht bezahlt und nur mangelhaft angelernt werde. Die etwa 1100 Mitarbeiter der privaten Gesellschaft im Besitz des Freistaats Bayern würden nach dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes vergütet. Zudem habe jene Beschäftigte, die sich fehlerhaft verhalten hatte, rund 20 Jahre Erfahrung gehabt.

De Maizière für freiwilligen Einsatz von Nacktscannern

Bundesinnenminister Thomas de Maiziere unterdessen für Passagierkontrollen an Flughäfen eine freiwillige Anwendung der umstrittenen Körperscanner ins Gespräch gebracht. Mit einer Entscheidung über den Einsatz der Geräte in Deutschland sei etwa im Sommer zu rechnen.

"Die Tests sind sehr vielversprechend", sagte der CDU-Politiker am Donnerstag im Deutschlandfunk. "Vielleicht setzen wir sie auch als Angebot für Passagiere ein, um Vertrauen zu werben." Denkbar wäre etwa, an Flughäfen eine Abfertigungsspur mit den Scannern und eine etwas langsamere mit herkömmlichen Kontrollen per Körperabtasten einzurichten. "Dann werden wir sehen, wie die Akzeptanz ist", sagte der Minister.

Untersuchung sämtlicher Umstände

Außerdem schließt de Maiziere nach der schweren Sicherheitspanne Konsequenzen nicht aus. Er nehme den Vorfall "sehr ernst", sagte der CDU-Politiker am Donnerstag im Deutschlandfunk. Er wolle zunächst jedoch keine Bewertung abgeben. Er kündigte die Untersuchung "sämtlicher Umstände dieses Vorgangs mit allen Beteiligten an".

Danach müssten am Flughafen München "gegebenenfalls Konsequenzen" gezogen werden, sagte der Minister weiter. Wenn sich Fehler ergäben, "die struktureller Art" seien, könnte dies auch für andere deutsche Flughäfen gelten. Nach der Auswertung der Videoaufnahmen könne auch die Art und Weise der Kontrolle des Mannes beurteilt werden.

Polizei will Sicherheitsvorkehrungen überprüfen

Auch der für die Bundespolizei zuständige Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Josef Scheuring, forderte nach der schweren Sicherheitspanne, die Sicherheitsvorkehrungen auf deutschen Flughäfen auf den Prüfstand zu stellen. Eine derartige Sicherheitslücke könne sich ein Airport nicht leisten, sagte Scheuring der "Süddeutschen Zeitung". "Wenn man jemanden kontrolliert, muss man ihn auch festhalten können". Zwar sei das Münchner Geschehen aus der Distanz nur schwer zu beurteilen, es sei aber naheliegend, dass entweder zu wenig Personal am Kontrollschalter zur Verfügung stand oder aber die Ausbildung der Leute mangelhaft war.

Keine besonderen Wartezeiten mehr

Unterdessen laufen die Kontrollen am Münchner Flughafen laufen die Kontrollen wieder wie bisher. Nach Angaben eines Flughafensprechers vom Donnerstag müssen sich die Passagiere nicht auf besondere Wartezeiten bei der Personenkontrolle einstellen.

"Es gibt keine längeren Warteschlangen heute Morgen", sagte der Sprecher auf ddp-Anfrage. Die Passagiere müssten sich "keine Sorgen machen, dass sie ihre Maschinen verpassen".

Sprengstoffalarm ausgelöst

Ein Passagier hatte am Mittwoch auf dem Flughafen München Sprengstoffalarm ausgelöst und weite Teile des Terminals II lahmgelegt. Er selbst hat es möglicherweise gar nicht gemerkt. Ob er wirklich Sprengstoff dabei hatte, konnte die Polizei am Abend nicht klären. Sie tippte auf einen Fehlalarm.

Nach Angaben der Bundespolizei hatte der Mann gegen 15.30 Uhr die Security-Schleuse passiert. Die Angestellten des Flughafens sollen den Laptop des Passagiers mit einem Scanner untersucht haben, dabei habe das Sprengstoff-Erkennungszeichen aufgeleuchtet. Als daraufhin das Sicherheitspersonal den Computer ein zweites Mal mit einem Spezialprogramm durchleuchten wollte, sei der Mann mit seinem Computer davongelaufen.

Wenige Minuten später wurde Alarm ausgelöst und das Terminal II zunächst komplett abgeriegelt. Die Sperrung dauerte bis 18.40 Uhr, 60 Flüge fielen aus oder verspäteten sich, 20 Maschinen mussten leer weiterfliegen. Mehr als 1000 Polizeibeamte suchten nach dem Verdächtigen. Die Bundespolizei ließ eine komplette Ebene räumen, die der Abfertigung von Flügen innerhalb Deutschlands und Europas der Lufthansa und der Star Alliance dienen. Die etwa 5000 bis 6000 Passagiere, die sich dort aufhielten, mussten ihn verlassen und wurden erneut kontrolliert. Auch Leute, die bereits in ihren Flugzeugen saßen, mussten wieder auschecken. Mit Sprengstoffhunden durchsuchte die Polizei das Terminal. Der Mann aber war weg - ebenso der Laptop.

Der Schluss lag nahe: Möglicherweise war der Mann einfach abgeflogen. Zwischen dem Vorfall an der Handgepäckkontrolle und der Auslösung des Alarms waren noch etwa zehn Flüge gestartet. Unklar blieb am Abend auch, ob der Mann tatsächlich Sprengstoff dabei hatte. Die Geräte, mit denen das Handgepäck auf Sprengstoff untersucht wird, reagierten mitunter auch auf andere chemische Stoffe, etwa Parfüm, so die Bundespolizei. Schön öfter habe die Alarmlampe geleuchtet, bisher sei noch nie Sprengstoff gefunden worden.

So musste es die Polizei am Abend schließlich einräumen: Möglicherweise war alles ein Fehlalarm. Der gesuchte Mann hätte vermutlich gar nicht gemerkt, dass sein Gepäck erneut untersucht werden sollte und hätte es nur eilig gehabt zu seinem Flugzeug zu gelangen., sagte ein Sprecher. Denn wie ein Flüchtender habe er nicht wirklich gewirkt.

Die Bundespolizei hatte sich, obwohl die Fakten nicht allzu hart gewesen seien, für die Sperrung, Überprüfung und Durchsuchung entschieden, um auszuschließen, "dass andere gefährdet werden". (mit ddp/rtr)

Autor:  Iris Hilberth
Datum:  20 | 1 | 2010
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