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Nacht der Bälle: Mrs Obamas Gespür für Stil

Amerikas neue First Lady verzaubert in sonnigem Gelb und Weiß die Massen.

Michelle Obama ganz in Weiß.
Michelle Obama ganz in Weiß.
Foto: dpa

Zuerst einmal - wie gut sieht meine Frau aus?", fragte Barack Obama die Gäste beim Nachbarschaftsball zur Begrüßung. Damit nahm er eines der Themen vorweg, die am Tag nach der Amtseinführung die Medien beherrschten: Michelle Obamas Outfit.

Für ihre Auftritte bei den zehn Bällen, auf denen die First Lady mit ihrem Mann tanzte, wählte sie eine lange, weiße Chiffonrobe die über und über mit Organzablumen, Swarovskikristallen und silbernen Stickereien verziert war. Das Kleid hatte der 26-jährige Designer Jason Wu entworfen, der erst 2006 seine Einstiegskollektion vorgestellt hatte. Michelle Obama ist inzwischen dafür bekannt, eher junge, unabhängige Designer zu wählen, statt auf etablierte Marken zu setzen.

"Es ist eine sehr kluge Entscheidung, einen Designer zu nehmen, der viel kann, aber bislang eher als Insidertipp gilt", sagt Silke Frink, die als Stilberaterin für Politiker und Fernsehmoderatoren arbeitet. So setze die Präsidentengattin Leitmotive ihres Mannes wie Aufbruch und Neuanfang auf einer anderen Ebene fort.

Die US-Modezeitschrift Glamour sieht die Outfit-Wahl der First Lady hingegen etwas kritischer und moniert, die Robe sehe doch etwas zu sehr nach Brautkleid aus, prophezeit aber gleichzeitig, dass Jason Wu wohl der gefragteste Brautkleid-Designer des Jahres werden dürfte - dank der kostenlosen Werbung durch Michelle Obama.

Es scheint fast, als habe sie es sich zur Aufgabe gemacht, junge, vielversprechende Modemacher zu pushen. So diskutierte einen Tag nach der Amtseinführung ganz Amerika über eine aus Kuba stammende Designerin, deren Name vorher nur Modekennern ein Begriff gewesen sein dürfte. Isabel Toledo ist die Schöpferin jenes kanariengelben Etuikleids, das Michelle Obama bei den Feierlichkeiten auf dem Capitol Hill trug. "In Deutschland hätte dieses Outfit allein schon wegen der Farbwahl nicht funktioniert", erklärt Frink. "Gelb haftet bei uns immer etwas Omahaftes an, in Amerika aber stehe die Farbe für Power. Designerin Toledo verriet der New York Times, für sie sei Gelb eine sehr optimistische Farbe "mit Sonnenschein". Sie habe die First Lady mit ihrer eigens für sie angefertigten Kreation verzaubern wollen, damit diese dann auch die Massen verzaubere.

Tatsächlich begeisterte Michelle Obama nicht nur das Volk, sondern vor allem die Modekritiker. "Extremely sophisticated" lobte etwa die Vogue ihren Stil, US-Designer Tommy Hilfiger erklärte sie zur Trendsetterin. Die Entscheidung, als First Lady nicht im grauen Businesskostüm neben ihrem Mann aufzutreten, sondern bewusst modische Akzente zu setzen, sei sehr schlau, sagt Stilberaterin Silke Frink. "Sie grenzt sich damit ganz deutlich von ihrem Mann, dem Präsidenten, und den übrigen Regierungsmitgliedern ab und macht deutlich, dass sie dort nicht mitmischen möchte."

Grundsätzlich sei Michelle Obamas Stil geprägt von einer "eleganten Bodenständigkeit", sagt Frink. Viele US-Hausfrauen hätten das Gefühl, den Rock oder die Bluse, die sie an der First Lady gesehen haben, auch im eigenen Kleiderschrank hängen zu haben. kess

Datum:  22 | 1 | 2009
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