Der letzte Bus ist weg, die Bahn auch, Taxi zu teuer: Häufig setzten sich junge Leute nach Party oder Disco - mit Alkohol im Blut - selbst noch hinters Steuer, weil sie nachts nicht anders nach Hause kommen. Um die hohe Zahl von Verkehrsunfällen vor allem samstags und bei jungen Promille-Fahrern zu verringern, startet nach einem Testlauf nun die erste bundesweite Online-Mitfahrzentrale durch. Es gehe darum, Nachtschwärmer "kostengünstig und sicher" nach Hause zu bringen, sagten die beiden Bonner Gründerinnen Vanessa Kabia und Kristina Laude am Mittwoch in Köln. TÜV Süd, ADAC und die Null-Promille-Initiative Driver's Corner unterstützen die Idee.
Junge Menschen zwischen 18 und 24 Jahren machen knapp zehn Prozent der Bevölkerung aus, sind aber an jedem dritten Unfall mit Toten und Schwerverletzten beteiligt, betonte der ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt. Häufige Unfallursachen seien dabei Alkohol oder Drogen. Das Statistische Bundesamt zählte mehr als 51 000 Unfälle, bei denen Alkohol im Spiel war (2007), die Gruppe der bis zu 24-jährigen Fahrer war besonders häufig beteiligt. "Man denkt sich: ein, zwei Bier kann ich wohl trinken, meistens werden es dann aber doch ein paar mehr - und man setzt sich trotzdem noch hinters Steuer", erklärte Kabia. Mit dem Online-Angebot solle mehr Sicherheit in den Straßenverkehr kommen.
In einer nach Bundesländern regionalisierten Suchmaske können die Unternehmungslustigen nach einer passenden Mitfahrgelegenheit Ausschau halten. Der Fahrer, der freie Plätze in seinem Wagen anbietet, verpflichtet sich, nüchtern zu bleiben. Seine Identität wird über Führerschein-Nummer und Auto-Kennzeichen überprüft. Auch der Mitfahrer muss sich kostenlos registrieren. Preis und Treffpunkt werden per Mail oder telefonisch abmacht - etwa zwei Euro zum Beispiel für die 30-Kilometer- Strecke Bonn - Sankt Augustin. Frauen könnten auch unter sich bleiben im Wagen. Am Tag nach der Fahrt ist eine öffentliche Bewertung im Web möglich. (www.dieNachtfahrer.de)
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