Es ist in diesem Stadium der weltweiten Anteilnahme nach wie vor ungeklärt, was der australische Börsenmakler David Kiely in den übrigen 23 Stunden und 58 Minuten eines ganz normalen Arbeitstages so treibt. Ob er sich für Landschaftsmalereien interessiert, Freude an Autokalendern hat oder sein Herz für kuriose Katzenfotos schlägt. Eines hingegen weiß man derzeit relativ sicher.
Sollte der Anlageberater für wohlhabende Privatkunden bei der Macquarie Bank seinen Job behalten dürfen und damit auch in Zukunft im Hintergrund an seinem Schreibtisch sitzen dürfen, während vorne Kollegen Interviews live fürs Fernsehen geben, dann wird er in diesen zwei Minuten mit Sicherheit eins tun: Arbeiten.
Man weiß das relativ sicher, weil es sich längst über die Kontinente herumgesprochen hat, dass der im öffentlichen Interesse bislang eher blass gebliebene David Kiely neben anderen Interessen möglicherweise auch ein Faible für leichtbekleidete Models besitzt. Zumindest konnten ihn die Aufnahmen der Bikini-Schönheit Miranda Kerr nicht so sehr schocken, dass sein Blick allenfalls den Bruchteil einer Sekunde an ihr hängen blieb. Das wiederum weiß man ganz sicher.
Denn dummerweise sah sich Herr Kiely die Bilder genau in dem Augenblick mehr oder weniger genüsslich an, in dem Martin Lakos, ein Kollege, in einem Live-Interview mit Kanal 7 Entscheidungen der Bank of Australia analysierte. Nach und nach erscheinen die Bilder auf seinem Bildschirm, insgesamt sind es drei. Kurz nachdem das dritte Bild zu sehen ist, dreht sich Kiely erschrocken um und schaut direkt in die Kamera. Den Rest erledigte in bewährter Manier die Videoplattform Youtube.
Binnen kürzester Zeit prasselten die hämischen Kommentare auf den armen David Kiely ein, gefolgt von allerlei Spekulationen, wie genau es soweit kommen konnte. Sieht man sich das Video genau an, könnte folgende Version stimmen. Während des TV-Interviews findet Kiely eine E-Mail mit verschiedenen Anhängen in seinem Postfach. Er öffnet die Dateien, eine nach der anderen, weil ihm gleich der Inhalt der ersten Datei durchaus zu gefallen scheint. Ein weiterer Kollege taucht im Hintergrund auf, spricht mit Kiely, kann aber nicht auf seinen Bildschirm sehen. Deshalb ist es vermutlich ein Kollege links von Kiely, der den armen Kerl warnt.
Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Doch dann besinnt sich das Netz. Die Zahl der Kommentare derer, die mit dem bemitleidenswerten Kiely fühlen, wächst. Von Verständnis schreiben sie, davon, dass sein Arbeitgeber nicht all zu hart mit ihm ins Gericht gehen sollte. Die britische Finanz-Website Here is the City gestaltet sogar eine eigene Seite, auf der eine Unterschriftenaktion Kiely den Job retten soll. Besucher der Seite sind dazu aufgerufen, eine E-Mail E-Mail zu schreiben und sich für Kiely einzusetzen.
Von der Bank gab es nur eine kurze Stellungnahme. "Macquarie nimmt Fälle wie den Missbrauch der Arbeitsgeräte sehr ernst." Von einer "strikten Firmenpolitik" ist die Rede und davon, dass man den Fall intern behandeln werde.
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