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06. März 2012

Neonazi-Marke: Kokettieren mit rechtem Terror

 Von Jonas Rest
Thor Steinar hat in Chemnitz ein Geschäft namens "Brevik" eröffnet. Es ruft unweigerlich Erinnerungen an den Attentäter Breivik hervor.  Foto: Sachsen Fernsehen Chemnitz

Die bei Neonazis beliebte Marke "Thor Steinar" expandiert in Deutschland und eröffnet in Chemnitz eine neue Filiale. Ihr Name "Brevik" erinnert an den norwegischen Attentäter Anders Behring Breivik.

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Uwe Dziuballa, der Wirt des einzigen koscheren Restaurants in Sachsen, wird die Bahnhofsgegend in Chemnitz mit seinem „Shalom“ bald verlassen – ein Grund sind die Nazi-Attacken, mit denen er seit zwölf Jahren zu kämpfen hat, sagt er der Berliner Zeitung. Hakenkreuze, ein Schweinskopf vor dem Laden, über tausend Drohanrufe – Dziuballa hat irgendwann aufgehört, die Attacken zu zählen.

Nicht weit entfernt vom „Shalom“ machte vor Kurzem eine Filiale der bei Neonazis beliebten Kleidermarke Thor Steinar auf – mit dem Name „Brevik“. Fast namensgleich also mit dem Mörder Anders Behring Breivik, der im Juli 77 Menschen in Oslo und auf der Insel Utøya tötete.

Zwar benennt die Kette, die derzeit aggressiv expandiert, viele Filialen nach norwegischen Städten – und Brevik ist ein Ort an der norwegischen Südküste, nach dem schon einmal eine Filiale benannt worden war. Doch diesmal scheint Thor Steinar gezielt mit dem Terroristen Breivik kokettieren zu wollen.

Gezielte Provokation

Die Mediatex GmbH, die hinter Thor Steinar steht, wollte sich gestern auf Anfrage der Berliner Zeitung nicht zur Namensgebung äußern. Doch eine E-Mail an die sächsische Regionalzeitung Freie Presse legt nahe, dass es sich um eine gezielte Provokation handelt. Darin werden von einem vorgeblich besorgten Familienvater Bedenken geäußert, dass der Name der neuen Filiale vermutlich anspielend an den Massenmörder Breivik gewählt worden sei. Der Absender, so recherchierte die Zeitung, soll allerdings in das engste Umfeld eines bekannten rechten Versandhändlers führen. Und der soll nicht nur früher selbst einen Thor-Steinar-Laden in Dresden betrieben haben, sondern auch persönlich in die Auswahl der neuen Filiale in Chemnitz involviert gewesen sein.

Bei Neonazis beliebt: Thor Steinar.
Bei Neonazis beliebt: "Thor Steinar".
 Foto: dpa

Dass die rechte Szene mit dem Rechtsterroristen Breivik kokettiert, überrascht Kenner der Szene nicht. Der Name sei eine Provokation, deren Zynismus typisch für die Nazi-Szene sei, sagt Anetta Kahane von der Amadeu-Antonio-Stiftung. Und eine Provokation, sagt Kahane, die zeige, dass sich die Neonazi-Szene von den Enthüllungen über die Morde des Nationalsozialistischen Untergrunds gestärkt fühle. „Was man bei all den Ermittlungskommissionen schnell vergisst: Die Gewalttätigkeit und der Alltagsterror der Neonazis haben nicht nachgelassen.“

Chemnitzer Bürger beginnen nun, Protest gegen den Laden zu organisieren. Die Stadt will Rechtsmittel prüfen, der Vermieter sieht sich getäuscht. So könnte sich das Schicksal der ersten Thor-Steinar-Filiale „Brevik“ wiederholen. In Hamburg stimmte der Inhaber nach massiven Protesten einer vorzeitigen Schließung zu.

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