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22. März 2013

New York: Unschuldig Verurteilter nach 23 Jahren freigelassen

Ein Unschuldiger ist nach über 20 Jahren aus dem Gefängnis entlassen worden. Foto: IMAGO

Über zwei Jahrzehnte saß David Ranta im Gefängnis - für einen Mord, den er nie begangen hat. Nun ist der 58-Jährige frei. Das Opfer eines New Yorker Polizeiskandals hatte in all den Jahren Haft seine Unschuld beteuert.

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New York –  

Mit einem lila Wäschesack über der Schulter ist David Ranta am Donnerstag (Ortszeit) in New York in die Freiheit getreten - gut 23 Jahre nach seiner unrechtmäßigen Verurteilung wegen Mordes. Im Beutel befanden sich die Habseligkeiten, die er in über zwei Jahrzehnten im Gefängnis angesammelt hatte. Der Mann war damals für den Mord an einem Rabbi im Februar 1990 verantwortlich gemacht worden, der bei einem missglückten Raubüberfall erschossen wurde. Um mit ihm einen Täter präsentieren zu können, soll die Polizei Zeugen massiv beeinflusst haben.

Die Freude über seine Entlassung stand Ranta US-Medienberichten zufolge ins Gesicht geschrieben, als er vor einem Gericht im New Yorker Stadtteil Brooklyn in sein freies Leben trat. „Er strahlte, als er Familienmitglieder begrüßte“, schrieb die „New York Daily News“. Es habe Umarmungen und viele Tränen gegeben.

Eine Richterin in Brooklyn entließ den 58 Jahre alten Ranta offiziell aus der Haft. Der Mann hatte im Gefängnis immer wieder seine Unschuld beteuert. „Mr. Ranta, zu sagen, Sie hätten eine Entschuldigung verdient, wäre sehr untertrieben“, sagte Richterin Miriam Cyrulnik. „Ich sage dennoch heute, bitte verzeihen Sie.“

Viele Indizien gefälscht

Ranta selbst konnte kaum sprechen. Nach seinen Plänen befragt, sagte er: „Ich bin überwältigt. Gerade fühle mich, als wäre ich unter Wasser, schwimmend.“ Laut CNN waren auch seine Frau und seine Tochter da. Die Tochter war bei der Verurteilung ihres Vaters zwei, jetzt ist sie selbst im siebten Monat schwanger.

„Wir freuen uns so sehr“, sagte Rantas 38 Jahre alter Sohn, der aus dem Bundesstaat Virginia angereist war, der „Daily News“. Die Schwester des ehemaligen Häftlings hofft nun, dass er zunächst in ihr Haus ziehen wird. „Ich habe keine Worte, einfach keine Worte. Ich weiß nicht, wie er wieder neu anfangen soll“, sagte die Frau aus Staten Island den Medien.

Nicht nur, dass es 1990 keinerlei Beweise gegen Ranta gegeben hatte. Die Polizisten hatten nach einem Bericht der „New York Times“ auch viele Indizien gefälscht. Zwei gefährlichen Kriminellen seien Rauschgift und Prostituierte versprochen worden, wenn sie gegen Ranta aussagten. Nur ein Zeuge habe ihn identifiziert - und dem sei vorher gesagt worden, auf wen er zeigen solle. Der wahre Mörder war schon vorher bei einer Verfolgungsjagd mit der Polizei ums Leben gekommen.

Der damalige Ermittlungschef, inzwischen im Ruhestand, zeigte CNN gegenüber Unverständnis gegenüber der Freilassung. Er habe sich nichts vorzuwerfen, und Ranta habe die Tat damals gestanden. Aufgezeichnet habe er die entscheidende Aussage aber nicht. (dpa)

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