Warum?
Weil mich jeder danach fragt, wie es ist, alt zu werden. Dabei kommt mir das gar nicht so vor.
Sie bemühen sich aber auch, auf dem Laufenden zu bleiben. Weite Teile Ihres neuen Romans spielen in Fan-Foren und Internet-Blogs, Sie nehmen Wikipedia auf die Schippe ...
Aber das habe ich ja nicht für das Buch recherchiert. Ich bin einfach sehr viel im Internet unterwegs und fühle mich vertraut damit, was dort vor sich geht. Ich kenne solche Fan-Seiten, die ihr Thema, etwa Rockmusik, so akademisch debattieren, wie ich es parodiere.
Im Buch strotzt der Wikipedia-Eintrag über Ihren Helden vor Fehlern. Fanden Sie so was auch im Eintrag über Sie?
Ich hab ihn nie gelesen.
Und wenn nun Fehler drin sind?
Na und? Wenn ich es ändere, könnte eine Woche später etwas anderes Falsches drinstehen. Ich lese generell keine Kritiken über mich oder Interviews, die ich gegeben habe. Und erst recht lese ich keine Blog-Einträge über mich. Man müsste irre sein, das zu tun.
Wie meinen Sie das?
Man verliert die Maßstäbe. Man ärgert sich über Dinge, die keinen anderen Menschen in der Welt scheren. Übrigens: Am Wikipedia-Eintrag über meinen Schwager, den Schriftsteller Robert Harris, haben seine minderjährigen Kinder mitgeschrieben. Das finde ich urkomisch.
Aber Sie schreiben ein Blog und kommunizieren mit Ihren Fans sogar über die Internet-Community Facebook. Warum das?
Was das Blog angeht, sehe ich keine andere Möglichkeit, wie auf der Homepage eines Autors - und so was braucht ein Autor heute ja - öfter etwas Neues stehen kann, als dass er es selbst schreibt. Und die Sache mit Facebook kam durch einen Fehler zustande: Ich wollte mir mal ansehen, was es damit auf sich hat, und bin unter falschem Namen beigetreten. Aber dann dachten so viele Leute, sie kennen diesen ausgedachten Typen und luden mich in ihr Netzwerk ein - irgendwann fand ich es einfacher, unter meinem wahren Namen Mitglied zu werden, als die falsche Identität zu pflegen.
Inzwischen haben Sie mehr als 14 400 "Freunde". Haben Sie die alle persönlich in Ihr Netzwerk aufgenommen?
Ja, hab ich tatsächlich. Und etliche habe ich auch persönlich abgelehnt. Aber fragen Sie mich nicht nach den Kriterien. Ich muss mir langsam mal ein System dafür ausdenken, um dem noch Herr bleiben zu können.
Im neuen Buch schwärmt eine Ihrer Figuren, wie das Internet ihren Musikkonsum beflügelt. Da sprechen dann offenbar mal wieder Sie selbst.
Das stimmt. Ich bin ein großer Fan von Musik im Internet. Ich war nie interessiert an der Form, in der die Musik zu mir kam. Ich wollte einfach nur die Musik. In dem Moment, in dem ein neues Medium es mir erleichterte, Musik zu hören, hab ich das alte Medium aufgegeben. Als CDs herauskamen, war Vinyl für mich gestorben. Seit ich meinen iPod habe, häufe ich keine CDs mehr an. Inzwischen bin ich begeisterter Nutzer von MP3-Blogs.
Webseiten, auf denen Fans Ihre neuen Lieblingssongs kommentieren und zum Download ins Netz stellen. Was ist daran so toll?
Durch sie weiß ich inzwischen wieder, was sich in der Musik Neues tut. Die besten MP3-Blogs sind für mich wie ein Besuch in einem Independent-Plattenladen, wo mir jemand, dessen Geschmack ich vertraue, etwas Neues empfiehlt.
Wie halten Sie Ihre Leidenschaft für Popmusik eigentlich so lebendig?
Man darf sich nicht nur auf seine alten Helden fixieren. Dadurch hört man irgendwann ganz auf, Popmusik zu hören. Früher oder später macht einer der alten Helden zwei schlechte Alben nacheinander, und schon verschwindet wieder ein Künstler von deinem Radar. Irgendwann bleiben nur zwei, drei deiner Lieblingsbands übrig und du steigst früher oder später ganz aus. Denn wenn man - wie ich - rund um die Uhr Musik laufen hat, sind auch die besten alten Songs eines Tages leergehört. Interview: Steven Geyer
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