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Nick Hornby im Interview: "Ich schulde dem Leser gar nichts"

Der britische Erfolgsautor Nick Hornby über das Schreiben als Ego-Trip, wie das Älterwerden seine Bücher prägt und warum in seinem neuen Roman der Musikfan der Dumme ist.

Nick Hornby fand es schlimm, 50 zu werden.
Nick Hornby fand es schlimm, 50 zu werden.
Foto: Getty

Mr. Hornby, warum erzählen Sie eigentlich so gern von sich selbst?

Tue ich das?

Zur Person

Nick Hornby, 52, wurde weltweit bekannt mit seinen Romanen "High Fidelity" und "About A Boy" - Kritikern zufolge "die perfekte Synthese zwischen U- und E-Literatur". Die Bücher wurden mit John Cusack und Hugh Grant verfilmt. Hornbys "A Long Way Down" (2005) will Johnny Depp Ende 2009 ins Kino bringen.

"Juliet, Naked", der neue Roman von Nick Hornby, erscheint am Donnerstag bei Kiepenheuer & Witsch. Hornby kehrt darin zurück zu seinen Wurzeln: Er schreibt über Rockmusik und ihre Fans - und findet zur Ironie à la "High Fidelity" zurück.

Der einstige Lehrer Hornby stammt aus Südengland und lebt mit seiner Frau und den beiden gemeinsamen Kindern in London, in Laufnähe zur Ex-Ehefrau und seinem ersten Sohn.

Ihr Debüt "Fever Pitch" beschrieb Ihr wahres Leben als Fußballfan, in Kolumnen schreiben Sie über Ihre Lieblingssongs und Lieblingsbücher, in Ihrem Blog aus Ihrem Alltag. Führen Sie gern ein so öffentliches Leben?

Es kommt immer auf das Ausmaß an. Ich bin gern eine öffentliche Person, wenn es im Rahmen bleibt, den ich vorgebe. Leider kann man das nicht immer kontrollieren. Dafür dürfte ich nie aus dem Haus gehen oder mit jemandem reden. Aber Sie schreiben auch in Essays über den Autismus Ihres Sohnes und reden in Interviews über Ihre Scheidung. Fühlen Sie sich Ihrem Leser so nah oder so verpflichtet? Oh nein, ich fühle mich nur meinen Verlegern verpflichtet. Den Leuten, die mich bezahlen. Aber dem Leser? Nein, ich finde nicht, dass ich dem überhaupt was schulde. Zwischen uns besteht ein ganz simpler Vertrag: Ich schreibe ein Buch - sie können es lesen. Beim Verlag ist es etwas anders: Nimmst du keinen Vorschuss, kannst du dich Interviews und öffentlichen Auftritten verweigern. Nimmst du ihn, musst du dich bemühen, das Geld wieder einzuspielen, finde ich. Aber so viel ich auch über mein Leben schreibe oder spreche: Die meisten privaten Situationen würde ich nie thematisieren. Es gibt nur gewisse Grade der Entblößung.

In Ihren Kolumnen erzählen Sie, dass Ihr autistischer Sohn sich stundenlang im Bad einschließt, und über das "lange, hinausgezögerte Ende" Ihrer Ehe. Man kann sich kaum Privateres vorstellen.

Aber ich beschreibe ja nichts Intimes. Die Leute erfahren die Fakten über mein Privatleben und einige meiner Gedanken und Gefühle. Aber mein Innerstes bleibt verborgen.

Oder auch nicht. Der Held Ihres Romans "High Fidelity" ist ein besessener Popfan mit demselben Geschmack wie Sie, der im gleichen Tonfall erzählt wie Sie in Ihrer Autobiografie. Da fragt man sich gleich, ob auch Sie wie er Top-5-Listen Ihrer Verflossenen führen.

Ach was. Ich schreibe einfach am liebsten in Ich-Form. Aber in den Romanen spreche nie ich selbst. Meine Figuren haben auch nicht viel mit mir gemeinsam - ist jedenfalls mein Gefühl. Allerdings beklagen sich ständig meine Bekannten darüber, dass ich sie in meinen Romanen auftreten lasse. Dabei hatte ich beim Schreiben gar nicht an sie gedacht.

In Ihrem neuen Roman "Juliet, Naked" gibt es einen Typen, der die TV-Serie "The Wire" verehrt - die Sie selbst einmal hymnisch gelobt haben. Außerdem sinniert er über seine zerrüttete Beziehung. Auch Ihre erste Ehe wurde geschieden. Da muss man doch denken, auch da spricht eigentlich der Autor.

Nicht so direkt. Die Beziehung zwischen meinem wahren Leben und den Büchern ist viel komplizierter, als ich erklären kann. Natürlich gibt´s da Details, die mit mir übereinstimmen. Aber Anspielungen wie die auf "The Wire" sind nur Witze: Als das Lob für die Serie überlief, ließ ich eine meiner Figuren Uni-Seminare darüber abhalten. Das ist eher ein sarkastischer Kommentar zur Popkultur.

Ihre Figuren wandeln sich in letzter Zeit. Als Sie jünger waren, gab es Rob in "High Fidelity", der seine Musikleidenschaft sehr wichtig nahm. Über den Musikfan Duncan im neuen Buch machen Sie sich lustig ; Ihre Sympathie gilt eher einem Ex-Rocker, der sich von der Musik abgewandt hat und dem sein Sohn wichtiger ist. Schmunzelt da der Familienvater Nick Hornby über den jungen Pop-Autor?

Ach nein, wenn ich zwei Jahre damit verbringe, ein Buch zu schreiben, empfinde ich Sympathie für alle meiner Figuren. Aber natürlich kannst du nicht von einem 35-Jährigen ohne Kinder zu einem 52-jährigen Vater von drei Kindern werden, von denen eins eine schwere Behinderung hat, ohne dass sich deine Art zu fühlen ändert. Du wärst ein Idiot, wenn da nicht etwas mit dir geschähe.

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Datum:  1 | 9 | 2009
Seiten:  1 2 3
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