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Aktuelle Nachrichten aus der Gesellschaft

11. Dezember 2008

Nicole Kidman: Schön und steif

 Von MARTINA MEISTER
Wirkt immer etwas unterkühlt - Nicole Kidman bei einer Filmpremiere.  Foto: AP

Alles an Nicole Kidman scheint perfekt, zu perfekt vielleicht, um wirklich sympathisch zu sein. Eine Begegnung in Paris. Von Martina Meister ( Mit Video)

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Zur Person

Nicole Kidman, geboren 1967 in Honolulu, wächst in den USA und Australien auf. Ihre größten Kino-Erfolge waren "Tage des Donners" an der Seite von Tom Cruise, "In einem fernen Land" und das "Moulin Rouge".

Einen Oscar erhielt sie für die Rolle der Virginia Woolf in "The Hours". Zehn Jahre lang war Kidman mit Tom Cruise verheiratet und verließ nach der Trennung die Scientology-Sekte, der auch Cruise angehört. Seit 2006 ist sie mit dem Sänger Keith Urban liiert.

Im deutschen TV sitzt Kidman am Samstagabend auf der Couch bei Thomas Gottschalk ("Wetten, dass?", 20.15 Uhr im ZDF). Ihr neuer Film "Australia" kommt am 25.12. ins Kino.

Als die schöne, aber sehr steife Lady Sarah Ashley das erste Mal den staubigen Boden Australiens betritt, ist Nullah, der kleine Mischlingsjunge, wie verzaubert: "Ich habe noch nie jemand so Seltsames gesehen", sagt er mit seinem schönen Aborigine-Akzent.

"Strange" ist das englische Wort, das er benutzt. Das trifft es. Ähnelt Nicole Kidman nicht genau dieser englischen Lady, die sie in Baz Luhrmans jüngstem Australien-Epos spielt? Schön, aber unsympathisch. Alles an ihr scheint perfekt, zu perfekt vielleicht. Der Teint? "Fantastisch opal", schreibt ein Kritiker, "vermutlich der hellste Porzellan-Teint des amerikanischen Kinos".

Als sie Ende November in David Lettermans berühmter "Late Show" sitzt, um Werbung für "Australia" zu machen, kriegt sich der Moderator angesichts ihres ebenmäßigen Gesichts gar nicht mehr ein: Perfekt, vollkommen symmetrisch, hinreißend. "Gorgeous", sagt er. Kidman lacht verlegen, bedankt sich. Vielleicht ahnt sie, dass Lettermans Kompliment eigentlich den Schönheitschirurgen galt, von denen böse Zungen behaupten, sie hätten am schönen Schein der Schauspielerin mitgewirkt.

Wenige Tage später sitzt sie bereits in Paris, in einer Pressekonferenz, und wirkt tatsächlich, als sei sie einem Gemälde entstiegen. Zu schön, um wahr zu sein. Aber alles ist echt: die Frau, ihre Ehe, das neue Mutterglück. Zusammen mit ihrem Mann, dem Countrysänger Keith Urban, lässt sie sich das erste Mal mit ihrer kleinen Tochter Sunday Rose in der Öffentlichkeit blicken. Sie gehen ins Museum. Picasso.

In der Pressekonferenz wird sie sagen, dass sich seit der Geburt ihrer Tochter ihr Rhythmus verändert hat: "Mein Ehrgeiz richtet sich inzwischen auf etwas ganz anderes. Als Teenager, auch in meinen Zwanzigern, wollte ich die Welt verändern. Jetzt will ich ein paar schöne Geschichten erzählen. Aber vor allem möchte ich immer ganz schnell zurück zu meiner Familie."

"Australia" muss man sich vorstellen wie Luhrmans Antwort auf "Jenseits von Afrika": große Liebe in großartiger Landschaft. Pünktlich zum Weihnachtsfest kommt der Film in die deutschen Kinos. Es handelt sich um echtes Kleenex-Kino, mit Hugh Jackman an Kidmans Seite, der gerade zum "sexiest man alive" ernannt wurde. Den Rest kann man sich vorstellen.

Tödlich für jeden Blockbuster

Böse Zungen haben behauptet, mit diesem Epos werde Kidman ihre Karriere dort beenden, wo sie sie begonnen hat. In ihrem Heimatland. In den vergangenen Jahren hatte sie zwar bewiesen, dass sie eine hervorragende Schauspielerin im Autorenkino sein kann, aber in jedem Blockbuster tödlich wirkt. Nach ihrem vierten großen Flop rechnete das Magazin Forbes vor, dass sie die unrentabelste Schauspielerin Hollywoods sei.

Tatsächlich hat der Film "Australia" in den USA und Australien, wo er bereits angelaufen ist, die Erwartungen enttäuscht. Die Besucherzahlen waren mau. In der Times wurde prompt eine Art Todesurteil veröffentlicht: "Australia" habe nur ein Problem, und das sei Kidman, notierte die Kritikerin: "Big mistake. Big, big mistake" - ein riesengroßer Fehler.

Vermutlich gehört auch diese Kritik in die Kategorie: von den Frauen gehasst, von den Männer nicht begehrt. Dabei hätte gerade dieser Film das Wunder vollbringen und ihren Ruf ändern können. Ist sie nicht selbst diese Frau, die wie Lady Ashley eine zauberhafte Verwandlung erlebt und am Ende auf ihre Garderobe pfeift, durch die Wildnis galoppiert, Rinder zusammentreibt? Würde sie nicht auch gern beweisen, dass es ihr auf Ruhm und Geld nicht mehr ankommt, dass sie Kinder großziehen und Zucchini in ihrem Garten in Tennessee ernten will?

(Filmtrailer zu "Australia")

Selbst wenn der Film sie selbst nicht verwandelt hat, ihr Leben hat er in jedem Fall verändert. Neun Monate hatten die Dreharbeiten gedauert. Am Ende war Kidman schwanger. Es muss für sie mit ihren 41 Jahren wie eine Art Erlösung gewesen sein. Wie oft war über ihre Ehe mit Tom Cruise geschrieben worden, über Fehlgeburten, den Streit um die Adoptivkinder, die neue Ehe, die nicht mit Honeymoon, sondern mit der Entziehungskur des Bräutigams begann? Und dann plötzlich badet sie in einem Wasserfall und kriegt ein Kind. Sieben Babys seien während der Dreharbeiten gezeugt worden. Alle Frauen hatten in den Kimberley-Fällen gebadet.

Glaubt sie jetzt an Übersinnliches? Gerne würde man sie danach fragen. Aber die Zeit ist schon rum. Kidman hat auf der Pressekonferenz so gut wie nichts gesagt, aber dafür zweimal laut gelacht.

Schön und steif

Schnell zurück in die Suite Nummer 135 des Hotel George V. Vor der Tür telefoniert aufgeregt ein Assistent. Er soll irgendetwas besorgen, das sie am Abend während der Europa-Premiere von "Australia" wärmen soll, aber es darf auf keinen Fall ein Mantel sein. Er denkt an einen elektrischen Taschenofen, wie ihn Outdoor-Freaks benutzen. Auch will er wissen, von welchem Modeschöpfer das Kleid ist, das sie anziehen wird.

Da ist sie wieder: ganz Star, schön und steif, voller Allüren. In einem Kleid von Dries van Noten. Nicole Kidman muss ihre Rolle im Zirkus der Eitelkeiten spielen. Und aller Zauber ist dahin.

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