Essen/Aachen. Eine Gewitterfront ist am Montag über Nordrhein-Westfalen gezogen und hat eine Spur der Verwüstung hinterlassen. In Köln starb nach Polizeiangaben eine 54-jährige Rollerfahrerin, die unter einer Unterführung Schutz vor Wind und Regen suchte und dabei von einem Lastwagen erfasst wurde. In anderen Regionen des Landes wurden zahlreiche Menschen verletzt. Vielerorts blockierten entwurzelte Bäume Straßen, Baugerüste stürzten um, Plakatwände flogen umher. Es kam erheblichen Störungen im Zugverkehr.
In Herne zog sich ein 45-jähriger Bauarbeiter schwere Blessuren zu, als vermutlich durch eine Orkanböe eine kurz zuvor errichtete Seitenmauer im zweiten Obergeschoss eines Rohbaus einstürzte und den Mann unter sich begrub. Im Kreis Wesel fiel ein Ast auf eine Gruppe von drei Radfahrern. Dabei erlitt eine 15-jährige Radfahrerin lebensgefährliche Verletzungen.
In der Bonner Innenstadt stürzte ein rund 2,50 Meter hoher Holzbauzaun auf einer Länge von etwa 20 Metern um und traf sechs Passanten. Eine 62-jährige Frau erlitt schwere Verletzungen. Fünf weitere Personen, darunter auch ein Kleinkind, wurden leicht verletzt.
Vier Verletzte meldete die Aachener Polizei. Dort wurde eine Frau von Ästen getroffen, als ein Baum umstürzte. Ein Mann wurde von einer umherfliegenden Werbetafel getroffen. Auf das Fahrzeug einer 49-Jährigen aus Herzogenrath stürzte ein Baum. Die Frau wurde in ihrem Auto eingeklemmt, von der Feuerwehr befreit und dann ins Uniklinikum eingeliefert. Das Auto war schrottreif.
Während einer Feuerübung an einer Aachener Schule rissen umherfliegende Äste eine Lehrerin zu Boden. Sie erlitt eine leichte Gehirnerschütterung.
In Langerwehe (Kreis Düren) wurde ein 36 Jahre alter Dachdecker beim Aufstellen einer Fertiggarage im Ortsteil Jüngersdorf vom Wind erfasst und stürzte vom Dach. Dabei zog er sich nach Angaben der Dürener Polizei mehrere Knochenbrüche zu und wurde ins Krankenhaus eingeliefert. In Krefeld gefährdete eine abgerissene Stromleitung die Verkehrsteilnehmer.
Ein Blitz schlug in Kalkar (Kreis Kleve) in das Dach eines Mehrfamilienhauses ein. Die Dachgeschosswohnungen brannten aus, der komplette Dachstuhl wurde zerstört. Verletzt wurde niemand. Der Sachschaden an dem derzeit nicht bewohnbaren Neun-Parteien-Haus liegt nach ersten Schätzungen im sechsstelligen Euro-Bereich.
In Duisburg traf ein umstürzender Baum einen mit Schulkindern besetzten Bus. Die Schüler konnten nach Eintreffen der Polizei den Bus unverletzt verlassen.
Eine mächtige Böe hob in Essen das Flachdach eines Hochhaus-Treppenhauses an und ließ es aus rund 30 Meter Höhe zu Boden krachen, wie die Feuerwehr Essen mitteilte. Die etwa 40 Quadratmeter große Dachfläche blieb vor dem Hauseingang liegen. Vier Schüler wurden in Mönchengladbach verletzt, als herabstürzende Äste sie bei einem Ausflug in einen Park trafen.
Behinderungen gab es auch im Bahnverkehr. Sowohl im Fern- als auch im Nahverkehr fielen viele Züge aus oder hatten lange Verspätungen. Bäume auf den Gleisen und in den Oberleitungen sowie Blitzeinschläge hätten die Strecken lahmgelegt, berichtete ein Bahnsprecher in Düsseldorf. Die Bahnstrecke zwischen Oberhausen und Emmerich war komplett gesperrt, sodass der Zugverkehr zwischen Ruhrgebiet und den Niederlanden unterbrochen war.
Orkanböen mit über 120 Stundenkilometern wurden nach Angaben der DWD-Meteorologin Cornelia Urban in Geilenkirchen gemessen. Auch über Aachen fegte das Unwetter mit Windgeschwindigkeiten zwischen 100 und 120 Stundenkilometern hinweg.
Nach Durchzug der Gewitterfront wird es am Dienstag mit 27 bis 28 Grad etwas kühler. Doch die Abkühlung dauert nur einen Tag. Am Mittwoch wird das Thermometer laut DWD wieder auf 33 bis 34 Grad steigen. Am Mittwochabend wird die nächste Gewitterzone über NRW ziehen. Am Donnerstag und Freitag wird es mit weiterhin sommerlichen Temperaturen von um die 25 Grad jedoch angenehmer. (ddp)
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