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Ölpest in den USA: Nebenbohrung dauert drei Monate

Das Deepwater-Desaster wird BP Milliarden kosten. Sollten Tiefsee-Bohrungen künftig verboten werden, drohen dem Konzern weitere Verluste - oder der Untergang. Von Jakob Schlandt

Der selbsternannte grünste aller Ölkonzerne gerät ob des Deepwater-Desasters heftig in Bedrängnis.
Der selbsternannte grünste aller Ölkonzerne gerät ob des Deepwater-Desasters heftig in Bedrängnis.
Foto: rtr

Eine fatale Fehleinschätzung: "Höchst unwahrscheinlich oder gar unmöglich" sei eine großflächige Ölverschmutzung, hatte BP noch voriges Jahr in einer Risiko-Einschätzung über die versunkene Bohrinsel Deepwater Horizon geschrieben. Nun ist die Katastrophe doch eingetreten. Das Unglück auf der Deepwater Horizon wird den selbst ernannten grünsten aller Ölkonzerne weit mit in die Tiefe reißen.

Erst in drei Monate köbnne das Leck abgedichtet sein, gab der Konzern nun bekannt. Am Sonntag hätten die Bohrungen für einen "Nebenzugang" zu der ursprünglichen Ölquelle begonnen. Dies sei ein "entscheidender Schritt, um den Öl-Ausfluss dauerhaft zu stoppen", sagte BP-Chef Tony Hayward. Die Bohrung geht demnach bis zu vier Kilometer unter den Meeresgrund und dauert "rund drei Monate". In der Zwischenzeit tue BP alles, "um den Öl-Ausfluss am Meeresgrund zu kontrollieren, das Öl auf hoher See zu bekämpfen und die Küsten in einem massiven Aufwand zusammen mit den Behörden und lokalen Gemeinden zu schützen", sagte Hayward. Zugleich habe BP einen zweiten Versuch gestartet, das Öl nahe des ursprünglichen Lecks am Meeresboden mit speziellen Chemikalien zu vermischen, damit sich das Öl "natürlich zersetze". Außerdem soll in "etwas mehr als einer Woche" mit der Installation einer Kuppel begonnen werden, die das Öl ableiten soll. Am Meeresgrund sind weiter acht Unterwasser-Roboter im Einsatz.


Foto: FR / Infografik

Rund 15 Prozent hat der Aktienkurs seit Anfang voriger Woche verloren. BP, immerhin der drittgrößte private Ölkonzern der Welt, ist nun rund 20 Milliarden Euro weniger wert. Ein US-Gesetz, das nach dem Exxon-Valdez-Unglück 1989 eingeführt wurde, regelt unmissverständlich, dass die Lizenznehmer nach einem Unglück alle Schäden bezahlen müssen. Im Fall der Deepwater Horizon hält BP 65 Prozent der Lizenz, weitere 25 Prozent besitzt die US-Gesellschaft Anadarko Petroleum. Mit zehn Prozent ist die japanische Mitsui-Gruppe beteiligt.

Noch ist seriös kaum abzuschätzen, wie hoch die Rechnung ausfällt. Einige Analysten haben versucht, den finanziellen Schaden für BP zu beziffern. Das Investmenthaus Bernstein schätzt den Schaden auf 14 Milliarden Dollar: Sieben Milliarden für die Beseitigung des Öls, 2,5 Milliarden für die Fischer, drei Milliarden für die Tourismusindustrie und dazu kleinere Beträge für weitere Sektoren. Andere Analysten setzten die Zahl niedriger an.

Der Untergang der Bohrinsel

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Eine Übertreibung also? Möglicherweise unterschätzen die Märkte die Auswirkungen noch. BP-Chef Tony Hayward macht diesen Fehler nicht. Er ist in ein Hotel in Houma, einer Stadt im Mississippi-Delta, gezogen. Dort wird er erst einmal bleiben, um die Krise zu managen. Und er sagt: "Meine Aufgabe in den kommenden drei Jahren ist es, diesen Vorfall hinter uns zu lassen."

Denn mit den Aufräumarbeiten und Schadenersatzzahlungen ist es noch lange nicht getan. In den vergangenen Jahren galten Offshore-Bohrungen als die nächste große Bonanza. Öl wird weltweit knapp. Leicht erreichbare Vorkommen an Land gibt es fast nur noch in den Staaten des Ölkartells Opec - und die sind für westliche Konzerne quasi Sperrgebiet. Also zog es die Multis immer weiter aufs Meer hinaus.

BP ist mit besonderem Eifer in dieses Geschäft eingestiegen und weltweit führend. Die schwimmende Plattform Thunder Horse im Golf von Mexiko ist die größte ihrer Art. Auch vor Angola bereitet BP derzeit gewaltige Bohrungen vor und hat sich zuletzt auch an Projekten beteiligt, um in großen Tiefen vor Brasiliens Küste Öl zu gewinnen.

Diese Projekte sind ohnehin teuer. Auf rund 60 Dollar pro Fass (159 Liter) werden die Förderkosten für Offshore grob geschätzt - das enorme Schadensrisiko bei einem Unterwasserleck nicht eingerechnet. Schätzungen von Experten zufolge sind die wenigsten Ölfirmen versichert - genau wie BP.

Fest steht schon jetzt: Will man sich in Zukunft absichern, dann werden die Prämien deutlich höher ausfallen als noch vor dem Unglück. Dazu könnten neue Sicherheitsvorschriften kommen, die die Kosten weiter in die Höhe treiben. Und: Vielleicht verbieten einige Staaten, darunter die USA, Offshore-Bohrungen in großer Tiefe sogar ganz. Das Geschäftsmodell Offshore-Öl könnte absaufen - wie die Deepwater Horizon. (aktualisiert mit dpa)

Autor:  Jakob Schlandt
Datum:  4 | 5 | 2010
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