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Paar testet Sex-Ratgeber: "Die Kohlrouladen waren ein Fehler"

Gab es Praktiken, bei denen Sie vor Lachen nicht mehr konnten?

Sie: Dauernd, besonders am Anfang unseres Experiments. Das war eine Mischung aus Scham und ständigem Reflektieren von dem, was wir gerade machten. Ich habe gelernt, dem Sex mehr Ernsthaftigkeit entgegen zu bringen. Das war gut, weil das Lachen mich von meinen Empfindungen abgelenkt hat.

Er: Bei der 360°-Stellung haben wir zusammen gelacht. Dabei soll sich der Mann während des Geschlechtsverkehrs einmal wie ein Uhrzeiger drehen. Ich hatte schon vorher die Anleitung nicht verstanden. Und dann lagen wir da im Bett zusammen und haben immer versucht, einen Blick darauf zu werfen und den nächsten Schritt zu lesen. Das war wirklich komisch.

Sie haben wirklich alles gegeben für guten Sex - einmal kam Ihnen sogar das Essen hoch.

Sie: Die Kohlrouladen waren ein Fehler. Das passierte ja bei einer Kamasutra-artigen Yogi-Stellung, wo ich kopfüber rückwärts auf dem Boden landete und das hat sich mit dem Mittagessen nicht vertragen.

Was würden Sie auf keinen Fall wiederholen wollen?

Er: Die Frau geht nackt, nur mit dem Trenchcoat bekleidet, den Müll runter bringen - also das macht mich gar nicht an. Und: Er geht Dessous kaufen. Weil ich auf Dessous eh nicht besonders stehe. Es wird immer behauptet, alle Männer fänden es scharf, ihren Frauen Dessous zu kaufen - und dann steht man da in dieser Damen-Unterwäsche-Abteilung und ist der einzige Mann weit und breit. Wo sind denn die alle anderen, die das so scharf finden?

Sie: Das Ölwrestling ist wirklich nicht mein Ding. Wir haben uns da ja so ein Video angeguckt. Ich sah da zwei Menschen in einem Spießerwohnzimmer vor Gummibaum und Kunstledersofa ringen. Das war sehr komisch - und sehr leidenschaftslos. Ich kann überhaupt nicht verstehen, was man daran erotisch finden kann. Ich weiß aber, dass mein Mann auf kämpfende Frauen steht, und dann haben wir es halt ausprobiert. Und es war dann auch so ähnlich wie im Video - nur ohne Kunstledersofa.

Irgendwann geben Sie auf und gestehen, dass Sie kein perfekter Liebhaber werden - warum haben Sie es nicht geschafft?

Er: Das bezog sich auf das Buch von Lou Paget "Der perfekte Liebhaber", das war eines der absurden Bücher. Da standen so Sachen drin wie: "waschen Sie sich, damit Sie beim Sex nicht stinken." Ich hab das gelesen und habe mich gefragt: Für wen ist das eigentlich geschrieben? Für Neandertaler, die noch nie zwischenmenschlichen Kontakt hatten? Und dann Tipps wie: Vor dem Sex Finger waschen, den Bart weichspülen und die Partnerin fragen, ob sie sich bitte abschminken könne. Nach Pagets Kriterien für einen perfekten Liebhaber bin ich gnadenlos gescheitert.

Sie: Ich fand das auch absurd - obwohl ich es schön fand, dass du mir, seitdem du das Buch gelesen hattest, öfter mal Blumen mitgebracht hast.

Er: Die Autotür habe ich dir aufgehalten, Sachen in die Wohnung getragen - mehr Sex hatten wir trotzdem nicht.

Gibt es auch etwas, das Ihnen beiden gefallen hat?

Sie: Das Rollenspiel - und das ganze Experiment. Weil man dem Sex wieder einen Stellenwert gegeben hat. Also ich vor allem. Alles ist lockerer und offener geworden, auch weniger genant.

Was ist guter Sex?

Sie: Einer, bei dem man seinen Kopf verliert.

Er: Wenn beide die Kontrolle aufgeben, in ein Zeitloch fallen und sich selbst nicht wieder erkennen.

Was hat Ihnen Ihr Sex-Experiment für Ihr Sexualleben und für Ihre Beziehung gebracht?

Er: Wir haben heute kein tägliches spannendes Sexualleben. Aber es bleibt die Erkenntnis, dass man, wenn man mit seinem Sexualleben unzufrieden ist, etwas dagegen tun kann. Dass man eine Lustkrise zusammen überwinden und sexuell eine schöne Zeit erleben kann.

Sie: Was ich aus dem Experiment gelernt habe, dass es gar nicht darum geht, alle Stellungen auszuprobieren. Schön war, dass wir uns Zeit genommen haben für den Sex und dann darüber geredet haben. Wir haben uns noch mal neu kennen gelernt.

Interview: Frederik Jötten

Ann Wolff und Ben Hase: Sex zum Selbermachen. Erotikratgeber empfehlen, wir probieren´s aus, Droemer/Knaur Verl., 217 Seiten, 8,95 Euro.

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Datum:  24 | 8 | 2009
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