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Paar testet Sex-Ratgeber: "Die Kohlrouladen waren ein Fehler"

Ann Wolff und Ben Hase haben unzählige Sex-Ratgeber ausprobiert - am eigenen Leib. Über die Ergebnisse haben sie selbst ein Buch geschrieben. Ein ganz offenes Doppelinterview.

Geheime Wünsche sind manchmal nicht ganz deckungsgleich.
Geheime Wünsche sind manchmal nicht ganz deckungsgleich.
Foto: Galanty

Wie oft am Tag denken Sie an Sex?

Sie: Einmal in der Woche.

Der Sprung vom Tisch: Beide schreien im Flug einen heimlichen Sexwunsch heraus.
Der Sprung vom Tisch: Beide schreien im Flug einen heimlichen Sexwunsch heraus.
Foto: Galanty

Er: Laut einer Untersuchung denken Männer 13 Mal am Tag an Sex - bei mir ist es eher so, dass ich 13 Mal am Tag nicht an Sex denke. Meine Fantasie ist grenzenlos. Ich denke an Sex im Park, unter der Dusche, an Dreier.

Sie sind seit 10 Jahren ein Paar - die Realität sieht anders aus.

Flaute im Bett - Ratgeber können helfen, so lange man sie nicht allzu ernst nimmt.
Flaute im Bett - Ratgeber können helfen, so lange man sie nicht allzu ernst nimmt.
Foto: Galanty

Sie: Wir hatten bis vor kurzem zwei- bis dreimal im Monat Sex. Im Gegensatz zu anderen Paaren mit Kindern war das noch relativ häufig.

Er: Mir war das zu wenig. Wir waren uns aber einig, dass wir unser Sexualleben beleben wollten. Deshalb haben wir sämtliche Sexratgeber bestellt und getestet.

Zuerst sind Sie gemeinsam von einem Hocker gehüpft - warum?

Sie: Ein Paartherapeut schreibt, dass man sich wie bei einem Fallschirmsprung fühlt, wenn man sich seine geheimen sexuellen Fantasien beichtet - ein Gefühl zwischen Angst und Euphorie. Sein Tipp: Man soll auf einen Hocker steigen, sich an den Händen halten, springen - und im Flug herausbrüllen, was man sich schon immer wünscht. Als die Kinder im Bett waren, standen wir auf dem Hocker und riefen beide. "Ich will."

Er: "dich in Latex sehen", brüllte ich. - und Ann: "Blümchensex!" Das war ein Schock für mich.

Sie: Eigentlich inkompatibel. Ein Wunder, dass wir es so lange miteinander ausgehalten haben - und man sieht, dass wir etwas tun mussten.

Nach Ihrer umfangreichen Recherche: Sehen Sie grundsätzliche Unterschiede in den Bedürfnissen von Mann und Frau?

Sie: Ich glaube, dass es generelle Unterschiede gibt. Ich habe mich mit zwei 80-jährigen Sexualtherapeuten unterhalten, am Ende sagten beide: Frauen wollen immer Zärtlichkeit. Bei Ben und mir wirken die Unterschiede vielleicht extrem, aber vielleicht äußern andere Paare ihre Bedürfnisse auch nicht so ehrlich wie wir.

Sie vergleichen in Ihrem Buch die menschliche Sexualität mit der von Mäusen

Sie: Ich nicht! Ich musste mich ja mit meinem Mann verständigen und mich auf seine animalische Ebene runter begeben.

Er: Aus meinem persönlichen Erleben ist der typische Unterschied zwischen Mann und Frau: Man lernt einander kennen, es funkt und man merkt, jetzt müsste es eigentlich den Schritt weiter gehen. Dann steht man zusammen vor der Haustür. Eeine Frau ist in der Lage zu sagen: "Ich glaube, das ist jetzt nicht so eine gute Idee, lass es uns sein lassen." Dazu wäre ein Mann nicht in der Lage - jedenfalls ich nicht.

Wollen Sie behaupten, Männer sind triebgesteuerte Wesen, unfähig den Verstand zu bedienen?

Er: Ich hatte eine Affäre und natürlich habe ich auch daran gedacht, dass ich Familie habe, aber das sind dann so Momente, in denen ich die Gedanken beiseite schiebe. Der Trieb geht mit mir durch. Es gibt doch einen genetischen Instinkt, der uns Männer dazu verleitet, so oft an Sex zu denken.

Sie: Ich halte nichts von diesen Tiervergleichen. Wir Menschen haben unsere Bedürfnisse - aber wir haben einen Willen und es ist schön, ihn zu nutzen. Ich glaube allerdings, dass Männer eine andere Sexualität haben als Frauen. Ihre Libido ist in der Regel größer, Männer werden davon stärker beeinflusst. Und wenn man Kinder gekriegt hat, wird der weibliche Körper so umfunktioniert, dass man sich eine Zeit lang nicht mehr als Sexualwesen empfindet, sondern als stillende Mutter.

Zur Praxis im Bett: Welche Musik empfehlen Sie zum Akt?

Er: Ich bin ein großer Miles Davis Fan, da gibt es eine Platte, die heißt Lovesongs - und die eignet sich gut zum Sex.

Sie: Ich brauche keinen Soundtrack zum Sex. Miles Davis hat mich total abgelenkt. Mit der Trompete im Hintergrund konnte ich nicht. Man hört besser in sich rein ohne Musik.

Was war der beste Tipp?

Sie: Der beste Tipp war, absichtlich schlechten Sex zu haben.

Er: Damit konnte ich nichts anfangen. Warum soll man Sex haben, wenn er schlecht ist? Das hat man doch oft genug.

Was ist so gut am schlechten Sex?

Sie: Man verständigt sich darauf, was man gar nicht haben will - und dabei fällt einem auf, dass der Sex, den man die ganze Zeit hatte, eigentlich gar nicht so schlecht war. Wir haben uns auf die Schulter geklopft und gesagt: Toll, das war jetzt wirklich schlecht. Und es war lustig.

Er: Der Tipp hilft, wenn man seine Vorstellungen relativieren möchte. Ich finde Fantasien aber wichtig. Für mich gab es zwei wertvolle Tipps. 1. Nicht so oft über Sex reden, sondern machen. 2. Das Rollenspiel. Man kann Fantasien ausleben, immer unter dem Deckmantel einer Rolle.

In Ihrem Buch wird beschrieben, wie Sie im Damen-Unterhemd vor Ihrer Frau standen und versuchten, den griechischen Bauarbeiter Gorgos zu geben. Sie spielte eine Kaufhaus-Kosmetikerin und wedelte mit Duftproben vor Ihrer Nase herum. Wie konnten Sie dabei ernst bleiben?

Er: Für mich hatte das auch etwas Ironisches. Dazu muss man sagen, dass ich ein lausiger Schauspieler bin. Es ist nie ernst zu nehmen, wenn ich versuche irgendetwas darzustellen. Aber das habe ich ernst gespielt.

Sie: Ich habe nicht gelacht! Das war eine irrsinnige Leistung. Hätten wir dieses Rollenspiel zu Anfang unseres Tests gemacht, wäre ich vor Lachen zusammengebrochen, das wäre nicht gegangen. Aber mit dieser Rolle hätte ich mich vielleicht sogar bei einer Schauspielschule bewerben können. Das Vulgäre, was ich dieser Rolle gegeben habe, hat funktioniert, obwohl ich das sonst immer strikt ablehnen würde.

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Datum:  24 | 8 | 2009
Seiten:  1 2
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