Zwei Brände in pakistanischen Fabriken haben am Dienstag mehr als 300 Menschen das Leben gekostet. Beim Brand in einer Textilfabrik von Karachi wurden bisher knapp 290 Leichen geborgen, in einer Schuhfabrik von Lahore starben 21 Arbeiter.
Der verheerende Brand in der Textilfabrik brach nach ersten Erkenntnissen der Behörden am Dienstagabend im Erdgeschoss des vierstöckigen Gebäudes aus und breitete sich rasch aus. Dutzende Arbeiter sprangen in ihrer Verzweiflung aus den Fenstern der oberen Stockwerke: Manche überlebten, wenn auch teilweise mit schweren Knochenbrüchen, rund 65 von ihnen wurden im Krankenhaus behandelt.
Für die Arbeiter im Keller aber gab es keine Rettung. Sie erstickten, bevor das Feuer auch ihren Saal erfasste. Dort wurden die teils bis zur Unkenntlichkeit verkohlten Leichen erst nach Stunden von der Feuerwehr gefunden. Die Ursache für das Unglück blieb zunächst unklar.
Ein Polizeisprecher sagte, in dem Gebäude habe es keinerlei Sicherheitsvorkehrungen gegeben: „Es gab keinen Notausgang. All die Leute saßen fest.“ Der Feuerwehrchef sagte, die Arbeiter seien „wie Ameisen“ in den Werksälen eingepfercht gewesen, ohne ausreichende Belüftung und Notausgänge. Zudem habe der Besitzer alle Ausgänge außer der Haupttür an der Vorderseite verriegelt. Die Firmenleitung sei geflüchtet, nach den Managern werde gefahndet, sagte ein Regierungssprecher. Es laufen Ermittlungen wegen Fahrlässigkeit.
Stunden vor der Katastrophe in Karachi war bereits in einer Fabrik in Lahore im Osten des Landes ein Feuer ausgebrochen, in der Sandalen und Plastiksohlen produziert wurden. 21 Arbeiter kamen dabei nach Behördenangaben ums Leben, 14 wurden verletzt, bevor die Feuerwehr den Brand unter Kontrolle bringen konnte. Das Feuer brach Polizeiangaben zufolge aus, als nach einem Stromausfall in der Fabrik versucht wurde, den Generator einzuschalten. Funken kamen mit Chemikalien in Kontakt und setzten sie in Brand. Einige der Opfer seien verbrannt, andere erstickt, sagte ein Polizeisprecher. Die Fabrik war illegal in einem Wohnviertel betrieben worden. Auch dort gab es keine Fluchtwege.
Die Textilindustrie ist ein wichtiger Faktor für Pakistans krisengeschüttelte Wirtschaft. Rund 38 Prozent aller Arbeiter sind hier beschäftigt, nur wenige Fabrik-Betreiber halten sich an die Sicherheitsregeln für den Arbeitsplatz. Der pakistanische Ministerpräsident Raja Pervaiz Ashraf äu sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus. (dapd, AFP)
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