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17. Dezember 2013

Pelze: Bei lebendigem Leib

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In China gibt es die größte Pelzproduktion. Hier türmen sich die FElle von Dutzenden weißen Füchsen.  Foto: REUTERS

Jedes Jahr sterben allein in China Millionen von Tieren für die Mode. In nicht artgerechter Haltung werden die Tiere in winzigen Käfigen gehalten und brutal getötet. Viele der Tiere sind noch am Leben, wenn ihnen ihr Fell vom Körper gerissen wird.

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Kaum ein modisches Accessoire wird wohl mit solchen Klischees belegt wie der Pelz. Ein Pelzmantel ist teuer. Wer ihn trägt, zeigt damit, dass er das nötige Kleingeld hat, um ihn zu kaufen. Pelz war immer eins der ultimativen Statussymbole in der Modebranche.

Trotz anhaltender Aufklärung der Konsumenten durch Tierrechtsorganisationen wie Peta oder den WWF, die immer wieder grausame Videos von Pelztierfarmen und Robbentötungen veröffentlichen, scheint das Bewusstsein der Menschen für die Herkunft und Herstellung von Pelzen nicht zu steigen. Der Umsatz im Pelzgeschäft ist nach Angaben des Deutschen Pelzinstituts in 2012 um zwei Prozent gestiegen.

In den vergangenen Jahren hat beispielsweise der Trend, Wollmützen mit einer Bommel aus Echtfell zu tragen, stark zugenommen. Mittlerweile kann man die Bommel zum Selbstannähen im Lederfachhandel kaufen; ein Stück Kaninchenfell – auf Wunsch auch in modischen Farben gefärbt – kostet nur rund 26 Euro. Das macht es für Konsumenten einfach, ein Stück Luxus zu tragen. Zwar distanzieren sich immer mehr Modehäuser und Designer von Pelzprodukten und entscheiden sich gegen das Geschäft mit den Pelzen. Doch gibt es weltweit eine riesige Produktion von Pelzen, die eine immer noch andauernde Nachfrage nach Fell von Kaninchen, Füchsen und Marderhunden deutlich macht. China ist momentan der führende Pelzlieferant, jährlich sterben dort allein 15 Millionen Marder für die Mode. Dort müssen sogar Hunde und Katzen für die Fellproduktion ihr Leben lassen.

Kaninchen werden für ihr Fell gezüchtet

Die Kaninchen, deren Fell zum Beispiel für die Besätze an modernen Kapuzenjacken verwendet werden, werden ausschließlich für ihr Fell gezüchtet. Sie leben lediglich ein paar Wochen, bis sie groß genug sind, um einen passablen Pelz zu liefern. Es wird dabei nicht darauf geachtet, ob das Fleisch noch verwendet werden kann. Es geht nur um das Fell, der Rest ist Abfall.

Die Generation, die in den 80er und 90er Jahren mit der Kritik an Pelz und an der Haltung von Pelztieren groß geworden ist, schmückt sich heute mit dem edlen Material. Susanne Kolb-Wachtel, Vorsitzende des Deutschen Pelzinstituts, sieht den Trend unter jungen Frauen, wieder Pelz zu tragen als ein Zeichen der Emanzipation: „Die jungen Frauen zeigen damit, dass sie auf eigenen Füßen stehen, dass sie Karriere machen und sich solch ein teures Kleidungsstück selbst finanzieren können.“

Der Pelz ist nach wie vor ein Luxusobjekt - trotz Warnungen der Tierschützer steigt der Umsatz im Pelzgeschäft.
Der Pelz ist nach wie vor ein Luxusobjekt - trotz Warnungen der Tierschützer steigt der Umsatz im Pelzgeschäft.
 Foto: dpa

Außerdem sei das Tragen von Pelz heute auch nicht mehr so stark an Anlässe gebunden wie noch vor zwanzig Jahren. Wurde der Pelzmantel früher nur für den sonntäglichen Kirchgang oder den Abend in der Oper rausgeholt, ist ein modisches Pelzjäckchen heute so bürotauglich wie Jeans und Turnschuhe, sagt Kolb-Wachtel.

Luxusobjekt Pelz

Synthetische Kleidungsstücke sind mittlerweile genauso warm und funktional wie Tierfelle, was den Pelz zu einem Luxusobjekt macht. Es sind aber vor allem die Haltung und die Tötung der Pelzlieferanten, die immer wieder zu Diskussionen über das Tragen von Pelz führen.

In nicht artgerechter Haltung werden die Tiere alleine oder sogar zu mehreren in winzigen Käfigen gehalten. Tiere wie der Fuchs oder der Nerz, die in freier Wildbahn riesige Territorien durchwandern, können sich nicht ausreichend bewegen und beginnen früher oder später in der Gefangenschaft, sich selbst oder gegenseitig zu verstümmeln, indem sie sich Beine und Schwänze blutig beißen. Sind die Tiere groß genug, werden sie meist auf eine Art und Weise getötet, die mit Schmerzen und Qualen verbunden ist.

Da der Pelz möglichst unversehrt und in einem Stück bleiben muss, um bei den Händlern einen guten Preis zu erzielen, werden Marderhunde mit einer Eisenstange erschlagen, Nerze vergast und Füchse mit einem analen Elektroschock getötet.

Es gibt zwar Zertifikate wie das OA-Label („Origin Assured“ – Herkunft gesichert), die die Herkunft von Pelzen aus Ländern mit Tierschutzgesetzen nachweisen sollen. Doch die große Mehrheit der Tiere wird in China gezüchtet und getötet, dort gibt es diese Gesetze nicht. Die Arbeiter auf den chinesischen Pelztierfarmen sind oft schlecht ausgebildet oder arbeiten nicht sauber. Viele der Tiere sind noch am Leben, wenn ihnen ihr Fell vom Körper gerissen wird.

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