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Peru: Die magere Story der "Fettmörder"

Vor wenigen Tagen schockierte Perus Kripo-Chef noch mit der Geschichte einer Mörderbande, die das Körperfett ihrer Opfer verkauft. Nun ist klar: das Ganze war eine Räuberpistole. Von Wolfgang Kunath

Von den mal 60, mal 100 Opfern der Fettmörder blieb am Ende nur ein Toter übrig.
Von den mal 60, mal 100 Opfern der "Fettmörder" blieb am Ende nur ein Toter übrig.
Foto: dpa

Im November hatte Félix Murga, Perus Kripo-Chef im Rang eines Polizeigenerals, der Presse noch persönlich das makabre Beweisstück präsentiert: eine Limonadenflasche, gefüllt angeblich mit menschlichem Körperfett - einer Substanz, für die eine Mörderbande ihre Opfer umgebracht habe. Perus Kriminalpolizei schien mit der Aufklärung des abstrusesten Verbrechens der Gegenwart beschäftigt zu sein - doch nun stellt sich heraus, dass an der haarsträubenden Geschichte von den sogenannten Pishtacos, die für Menschenfett morden, so gut wie nichts gestimmt hat.

"Wir waren außerordentlich erstaunt, dass hier bei uns eine Bande von Pishtacos operieren soll, wir wussten doch, dass das nicht wahr ist", zitierte die peruanische Zeitung La República einen nicht genannten Polizisten aus Huánuco, der Gegend, von der Murga behauptet hatte, dass dort die Fettmörder umgingen. Das untermauerte die Zweifel an Murgas Geschichte und führte am Ende zu seiner Entlassung.

Murga berief sich auf vier festgenommene angebliche Pishtacos, die gestanden hätten, ihre Bande habe in den vergangenen 30 Jahren rund 100 Menschen getötet und jedem einen Liter Fett abgesaugt, das die Kosmetikindustrie verwende. "Zweifellos wurde dieses Fett im Ausland vermarktet, wahrscheinlich waren die Verdächtigten Teil des internationalen Körperfett-Handels", sagte Murga und bezifferte den Wert eines Liters menschlichen Fettes mit rund 10.000 Euro. Das weckte erste Zweifel: Menschenfett hat keinen Handelswert. Es wird bei Lipoaspirationen weltweit kubikmeterweise abgesaugt und als Sondermüll verbrannt.

Ablenkung von Berichten über Verbrechen der Polizei?

Von den mal 60, mal 100 Opfern blieb am Ende nur ein Toter übrig - ein offenbar von seinen Kumpanen oder Rivalen ermordeter Drogenhändler. Perus Innenminister Octavio Salazar hatte die Version seines obersten Kriminologen jedoch noch bekräftigt, als die meisten Peruaner schon ungläubig die Köpfe schüttelten. Murgas Vorgesetzter, der oberste Polizeichef Miguel Hidalgo, kündigte am Dienstag (Ortszeit) bei der Entlassung Murgas eine Untersuchung an, warum der angesehene Kriminalist die phantastische Version eines nicht begangenen Verbrechens verbreitet hat. Spekulationen zufolge wollte die Polizei damit von einem Pressebericht ablenken, nach dem Todesschwadronen der Polizei in Selbstjustiz 46 mutmaßliche Verbrecher getötet haben.

Die Pishtacos sind fester Bestandteil der Mythologie im Andenhochland, in dem auch Huánuco, die angebliche Tatregion, liegt. Sie sind Einzeltäter, sehen aus wie Ausländer und morden arme Reisende nachts wegen ihres Körperfettes, das im Ausland als Kosmetikum oder als Treibstoff verwendet wird - offenkundig eine Metapher auf die Jahrhunderte lange Ausbeutung Perus durch Ausländer. Perus berühmtester Schriftsteller Mario Vargas Llosa verknüpfte die düstere mythische Gestalt in seinem 1993 erschienen Buch "Tod in den Anden" mit der damals aktiven maoistischen Guerrilla und ihrer archaischen Grausamkeit.

Autor:  Wolfgang Kunath
Datum:  2 | 12 | 2009
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