Rapper Snoop Dogg und Hip-Hopper Timbaland haben einen Ox, Lionel Richies Adoptivtochter Nicole hätschelt eine Tray, und Hip-Hop-Pionier D.M.C. von Run-DMC ist stolz auf seinen Ice Bat. Was auf den ersten Blick seltsam wirkt: Das, worauf all die als trendy anerkannten Promis abfahren, ist eigentlich ein Spielzeug - nämlich "Ugly Dolls", hässliche Puppen.
Früher unvorstellbar für ein Kuscheltier: Die meisten der plüschigen Monster haben Überbiss und plumpe Körper mit zu kleinen oder überdimensionierten Extremitäten. Zwischen ein und drei Augen sind den bunten Viechern aufgenäht, wobei auch schon mal ein X statt eines Auges zu sehen ist. Und: alle glotzen.
Kein süffisantes oder verschmitztes Grinsen, kein trauriger Dackelblick. Nein, ohne Wimpern und Augenbrauen starren sie vor sich hin. Die Ugly Dolls sind Puppen, die absichtlich verhunzt sind, fies oder debil, bestenfalls mitleiderregend aussehen. Sie punkten mit ihren Mängeln. Auch den Frankfurter Sascha Kluge, 32, hat's erwischt: "Meine Freundin und ich haben die Uglys bei einem Kalifornien-Trip entdeckt - und waren sofort hingerissen."
Seitdem beschenken sich die beiden Fotografen bei jeder Gelegenheit mit den neuesten Modellen. "Die sind einfach so hässlich, dass sie schon wieder niedlich sind", findet Kluge. Neun Figuren glotzen schon vom Sofa des Paares - das ganze Sortiment wollen die beiden aber nicht sammeln: "Manche sind dann doch einfach zu hässlich."
Eine Story zu jeder Puppe
Kluges erste Ugly Doll hieß Babo - und ist "ein Monster, das Süßigkeiten klaut". Soll heißen: der Hersteller, "Pretty Ugly Llc." aus New Jersey, hat sich eine kurze Geschichte zu jeder Figur ausgedacht, die sie charakterisieren und lebendiger machen soll. Der bei toughen Rappern offenbar beliebte Ox etwa wird als kleiner Kleptomane verkauft.
Zwar wolle sich die langohrige Figur Sachen immer nur ausleihen, doch mit der Rückgabe klappe es nie so recht. D.M.C. dagegen gefiel wohl folgende Geschichte: "Ice Bat ist seinem Namen entsprechend eiskalt und denkt vornehmlich ans Relaxen und Rumhängen." Und Nicole Richie, bekannt vor allem durch ihre TV-Soap mit Paris Hilton, hat sich bezeichnenderweise Tray ausgesucht: "Wenn du Tray glücklich machen willst, lass sie neben dir im Auto sitzen - dann fühlt sie sich wichtig."
Im Internet finden sich die Fans über die wie ein Szenecomic gestaltete Homepage, die auf Blogs und Foren der Ugly-Freunde verweist. Schon stehen ganze Abenteuer mit den kleinen Gefährten online: Uglys im Aloe-Vera-Urwald, beim Mittagsschlaf, umgeben von Hunden, Katzen und Betrunkenen. Für wen die Uglys mal gedacht waren, hat ihr Schöpfer, der US-Künstler David Horvath, in einem Interview so formuliert: "Ich schätze, sie können gesehen werden als ,für Kinder' - aber letztlich sind sie für das Kind in uns allen."
Wahrscheinlich hatte er bei dem verklärten Statement die Entstehungsgeschichte seiner Kleinen im Hinterkopf: Die Puppen sind angeblich keine Idee cleverer Geschäftsleuten, sondern das Produkt einer Liebes-Romanze. Horvath lebte mit der südkoreanischen Kinderbuchautorin Sun-Min Kim zusammen in den USA, bis sie nach dem 11. September 2001 heimkehrte.
Er schrieb ihr viele Liebesbriefe - und signierte jeden mit der Zeichnung einer roten, kleinen Kreatur mit spitzen Eckzähnen und Hörnern statt Ohren. Zu Weihnachten bekam er die auf "Wage" getaufte Figur von Sun-Min in einer handgenähten 3-D-Version geschenkt. Der erste Hässliche war geboren - und damit ein cleveres Erfolgsrezept: Ein Kinder-Kuscheltier mag kein noch so infantiler Erwachsener mit sich herumtragen. Sogar den eigenen Kindern schenken coole Prenzlauer-Berg-Eltern lieber eine schräge Püppchen-Parodie als traditionelle Teddys. "Stoffbärchen finde ich spießig", sagt auch Kluge.
Vor allem Spielzeughersteller, die mit jungen Designern zusammenarbeiten, erkannten den Trend und bieten mehr und mehr Puppen und Plüschvieh, auf das sich szenebewusste Eltern und spielwütige Kids einigen könne: Die Firma Friends-With-You verkauft Plüschfiguren toter Pinguine, Touma bietet Zombie- statt Barbie-Puppen und ein deutscher Händler namens TomTrasherToys preist seinen "Kebabman" an - mit Kastenbrille oder Maschinengewehr.
Was der Erwachsene mit den schicken Scheusalen anstellt, ist unklar - am ehesten eben sammeln und verschenken. "Zwar hat meine Freundin einem unserer Dolls sogar einen Pulli mit Namenszug gestrickt", verrät etwa Kluge, "aber, nein, gespielt wird bei uns nicht mit ihnen. Wir nutzen sie eher als Kissen." Deshalb sei auch immer ein Ugly Doll im Urlaubsgepäck." Kluges vierjährige Nichte dagegen falle bei jedem Besuch über die Viecher her - und zweckentfremde sie als schnödes Spielzeug.
Schräge Kandidaten, internationale Musik: Das ist der Eurovision Song Contest in Baku. Wegen der politischen Zustände in Aserbaidschan wird er dieses Jahr heftiger Kritik begleitet. Mehr dazu im Spezial.
Aktuelle Nachrichten aus der Gesellschaft
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.
Werben auf dem iPad
Das iPad als Werbeform bietet besonders viele Möglichkeiten. Gerne beraten wir Sie persönlich.