Moskau. Mit haarsträubenden Methoden bei der Verbrecherjagd hat die ohnehin in die Kritik geratene russische Polizei neue Empörung ausgelöst. Der Autofahrer Stanislaw Sutjagin hielt den Vorfall am Freitag mit seiner Kamera fest und stellte das Video ins Internet, wie am Mittwoch bekannt wurde. Er sei mit seinem Wagen auf einer Moskauer Umgehungsstraße unterwegs gewesen, als er und andere Autofahrer von Verkehrspolizisten angewiesen worden seien, sich quer auf die Fahrbahn zu stellen. Eine Begründung gab es laut Sutjagins Ausführungen nicht. Sekunden später sei ein flüchtiger Krimineller mit großer Geschwindigkeit herangerast und habe sein Auto und weitere Fahrzeuge beschädigt. In einem Wagen habe eine schwangere Frau gesessen.
Die Polizisten hätten erklärt, es gebe keinen finanziellen Ausgleich für die Schäden am Auto, da der bewaffnete Täter entkommen sei. Die Autofahrer seien als lebende Schutzschilde missbraucht werden, sagte Sutjagin in dem Videospot. "Ist unser Leben in unserem Land wirklich nichts wert?", fragte er.
Mitglieder des russischen Unterhauses forderten Fernsehberichten zufolge eine Erklärung von der Polizei. "Der Zynismus und die Gedankenlosigkeit dieser Beamten hat Menschenleben aufs Spiel gesetzt", sagte Michail Grischankow von der Regierungspartei Einiges Russland dem Fernsehsender NTW.
Video zu den Schäden
(In russischer Sprache, Dokumentation der Schäden ab Sekunde 35)
Disziplinarische Schritte angekündigt
Russische Zeitungen nannten das Vorgehen der Polizei einen Skandal. Die Bewegung der Autofahrer Russlands verlangte, die Verantwortlichen zu bestrafen und die Autobesitzer zu entschädigen. Die Polizei habe kein Recht, einfache Menschen für eine lebensgefährliche Jagd auf Banditen zu missbrauchen, sagte der Vize-Präsident der Bewegung, Leonid Olschanski, der Agentur Interfax.
Die Polizei entschuldigte sich. Die Sprecherin der Moskauer Polizeibehörde, Marina Wassiljewa, kündigte disziplinarische Schritte gegen die Mitarbeiter an, die den Einsatz in der Nacht zum 5. März veranlasst hatten. Der russische Präsident Dmitri Medwedew hatte die Zustände in der als kriminell verschrien Polizei mehrfach kritisiert und vom Innenministerium radikale Reformen gefordert. (afp, dpa)
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