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10. Mai 2012

Potenzmittel aus China: Pillen aus Kinderföten

 Von Bernhard Bartsch
Das gelbe Pulver gilt als Potenz- und Allheilmittel.  Foto: AFP

Der Fund von mehreren tausend Kapseln mit pulverisierten Föten und Babys in Südkorea sorgt weltweit für Entsetzen. Die Kapseln stammen aus Nordostchina und gelten als Potenz- und Allheilmittel.

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Peking –  

Anfang der Woche teilte der südkoreanische Zoll mit, dass er 17.450 Kapseln mit pulverisierten Föten und Babys beschlagnahmt hat. Gefunden wurden sie in Gepäckstücken und Paketen aus der Volksrepublik.

Die Beamten waren den Schmugglern schon länger auf der Spur. In den vergangenen zehn Monaten seien insgesamt 35 Lieferungen mit Kapseln sichergestellt worden, hieß es. In Südkorea werden diese für 40.000 Won (27 Euro) pro Stück verkauft. Angesichts des großen Marktes hätten sich die Behörden entschlossen, den Fall bekanntzumachen – nicht zuletzt, um vor den Risiken des vermeintlichen Wundermittels zu warnen. Denn das Fötenpulver könne Bakterien oder andere Krankheitserreger enthalten und unter Umständen tödlich sein. Allerdings wurden bisher keine Krankheitsfälle gemeldet.

Hinter den perversen Potenzkapseln steckt offenbar eine große Industrie. Hergestellt wurden sie nach Zollangaben in Nordostchina, überwiegend in den Provinzen Jilin, Liaoning und Heilongjiang. Die toten Embryonen und Babyleichen dürften aus örtlichen Krankenhäusern und Abtreibungskliniken stammen. Aufmerksam wurden die koreanischen Behörden, nachdem koreanische Medien im vergangenen Sommer über die Herstellung und den Handel von Menschenfleischkapseln berichtet hatten. Die Reporter hatten unter anderem dokumentiert, wie chinesische Kliniken unter der Hand menschliche Überreste weiterverkaufen und wie diese dann in kleinen Fabriken zu Pulver verarbeitet werden. Laboruntersuchungen der fertigen Kapseln sollen eindeutig menschliche DNA nachgewiesen haben.

Die Berichte sorgten in Korea wie in China für Entsetzen. Pekings Gesundheitsministerium erklärte damals jedoch, man habe trotz intensiver Ermittlungen keine Hinweise darauf gefunden, welche die Recherchen bestätigten. Chinesische Medien äußerten daraufhin den Verdacht, dass es sich womöglich um Gerüchte oder gezielte Falschmeldungen handle. Chinas Gesetze schreiben den Krankenhäusern vor, dass menschliche Überreste in Krematorien verbrannt werden müssen und keineswegs wie normaler medizinischer Müll entsorgt werden dürfen.

Chinesische Behörden in Erklärungsnot

Dass nun auch der koreanische Zoll die Existenz der Kapseln bestätigt hat, bringt die chinesischen Behörden in Erklärungsnot. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua soll nun erneut ermittelt werden. Auch die Kunden der vermeintlichen Arznei, die nach Angaben von Ärzten keinerlei medizinische Wirkung haben kann, erscheinen in einem schlechten Licht. Wie weit verbreitet die Einnahme ist, lässt sich schwer beziffern, doch in den vergangenen Jahren sind in China und Nachbarländern immer wieder Fälle von kannibalischer Pharmazeutik bekanntgeworden. So kursieren im Internet etwa Fotos von Föten, die in Südchina als Suppe gekocht worden sein sollen. Die südkoreanische Zeitung Chosun Ilbo schrieb am Mittwoch, Fötenpulver sei in Seoul auf Märkten für Traditionelle Chinesische Medizin ohne große Mühe erhältlich. Ein von dem Blatt zitierter Händler erklärte, die Nachfrage sei groß und die Behörden kaum in der Lage, den Schmuggel zu stoppen: „Wenn sie harte Maßnahmen ergreifen, wird das nur den Preis in die Höhe treiben.“ Vor einem Jahr seien die Kapseln noch für 8 000 Won (5,40 Euro) das Stück verkauft worden, jetzt zahlen Kunden mehr als das Vierfache.

Für die Volksrepublik ist der Fall ein weiterer Rückschlag in dem jahrelangen Bemühen, das Image von „Made in China“ in der Welt zu verbessern. Erst kürzlich war bekanntgeworden, dass Kohlköpfe in der Volksrepublik mit Formaldehyd besprüht worden waren, um sie für den Transport haltbar zu machen. Im April mussten mehrere Pharmaunternehmen Medikamente vom Markt nehmen, weil die Gelatinekapseln krebserregende Stoffe enthielten. Sie waren aus alten Lederabfällen produziert worden.

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