Aktuell: Terror | US-Wahl | Flüchtlinge in Deutschland und Europa | Zuwanderung Rhein-Main
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Panorama
Aktuelle Nachrichten aus der Gesellschaft

20. Januar 2016

Prozess in Frankfurt: Gute Chancen für Kachelmann

 Von 
Kameras richten sich vor Beginn des Schadenersatz-Prozesses auf Claudia D., Ex-Geliebte des Wettermoderators Jörg Kachelmann.  Foto: Boris Roessler/dpa

Der Fall Jörg Kachelmann beschäftigt erneut die Justiz. Der Wetterfachmann will Schadenersatz von seiner Ex-Geliebten haben, nachdem diese ihn der Vergewaltigung beschuldigt hatte. Seine Chancen sollen nicht schlecht stehen.

Drucken per Mail

Mit Jörg Kachelmann verhält es sich wie mit dem Wetter: immer wieder angekündigt, und dann kommt’s doch ganz anders. Zu dem Termin am Oberlandesgericht jedenfalls kommt der 57 Jahre alte Wetterfex am Mittwochmorgen nicht. Muss er auch nicht: Der Vorsitzende Richter Thomas Sagebiel hat die Anordnung des persönlichen Erscheinens zur Enttäuschung der zahlreichen Pressefotografen aufgehoben. So ist die Klägerseite nur durch die Anwälte Kachelmanns vertreten. Der verlangt von seiner ehemaligen Geliebten Claudia D. Schadenersatz von mehr als 13 000 Euro. Allzu viel Geld ist das nicht. Aber vermutlich geht es Kachelmann auch gar nicht ums Geld.

Im März 2010 war Kachelmann am Frankfurter Flughafen nach einem Rückflug aus Kanada verhaftet worden. Seine ehemalige Geliebte hatte ihn wegen Vergewaltigung angezeigt. Kachelmann habe sie, nachdem sie ihn einer Affäre überführt habe, mit vorgehaltenem Küchenmesser zum Sex gezwungen. Der Wettermann saß bis zum Juli 2010 in Untersuchungshaft und ging nicht bloß in dieser Zeit durch mediale Stahlgewitter.

Im Mai 2011 sprach das Landgericht Mannheim Kachelmann vom Vorwurf der Vergewaltigung frei. Seine ehemalige Geliebte hatte sich bei ihrer Aussage in etliche Widersprüche verstrickt, das Gericht hegte zumindest berechtigte Zweifel an der Schuld Kachelmanns und tat, was es in solchen Fällen tun muss.

Danach ging Kachelmann in die Offensive. Er verklagte seine ehemalige Geliebte und Anklägerin auf Schadenersatz. Das Landgericht Frankfurt wies diese Zivilklage Ende 2013 ab. Wie im Fall der Vergewaltigung konnte das Gericht auch beim Vorwurf der Falschaussage keine Indizien finden, die die Beklagte eindeutig hätten überführen können. Kachelmann legte Berufung ein – das Ergebnis ist die neue Verhandlung vor dem OLG.

Richter Sagebiel tat jetzt bereits zu Beginn des ersten Verhandlungstags kund, dass es schon jetzt innerhalb der Kammer zumindest „eine Tendenz“ gebe. Und zwar diese: Die Klage des ehemaligen Moderators habe „grundsätzlich Hand und Fuß“ und sei „durchaus berechtigt“.

Einige Demonstranten versammelten sich vor dem Gebäude des Oberlandesgerichts.  Foto: Christoph Boeckheler

Und zumindest der erste Verhandlungstag hat diese Tendenz möglicherweise verstärkt: Nach Ansicht des Rechtsmediziners Marcel Verhoff hätten an der angeblichen Tatwaffe, dem Küchenmesser, das Kachelmann der Frau an den Hals gehalten haben soll, auch Partikel deren DNA zu finden sein müssen. Wurden aber nicht.

Doch egal, wie der Prozess ausgeht: Die meisten haben ohnehin bereits eine gefestigte Meinung zu dem Thema. Als das Mannheimer Landgericht Kachelmann freigesprochen hatte, hatte es aus dem Publikum von manchen Szenenapplaus gegeben. Andere waren weniger zufrieden.

Und so stehen auch am Mittwochmorgen von 10 Uhr an ein knappes Dutzend Demonstrantinnen in klirrender Kälte vor dem Eingang des Gerichtsgebäudes E und skandieren selbstgemachte Gedichte, in denen zumindest dem Reim zweifelsfrei Gewalt angetan wird: „Die Justiz gibt Täterschutz / Warum ist das Recht unnutz?“ Sie haben ein paar Kacheln mitgebracht, auf denen das Paragrafenzeichen abgebildet ist – eine vielleicht allzu überzwerche Form des symbolischen Protests, die sich nicht jedermann und jederfrau erschließt. Zumindest erschließt sie sich den wenigsten Passanten. Immerhin: „Ach, ist der Kachelmann schon wieder da?“, trifft eine Frau beinahe ins Schwarze.

Richtigstellung: In dem Beitrag "Gute Chancen für Kachelmann" vom 20. Januar 2015 haben wir behauptet, Jörg Kachelmann habe über eine "Vergewaltigungskultur", die in Deutschland an der Tagesordnung sei, schwadroniert. Diese Aussage ist falsch. Jörg Kachelmann hat nicht behauptet, dass es in Deutschland eine Vergewaltigungskultur gebe, die in Deutschland an der Tagesordnung ist.

[ Wie wollen wir wohnen? Die neue FR-Serie - jetzt digital oder gedruckt vier Wochen lang ab 19,50 Euro lesen. Hier geht’s zur Bestellung. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Ressort

Aktuelle Nachrichten aus der Gesellschaft.

Kalenderblatt 2016: 24. Mai

Tag für Tag finden Sie an dieser Stelle einen Rückblick auf Ereignisse, Anekdoten, Geburts- oder Sterbetage, die mit diesem Datum verbunden sind. Foto: dpa

Das aktuelle Kalenderblatt für den 24. Mai 2016: Mehr...

Globetrotter weltweit

Welche Nation nicht ohne eigenes Handtuch verreist

Nur mit eigenem Handtuch an den Hotelpool? Für viele Chinesen ein Muss im Urlaub.

Für die einen ist es das Handtuch, für die anderen die Fotokamera: Jeder Mensch legt im Urlaub auf ganz bestimmte Ding wert. Oftmals hängt das auch von der Kultur ab. Eine neue Umfrage hat ermittelt, wie die Welt 2016 verreisen will. Mehr...

Videonachrichten Panorama

Anzeige

Videonachrichten Leute