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Quentin Tarantino im Interview: "Bumm, bumm, bumm, bumm"

Kult-Regisseur Quentin Tarantino spricht über Sprachengewirr im Krieg, seine Nazi-Groteske "Inglourious Basterds" und warum er Winnetous Tod zum Heulen findet.

US-Regisseur Quentin Tarantino.
US-Regisseur Quentin Tarantino.
Foto: afp

Mr. Tarantino, wann hat Sie zuletzt ein Film zum Weinen gebracht?

Oh, mein Gott. Es ist leicht, mich mit Filmen zum Heulen zu bringen. Ich bin ein großer Softie. Wenn ein Film in sich stimmig ist, kann er in mir alle Gefühlswallungen auslösen. Aus der letzten Zeit fällt mir da "Bright Star" von meiner neuseeländischen Kollegin Jane Campion ein .

Zur Person

Quentin Tarantino, 1963 im texanischen Knoxville geboren, ist Regisseur, Drehbuchautor und Schauspieler. Zu Weltruhm gelangte er 1994 mit "Pulp Fiction".

Der Film wurde in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet. Die Kritiken waren gemischt: Die einen bemängelten die exzessiven Gewalt-darstellungen, andere sahen in Tarantino einen Protagonisten einer neuen Schule, der mit Filmzitaten jongliere und daraus einen unverwechselbaren Stil entwickelt habe.

Tarantino überzeugte später unter anderem neben George Clooney in dem Vampir-Film "From Dusk Till Dawn", für sein Schauspieler-Debüt am Broadway erntete er dagegen 1998 Verrisse.

Sein neuer Film "Inglourious Basterds" (ab 20. August im Kino) erzählt von einer Gruppe jüdischer US-Soldaten, die im besetzten Frankreich gegen die Nazis kämpft. Brad Pitt spielt den Kommandanten der Einheit, der Österreicher Christoph Waltz seinen Gegenspieler, den SS-Obersten Landa. In Cannes wurde Waltz dafür als bester Darsteller ausgezeichnet.

Die Geschichte über die tragische Liebe des todkranken Dichters John Keats im prüden 19. Jahrhundert.

Ja, ich fand ihn sehr, sehr bewegend. Der hat mich voll erwischt.

Sie haben sich ja mehrfach als Kenner der deutschen Winnetou-Filme geoutet. In Ihrem neuen Werk "Inglorious Basterds" lassen Sie ein paar Nazis über die Herkunft von Karl Mays Apachen-Häuptling debattieren. Hat Sie Winnetous Tod zum Weinen gebracht?

Ich habe einige Winnetou-Filme gesehen, aber leider noch nicht den Teil, in dem er stirbt; das muss ich mal nachholen. Wie stirbt er denn?

Wenn ich Ihnen das jetzt verrate, nehme ich Ihnen ja die Spannung.

Macht nichts.

Also gut: Er stirbt in den Armen von Old Shatterhand.

Winnetou stirbt in den Armen von Lex Barker? Ich würde heulen wie ein Schlosshund.

Neben den Winnetou-Abenteuern sollen Sie auch die deutschen Edgar-Wallace-Verfilmungen aus den 60er Jahren lieben. Wir dachten immer, dass diese Filme jenseits der deutschsprachigen Länder weitgehend unbeachtet blieben. Wo in Los Angeles haben Sie diese Filme sehen können?

Die Edgar-Wallace-Filme sind in der jüngsten Zeit in Kreisen von Film-Freaks herumgereicht worden. Da kündigt sich langsam eine richtige Wertschätzung an, die sind im Begriff, richtig angesagt zu sein.

Wir sprechen von jenen 38 deutschen Verfilmungen, die in den 60er Jahren in einer Art Fließband-Produktion entstanden?

Ja, ja, ja. Aber ich habe die Wallace-Filme nicht nur auf Video gesehen, sondern... oh, was haben Sie denn da am Arm? Eine Uhr mit Tim-und-Struppi-Motiv. Cool.

Sie wollten noch etwas zu Edgar Wallace sagen.

Ja, richtig. Einige dieser Thriller wurden in englischer Übersetzung im US-Fernsehen gezeigt, meist nachmittags in lokalen TV-Sendern. Filme wie "Der Glöckner von Soho" oder "Die toten Augen von London": Als ich die als kleiner Junge erstmals sah, faszinierten sie mich. Einmal habe ich einen Edgar Wallace-Film sogar im Kino gesehen: "Die Kreatur mit den blauen Händen" hieß der bei uns, es war der Einzige, der jemals in die US-Kinos kam. Ich erinnere mich noch gut an diesen manischen Klaus Kinski. Cool. Die Karl-May-Filme habe ich dagegen erst gesehen, als sie auf Video-Kassetten herauskamen.

Was findet ein amerikanischer Kino-Verrückter an deutschen Wild-West-Visionen, die in den 60er Jahren in Jugoslawien entstanden?

Sie haben mich halt stark beeindruckt, ich war ja auch ein großer Fan der Spagetti-Western.

In "Inglourious Basterds" lassen Sie eine Truppe mit US-amerikanischen Juden gegen die Nazis im besetzten Frankreich kämpfen. Am Ende bringen sie sogar Hitler um. Der französische Winnetou-Darsteller Pierre Brice hätte gut zu ihren fiktiven Nazi-Jägern gepasst. Brice kämpfte im wirklichen Leben in der Résistance.

Wow, Winnetou in der Résistance davon wusste ich nichts. Das ist nun wirklich eine irre Geschichte.

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Datum:  3 | 8 | 2009
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