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Ralf König im Interview: "Immer nur hei-tei-tei"

Sie haben vom Tuntenknopf gesprochen, auf den die Medien gern drücken. Wie finden Sie Bully Herbigs Kinofilm "Traumschiff Surprise"?

Dieser Film ist ein endloser Detlev-Witz in High-Tech. Erkläre mir einer den Unterschied zu den diskriminierenden Schwulenwitzen der 70er Jahre! Bei "Traumschiff Surprise" tucken drei Schwuchteln 90 Minuten durch den Weltraum, und Til Schweiger gibt den Hetero. Natürlich darf man sich über Tunten, über Schwule lustig machen. Das mache ich ja selbst seit 28 Jahren! Aber doch nicht so eindimensional.

Komiker wie Herbig können sich immer darauf berufen, dass sie die Parodie eines Klischees abliefern, für das schwule TV-Stars die Vorlage bieten.

Mir ist die Tunten-Vorlage von schwulen TV-Komikern ja auch nicht sympathischer! Ich wünsche mir einfach, die Jahrzehnte würden es bringen und der schwule Humor mal endlich ausbrechen aus dem ewigen verschnarchten Käfig voller Narren.

Ohne Klischees geht es nicht. Sie selbst arbeiten in Ihren Comics damit.

Klar, Klischees sind sehr okay, aber es kommt doch auf die Zwischentöne an. Und da ich selbst schwul bin, kommt Selbstironie ins Spiel. Als ich das Drehbuch zu "Wie die Karnickel" geschrieben habe, habe ich darauf bestanden, dass darin keine Tunte als komische Figur vorkommt. Da waren die Produzenten erst mal ratlos. Aber man kann sich doch auch über einen Lederkerl lustig machen, die aufgepumpte Männlichkeit, die arg gewollte Macho-Oberfläche.

Auch der neue Comedy-Film "Brüno" von "Borat"-Star Sacha Baron Cohen setzt auf Stereotypen. Cohen spielt den österreichischen Modemacher Brüno und will so angeblich die gesellschaftlichen Vorurteile gegenüber Schwulen entlarven. Schwulengruppen in den USA warnen bereits, dass der Film an einigen Stellen problematisch sei und Vorurteile eher bestärke. Ist diese Forderung nach politischer Korrektheit nicht überzogen, wenn es um Humor geht?

Ich kenne diesen Film noch nicht.

Aber auch "Traumschiff Surprise" fanden viele Schwule toll. Die gehen eben davon aus, dass heute jeder weiß, dass Schwule so dooftuntig nicht sind.

Mag ja sein, trotzdem ist dieser Film eine Feindseligkeit. Humor darf nicht politisch korrekt sein, aber etwas Intelligenz und Reflektion schadet nicht. Abgesehen davon ist Humor ja nun keine Frage von schwul oder nicht. Da geht's um gute Dialoge und Timing, das können Schwule genauso gut vergeigen.

In der BBC-Comedy "Little Britain", die im TV-Sender Comedy Central zu sehen ist, stellen die schwulen Komiker David Walliams und Matt Lucas absolut lächerliche Typen dar. Zum einen den dicken Homo vom Dorf, der sich fälschlicherweise für den einzigen seiner Art in der Gemeinde hält. Und zum anderen den ebenso zickigen wie geilen Assistenten des Premierministers, der in seinen Chef verliebt ist. Wie finden Sie diese Figuren, diesen Humor?

Den Briten nehme ich überhaupt nichts übel.

Was ist an deren Humor besser als an dem eines Dirk Bach?

Der britische Humor ist so drastisch, komplett rücksichtslos und politisch unkorrekt - nicht nur wenn es um Homos, auch wenn es um Migranten oder Behinderte geht. Das ginge in Deutschland nie. Hut ab vorm britischen Humor!

Der schwule Komiker Hape Kerkeling hat diesen tuntigen "Konditorei"-Sketch im Programm, wo sämtliche Klischees aufgefahren werden. Gibt es da einen Qualitätsunterschied - und wenn ja welchen?

Hape Kerkeling ist ein Guter, aber mit dem Sketch sind wir wieder beim Anfang; er setzt beim Publikum viel voraus: dass es weiß, dass Kerkeling selbst schwul ist und darum Schwulenwitze reißen kann, die eigentlich ambivalent wären, kämen sie von einem heterosexuellen Komiker. Aber ich hab gelacht, der Sketch ist doch gelungen, verglichen mit den unterkomplexen Bully-Sachen.

Das Unterkomplexe ist also das Problem?

Noch ein Beispiel: Mein Comic "Der bewegte Mann" - und was sich im Kino und im Fernsehen später daraus entwickelt hat. Das wurde immer heterosexueller. Ursprünglich war meine Geschichte die eines Schwulen, der einen Hetero kennen lernt und sich in ihn verliebt. Als Kinofilm war es dann die Geschichte eines Heteros, der in die Schwulenszene gerät. Die Schwulen waren zwar sympathische, aber schräge Typen, die Heteros eher bieder normal. Und dann gab es schließlich die TV-Comedy-Serie "Bewegte Männer". Das war nur noch grottenschlecht, schwulenfeindlich, regelrecht humorfeindlich. Damit hatte ich auch nichts mehr zu tun, weder inhaltlich noch finanziell.

Was war daran so schlecht?

Ich hab nur zwei oder drei Folgen davon gesehen, ich fand die Dialoge vollständig unlustig und die schwulen Charaktere total verzerrt und missverstanden. Wieder mal die unerträglich überzeichnete Dummtunte und der tragische Verlierer.

Herr König, gibt es eigentlich so etwas wie schwulen Humor?

Ich denke, dass Schwule untereinander offener mit ihren Schwächen umgehen - gerade wenn es um Sex geht. Da bricht man sich keinen Zacken aus der Krone, es gibt einen gewissen Hang zur Selbstironie und zur Drastik. Heterosexuelle Männer geben Schwächen nicht so schnell zu.

Warum mögen Schwule Ihre Comics - und warum Heteros?

Ich denke, die Schwulen schätzen die gewisse Ehrlichkeit. Die sehen, der weiß, wovon er redet. Da wird eben nicht feindselig über Schwule gelacht, da kann man mitlachen, auch über sich selbst lachen. Und ich hoffe, dass auch die Heteros nicht feindselig über Schwule lachen, sondern den amüsanten Einblick in eine andere, vielleicht fremde Szene schätzen.

Manche Pracht-Heteros, die mit realen Homos nicht umgehen können, weil sie geradezu homophob sind, stehen auf König-Comics. Können Sie sich das erklären?

Schwer zu sagen. Vielleicht wird da was sublimiert, vielleicht findet über den Humor Entspannung statt? Homophobie kann ich mir ja auch nur so erklären, dass jemand Angst hat, selber auch schwule Anteile in sich zu entdecken. Sonst könnte man bei dem Thema doch ganz gelassen bleiben.

Interview: Hans-Hermann Kotte

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Datum:  25 | 6 | 2009
Seiten:  1 2
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