Die Knollennase war schon in der Welt, als Anfang der 80er Jahre Ralf Königs erste Comics erschienen. Knollennasen bevölkerten längst den zeichnerischen Kosmos von Loriot und das Land der Gallier von Asterix-Zeichner Albert Uderzo. Neu und geradezu revolutionär war allerdings das Biotop, in dem sich Königs komische Knubbelnasen bewegten: die Homo-Szene. „SchwulComix“ hießen Königs erste Werke, die im Verlag Rosa Winkel erschienen.
Heute ist König ein etablierter Name in der Comic-Szene, nicht nur in Deutschland. Warum das so gekommen ist, wird derzeit im Schwulen Museum in Berlin erklärt. Dort ehrt man den Kölner Zeichner anlässlich seines 50. Geburtstags mit einer Ausstellung, Titel: „Ich komm’ mir vor wie ’ne Witzfigur“.
Königs erstaunliche Karriere wirft ja einige Fragen auf: Musste der Zeichner allein schon wegen dieser Knollennasen quasi zwangsläufig zum Klassiker werden? Schließlich spielten Nasen schon bei Wilhelm Busch, dem Comic-Pionier aus dem 19. Jahrhundert, eine wichtige Rolle – da wurden sie meist bös’ malträtiert.
Welche Rolle spielen eigentlich die Heteros, die in seinen Comics über Subkultur und Schwulenbewegung ja nur Randfiguren sind, für die fortgeschrittene Kanonisierung von Königs Werk?
Ralf König wurde am 8. August 1960 in Soest, Nordrhein-Westfalen, geboren.
Der gelernte Tischler studierte von 1981 bis 1986 Kunst an der Düsseldorfer Akademie. Anfang der 80er Jahre erscheinen seine ersten „SchwulComix“ , Königs Karriere beginnt.
Der Comiczeichner, der in Köln wohnt und arbeitet, erhielt bis heute diverse Auszeichnungen, unter anderem den Sondermann und schon dreimal den Max-und Moritz-Preis. Ralf Königs Comics erscheinen bei Rowohlt, bei Carlsen und im Männerschwarm Verlag.
Dem Schwulenmagazin Magnus hat König mal seine Comic Top-Ten verraten. Auf den ersten drei Plätzen liegen: Claire Bretécher, Walter Moers und Bill Watterson („Calvin und Hobbes“). (hahe)
Gibt es einen femininen Strang in Königs Entwicklung? Wurde der Meister womöglich von einer Frau, der französischen ComicZeichnerin Claire Bretécher, viel stärker beeinflusst als von den männlichen Altvorderen?
Neben solchen Fragen gibt es ansonsten Lob aus allen Rohren von den Ausstellungsmachern: König habe mit seinen Comics „Generationen von Schwulen und Lesben nicht nur Spaß, sondern auch Mut gemacht“. Der Künstler, der ja schon im vergangenen Jahr in Oberhausen mit der Schau „Der Eros der Nasen“ groß abgefeiert wurde, nimmt den politisch korrekten Rummel mit Humor: „Ach, ich freue mich. Und dann steht da ,50 Jahre Ralf König’! Es gibt Leute, die meinen, dass ich schon seit 50 Jahren zeichne. Dafür habe ich mich doch ganz gut gehalten!“
Die Berliner Hommage erinnert daran, wie es dem gelernten Tischler und schwulenbewegten Kunststudenten König gelang, ein breites Lesepublikum für „Fummeltrinen“, „Bewegungsschwestern“, „Lederkerle“ oder „Kulturhuschen“ zu begeistern – und wie er 1994 durch die Verfilmung von „Der bewegte Mann“ selbst zum Zeitgeist-Phänomen wurde. Längst schalten sich bei König keine Staatsanwälte mehr ein wie noch 1996 bei der Veröffentlichung von „Das Kondom des Grauens“. Damals sollte die Jugend geschützt werden, heute historisiert das Feuilleton weihevoll: Königs Werk habe „immer für die liberale, hedonistische und progressive Kultur der Bundesrepublik gestanden“.
Und der Zeichner hat auch andere Themen für sich entdeckt. Seit König 2007 bei der FAZ als Urlaubsvertretung für einen Kollegen einsprang und mit „Prototyp“ seine Version der Schöpfungsgeschichte erzählte, interpretierte er außer dem biblischen Stoff auch die griechische Antike, die Geschichten aus Tausendundeiner Nacht und Shakespeare neu. König, selbst unter Katholiken aufgewachsen, hat inzwischen nicht nur die Katholiken auf dem Kieker, sondern auch die Muslime. Die Lustfeindlichkeit und Homophobie der Pfaffen und Imame regt ihn auf. Und auch deren Gehabe: „Schon die Kleidung der Bischöfe, dieser eingebildete Draht zum höheren Gott, den wir aber nicht haben, nur sie!“
Mit einer Wissenschaftsparodie ehrt der Männerschwarm-Verlag den Jubilar. Die schwulen Verleger aus Hamburg, die – neben der großen Konkurrenz Rowohlt – König schon seit Anfang der 90er Jahre im Programm haben, präsentieren das Büchlein „Die Welt der Knollennasen“. Darin nimmt sich Autor Xaver Rammbock im Soziologen-Slang Königs Kosmos vor: die „Knollennasenmatrix“, kurz „Knollmax“. Dieser stellt er die Wirklichkeit der Langnasen gegenüber. Die Knollmax erscheint als eine bessere Welt der permanenten Triebabfuhr und ewigen Jugend, eine Welt, in der Heteros einen ohnmächtigen Minderheitenstatus haben und die Religion auf verlorenem Posten steht. Auch was das Materialistische angeht, kann man in der Knollmax nicht klagen: „Mehrheitlich arbeiten die Knollennasen überhaupt nicht, wenn man vom Tresenpersonal der Szenekneipen, Bauarbeitern, Möbelpackern und vereinzelten Rohrverlegern absieht. (...) Man hat seine Mastercard, womit der Geldverkehr in virtuelle Regionen verschoben wird, wo er keine weiteren Probleme aufwirft.“
Kurz: Königs Kunstwelt scheint unübertrefflich. Schließlich gibt’s da sogar eine Musical-Version des Films „Brokeback Mountain“ mit einer Line-Dance-Truppe in Schafkostümen. Die Schafe blöken übrigens, schwuler geht’s nicht, „Schuld war nur der Brokeback Mountain“ – nach der Melodie des alten Manuela-Schlagers.
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