Eschweiler. "Raumschiff Enterprise" hat der 28-jährige Oliver Knickel nie gesehen. Von der Kult-Serie im Fernsehen kennt er nur den Namen - was wohl mit seinem Alter zusammenhängt. Zu Zeiten von "Enterprise" war die Reise zum Mars noch reine Science-Fiction. Für Bundeswehr-Offizier Knickel aus Eschweiler bei Aachen ist die 56 Millionen Kilometer lange Reise so nah und so real, wie sie es heutzutage nur sein kann. Knickel trainiert als einziger Deutscher für die Teilnahme an einem Simulationsflug zum Mars.
Die Studie soll Aufschluss geben über die Auswirkungen auf Psyche und Körper des Menschen, wie die Europäische Weltraumorganisation ESA am Donnerstag erläuterte. Knickel setzte sich gegen etwa 5600 Mitbewerber durch. Nach dem im Januar beginnenden Training mit drei Franzosen entscheidet sich, ob er an der 105 Tage dauernden Studie teilnimmt. Sie soll ein Test für das Traumziel bemannter Flüge zum Mars sein.
Partner der ESA ist das russische Institut für biomedizinische Probleme. Die Experten wollen mit zwei simulierten Marsflügen von rund 100 und später mehr als 500 Tagen untersuchen, wie sich die lange Isolation der Marsreise auf den Menschen auswirkt. Dazu sollen vier Russen und zwei Europäer in einem nachgebauten Raumschiff auf rund 180 Quadratmetern zusammenleben.
Der Kontakt zur Außenwelt ist begrenzt. "Sie werden keinen Besuch haben", sagte der ESA-Manager des Projektes "Mars 500", Martin Zell. Gespräche mit "draußen" werde es nur mit Echtzeit-Verzögerung zwischen Frage und Antwort geben: bis zu 40 Minuten - wie es bei einer Mars-Reise sein würde.
"Reibereien" erwartet
Die Kandidaten sollten ein möglichst niedriges Aggressionspotenzial mitbringen, hieß es in der Ausschreibung. "Mit Sicherheit wird es Reibereien geben", sagte Knickel vor seiner Abreise ins Trainingslager voraus. Es reize ihn, ein kleines Rädchen im Uhrwerk zu sein, das Menschen einmal auf den Mars bringen solle.
Einschließlich Hin- und Rückflug-Simulation sowie "Aufenthalt" beim Mars sollen die Astronauten 520 Tage zusammen in der Raumfähre sein. Im ersten Teil ziehen die vier russischen und zwei europäischen Teilnehmer Ende März für 105 Tage in das nachgebaute Raumschiff ein. Die zweite Simulation über die gesamte Dauer von 520 Tagen soll spätestens Anfang 2010 beginnen. dpa
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