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Restaurierung: Schuh-Mogul rettet Kolosseum

Das römische Wahrzeichen sieht furchtbar aus: Abgase, Graffitis und Vandalismus haben ihm stark zugesetzt und der Stadt fehlt Geld an allen Enden und Ecken um es zu erneuern. Nun kommt ein privater Sponsor zur Hilfe – ein Modell, das Schule machen soll.

Fast sechs Millionen Besucher pro Jahr: Das Kolosseum zählt zu den bekanntesten Attraktionen der «Ewigen Stadt» Rom. (Bild: ENIT/Bedessi/dpa/tmn)
Fast sechs Millionen Besucher pro Jahr: Das Kolosseum zählt zu den bekanntesten Attraktionen der «Ewigen Stadt» Rom. (Bild: ENIT/Bedessi/dpa/tmn)
Rom –  

„Das Kolosseum ist chronisch krank“, brachte es ein hoher Beamter aus dem Kulturministerium im vergangenen Jahr auf den Punkt. Die Umweltverschmutzung hat das einst größte Amphitheater der Welt so stark angegriffen, dass es rußgeschwärzt und vom Einsturz bedroht ist. Von „Gesteinskrebs“ sprechen die Archäologen. Die Erschütterungen durch den vorbei tosenden Verkehr und die starken Regenfälle der vergangenen Jahre über dem Mittelmeer, vermutlich ausgelöst durch die Klimaerwärmung, tun ein Übriges. Mehrmals donnerten bereits riesigen Platten in die Tiefe, zuletzt im Mai vergangenen Jahres, und fast wie durch ein Wunder ereigneten sich bisher keine schweren Unfälle. Dazu kommen die Spuren der Verwüstung, die der moderne Massentourismus hinterlässt. Vandalismus, Graffitis und Diebstähle lassen die Denkmalschützer endgültig verzweifeln.

Geld für eine Sanierung aber hatten die italienische Regierung und erst Recht die finanziell chronisch klamme Hauptstadt nicht. Schon seit Jahren beklagt die Denkmalpflege, dass Italiens antikes Erbe von der Regierung Berlusconi zu Tode gespart wird, der Konsolidierung der Staatsfinanzen zum Opfer fällt. Kultur insgesamt liegt der Regierung nicht gerade am Herzen, unter dem Diktat von Finanzminister Giulio Tremonti wurden auch die Zuschüsse für Opernhäuser und Theater brutal zusammengestrichen. Stattdessen sucht man nach privaten Sponsoren, damit sie die Aufgaben der öffentlichen Hand übernehmen. Das Kolosseum ist dabei zum Pilotprojekt geworden. Zum ersten Mal überhaupt schrieb das Kulturministerium eine Sanierung öffentlich aus und suchte weltweit nach Sponsoren. Das Echo allerdings war verhalten, immerhin ging es um zweistellige Millionenbeträge.

        

Ein „chronisch krankes“ Kulturerbe – das Kolosseum.
Ein „chronisch krankes“ Kulturerbe – das Kolosseum.
Foto: afp

25 Millionen von Tod's

Am Mittwoch verkündete nun eine italienische Traditionsfirma, mit 25 Millionen Euro den größten Anteil der Restaurierungskosten zu übernehmen. Der Chef des Lederwaren-Unternehmens Tod’s, Diego Della Valle, machte das Kolosseum zu seiner Herzensangelegenheit. Im September soll mit der zwei- bis dreijährigen Restaurierung begonnen werden, die Arena wird während der Arbeiten für die Besucher weiter geöffnet bleiben. Danach sollen die über 13 000 Quadratmeter Travertin wieder weiß leuchten, die Wartezeiten kürzer und 25 Prozent mehr Fläche zugänglich sein.

Mehr Touristen als Rettung? Rom und sein Kolosseum

Bildergalerie ( 6 Bilder )

Tod’s habe von dem Projekt keinerlei Vorteile, versichert Della Valle. Der Weltkonzern darf zwar mit seinem Engagement werben, beteuerte aber, keine Werbung am Kolosseum anbringen zu wollen. Vielmehr betrachte er die Rettung von Italiens Kulturdenkmälern als patriotische Aufgabe. 5 Millionen Euro hat Della Valle kürzlich schon für die Mailänder Scala zur Verfügung gestellt. Seine Kollegen fordert er dringend auf, seinem Beispiel zu folgen. „Wir profitieren als Unternehmen vom Ruf der italienischen Kunstwerke, deshalb ist es auch unsere Pflicht, jetzt etwas zu tun.“

Die Regierung hofft auf weitere derartige Projekte, etwa Unterstützung für das bröckelnde Pompeji. (mit afp)

Autor:  Kordula Dörfler
Datum:  24 | 6 | 2011
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