Rio de Janeiro (dpa) - Bei einem blutigen Polizei-Einsatz in einem Elendsviertel von Rio de Janeiro sind mindestens zehn Menschen erschossen worden. Wie Medien unter Berufung auf die Behörden der brasilianischen Metropole berichteten, geschah das Blutbad im Slum Mangueirinha im Bezirk Duque de Caxias. Alle Todesopfer seien Verbrecher gewesen, versicherte ein Polizeisprecher. Nur ein Beamter sei verletzt worden.
Auslöser der stundenlangen Schießereien war den Angaben zufolge der Diebstahl eines Bierlastwagens. Auf der Suche nach dem Fahrzeug sei die Besatzung eines Polizeiwagens im Slum in die Enge getrieben worden. Die Beamten hätten Verstärkung angefordert. Daraufhin hätten Dutzende von Polizisten, darunter Elitebeamte, das Viertel mit Panzerwagen und einem Hubschrauber gestürmt, hieß es. Bei der Aktion nahm die Polizei nach eigenen Angaben fünf Männer fest. Außerdem seien Waffen und Drogen sichergestellt worden.
Bewohner des gestürmten Slums und Angehörige der getöteten Männer gingen am Abend auf die Straßen, um gegen den Polizei-Einsatz zu protestieren. Gewalttätige Razzien der Polizei sind in den sogenannten Favelas, den Slumgebieten von Rio, in den vergangenen Monaten immer häufiger geworden. Erst vor zwei Wochen wurden im Slum Minha Deusa neun Menschen von Polizeikugeln getötet.
Immer wieder kommt es in Slums, in denen die Drogenmafia ihre Bastionen hat, zu wahren Kriegsszenen. Allein zwischen Januar und April wurden nach amtlicher Bilanz 75 Zivilisten erschossen. Unter den Opfern waren in diesem Jahr auch Kinder und Rentner. Menschenrechtsorganisationen beklagen, dass die Polizei sich kaum um die Rechte der ärmeren Bürger kümmert.
UN-Sonderberichterstatter Philip Alston prangerte im vergangenen November die Polizeigewalt in Brasilien an. Tötungen würden häufig als Notwehr verschleiert, sagte er. Eine Studie zeigte, dass die Polizei in der Stadt am Zuckerhut von Jahr zu Jahr immer mehr Menschen tötet und international damit unübertroffen ist. Jedes fünfte Gewaltopfer in Rio geht auf das Konto der Polizei.
2007 kamen in Rio bei sogenannten "Widerstandsaktionen" 1330 mutmaßliche Verbrecher ums Leben. In der größeren und von Kriminalität mindestens ebenso erschütterten Wirtschaftsmetropole São Paulo waren es 330. In Rio durchlöcherten Beamte erst Anfang Juli den Wagen einer Hausfrau mit zwei kleinen Kindern, weil sie das Auto mit dem Fluchtfahrzeug von Verbrechern verwechselten. Der dreijährige Joao starb dabei. "Diese Polizei haben wir nicht verdient", klagte der Vater weinend.
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