Mr. De Niro, was machen Sie, wenn Sie Anweisungen eines Regisseurs umsetzen sollen, mit denen Sie nicht einverstanden sind?
Ein Regisseur sollte meine Arbeit kennen und daher wissen, was er von mir als Schauspieler zu erwarten hat. Wenn dem Regisseur das in der Vergangenheit nicht klar war, gab es vereinzelt Probleme.
Robert De Niro, geboren 1947 in New York, schaffte seinen künstlerischen Durchbruch vor allem dank der Filme von Martin Scorsese wie "Taxi Driver" und "Wie ein wilder Stier", der ihm den Oscar einbrachte. In den letzten Jahren war De Niro häufiger in Komödien zu sehen.
Sein neuer Film, die Showbiz-Satire "Inside Hollywood", läuft seit dem 26. März in den Kinos. In dem Film wird dem Produzenten Ben (Robert de Niro) das Leben schwer gemacht: Studioboss Lou (Catherine Keener) verlangt von dem Produzenten, dass er seinen von der Kritik verrissenen Actionstreifen für die Premiere in Cannes umschneidet. Außerdem bekommt Ben Probleme mit dem Hauptdarsteller Bruce Willis (spielt sich selbst).
Als Regisseur beeindruckte De Niro vor drei Jahren mit dem Thriller "Der gute Hirte". In dem Film wird das Leben eines CIA-Agenten erzählt.
In Ihrem neuen Film "Inside Hollywood" verweigert sich der Star, von Bruce Willis gespielt, dem Regisseur. Haben Sie so etwas auch schon mal gemacht?
Nein, der Regisseur ist letztlich immer noch der Boss. Er muss seinen Willen nur klar und deutlich artikulieren. Nur schwache Regisseure sind ein Problem.
Was muss ein Regisseur mitbringen,um eine optimale Leistung aus Ihnen herauszukitzeln?
Er sollte mir Freiheit geben, verschiedene Dinge auszuprobieren. Ich muss mich dabei wohl fühlen und nicht unter Druck. Das gilt aber nicht nur für mich, sondern auch für alle anderen Beteiligten. Jeder sollte Vorschläge machen können, und der Regisseur wählt daraus aus. Filme können nur aus einer echten Zusammenarbeit heraus entstehen. In der Regel schaffen nur selbstsichere Regisseure mit einem gesunden Ego eine solche Atmosphäre.
Der wichtigste Regisseur in Ihrer Karriere war Martin Scorsese. Warum liefen Sie gerade bei ihm zu Hochform auf?
Weil Marty Schauspieler versteht. Eigentlich ist es für mich optimal, wenn ein Schauspieler Regie führt. Denn er kann genau empfinden, wie ich fühle und denke. Und das vermag auch Marty Scorsese. Er hat einen fast religiösen Respekt vor Schauspielern. Deshalb lieben ihn ja auch alle. Meinen vollen Respekt für seine Leistung habe ich entwickelt, als ich selbst Regie geführt hatte.
Wieso das?
Weil du dabei Demut lernst. Du musst jeden Tag Entscheidungen zu einer Unmenge von Fragen und Themen treffen, dann versuchst du, dich irgendwie durch deinen Drehtag zu kämpfen und alles, was du brauchst, in den Kasten zu bekommen. Das gelingt nicht immer, du versuchst den Rückstand wieder aufzuholen, und auch das ist nicht garantiert. Also fühlst du dich einfach schrecklich.
Das heißt, Sie haben das Regieführen jetzt aufgegeben? Nein, ich möchte schon weiter Filme machen. Drei könnte ich noch in meinem Leben schaffen. Es macht mir ja auch Riesenspaß, wenn eine Szene vor meinen Augen entsteht und dann vom Cutter zusammengesetzt wird. Nur der Dreh selbst ist eine Tortur.
Wenn man "Inside Hollywood" Glauben schenken darf, dann werden die wahren Schlachten außerhalb des Filmsets geschlagen - zwischen den Kreativen und den Geldgebern.
Ja, nur das sollte man nicht überbewerten. Es ist immer noch das Filmgeschäft - Betonung auf Geschäft. Aber selbst die Finanziers haben gute Absichten. Sie wollen kein Geld verlieren, was ich total verstehen kann. Und deshalb gibt es ein Tauziehen, weil sie ihre Investitionen zu schützen versuchen, und du keine faulen Kompromisse eingehen willst. Manchmal bleibt dir nichts anderes übrig, als deine finanziellen Forderungen herunterzuschrauben.
"Inside Hollywood" (Trailer) Filmstart 26. März 2009
War es in den 70ern, als Sie die ersten großen Filme mit Scorsese drehten, einfacher?
Hollywood war schon immer ein Dschungel. Aber damals waren die Studios noch offener, gewagte Themen anzupacken. Die Branche wird zu sehr von den Krawattenträgern, den Managern, gesteuert. Und die wollen nur noch in massentaugliche Geschichten investieren. Aber in meiner Funktion als Schauspieler halte ich mich von dem Getriebe fern. Solange mir die Bürohengste nicht vorschreiben, wie ich zu spielen habe, ist alles gut.
Mr. De Niro, können Sie sich erklären, warum man Sie für einen der besten Schauspieler der Welt hält?
Ich weiß nur, dass ich an meinen Rollen hart gearbeitet habe und etwas Besonderes aus ihnen zu machen versuchte. Aber das gilt für andere Schauspieler genauso. Worauf es einfach ankommt, ist die Sorgfalt, mit der du an deine Arbeit herangehst. Die Leute mögen den Film vielleicht nicht, aber sie können nicht bestreiten, dass sie eine darstellerische Leistung gesehen haben, die über das normale Maß der Dinge hinausging.
Begreifen Sie selbst, wann Ihnen so etwas gelingt?
Gelegentlich ja. Aber es kann mir auch passieren, dass ich mich bei einer Szene furchtbar fühle, und in der Endfassung sieht sie viel besser aus als erwartet. Deshalb mag ich es nicht, meine Aufnahmen im Playback-Monitor anzuschauen. Wenn ich selbst Regie führe, bleibt mir nichts anderes übrig. Aber selbst dann frage ich den Kameramann oder meinen Assistenten: "War das glaubwürdig?" - und wenn sie das verneinen, dann drehe ich das Ganze noch Mal. Mir fehlt einfach der Maßstab für meine eigene Leistung.
(Interview: Rüdiger Sturm)
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