Nach der Prügelattacke gegen einen 30-Jährigen im U-Bahnhof Berlin-Lichtenberg prüft die Polizei Ermittlungen wegen unterlassener Hilfeleistung. Mehrere Zeugen hatten gesehen, wie vier Jugendliche in der Nacht zum Samstag auf dem Bahnsteig einen 30-jährigen Spandauer bewusstlos schlugen und traten. Doch nur einer rief die Polizei.
Ein weiterer Mann zeigte jedoch Zivilcourage: Er half dem Freund des Opfers. Der ebenfalls 30-jährige Rostocker konnte dadurch den Schlägern entkommen. Nachdem die vier Jugendlichen auf dem Bahnsteig den Maler zusammengetreten hatten, verließen sie mit dessen Jacke den Bahnhof, um diese zu durchsuchen und das Handy daraus zu stehlen. Als sie die Jacke wegwarfen, sahen sie den Kollegen des Zusammengeschlagenen, der geflüchtet war.
Mehr Videokameras gefordert
Zeugen von Gewalttätigkeit haben oft Angst einzugreifen, weil sie sich nicht selbst gefährden wollen.
Die Berliner Polizei gibt folgende Ratschläge:
– Alarmieren Sie sofort die Polizei. Der Notruf ist kostenfrei.
– Sprechen Sie andere Menschen direkt an: „Wir helfen jetzt gemeinsam.“ Verlassen Sie gegebenenfalls mit dem Opfer den Ort oder bieten Sie dem Opfer „sichere Orte“ (etwa den Platz neben Ihnen, Ihr Auto, Ihre Geschäftsräume) an.
– Schreien Sie laut, das verunsichert Täter und erregt Aufmerksamkeit.
– Rufen Sie aus sicherer Entfernung laut in Richtung Täter: „Ich habe die Polizei gerufen.“
– In öffentlichen Verkehrsmitteln: Ziehen Sie die Notbremse oder informieren Sie das Fahrpersonal.
– Halten Sie flüchtende Täter nicht auf.
– Greifen Sie den Täter nicht körperlich oder verbal an. (dapd)
Sie beschlossen, sich auch ihn zu greifen. In dem Moment kam ein breitschultriger Mann und bedrohte die Schläger, die sich daraufhin verzogen. Der Unbekannte soll Mitglied des Rockerclubs Bandidos sein, was die Polizei aber nicht bestätigt. Vielmehr würde sie ihn gern als Zeugen sprechen. Der angegriffene Maler liegt mit einer Gehirnblutung im Unfallkrankenhaus in Marzahn und schwebte auch gestern noch in Lebensgefahr.
Unterdessen nutzt die Neonazi-Szene den Fall für sich. Am Mittwochabend demonstrierten am Bahnhof Lichtenberg rund 50 Nazis. Sie hatten brennende Fackeln dabei und waren größtenteils vermummt. Rechtsextreme Internetseiten quellen derzeit über vor pauschaler Hetze gegen Ausländer. Zudem mobilisiert die NPD für heute Abend zu einer Kundgebung am Bahnhof.
In der SPD-Fraktion wird nun diskutiert, das Personal an U-Bahnhöfen aufzustocken. Das koste Geld, sagte der Abgeordnete Sven Kohlmeier, doch langfristig könnten sich mehr Personal und mehr Sicherheit auch finanziell lohnen, wenn mehr Menschen Bahn fahren. Er wandte sich gegen Forderungen der CDU, die Speicherfrist für die Videoaufzeichnungen auf den Bahnhöfen von 24 auf 48 Stunden zu verlängern. Der CDU-Innenpolitiker Robbin Juhnke sagte, die Fristen seien gerade an Wochenenden zu kurz.
Benedikt Lux von den Grünen setzt auf Personal, das bei Überfällen eingreifen könne. Videokameras könnten aber im Einzelfall helfen, Taten rasch aufzuklären. Auch die Gewerkschaft der Polizei forderte mehr Personal auf U-Bahnhöfen, das zudem die Videoaufnahmen aus den Bahnhöfen ständig auswerte.
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