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20. Dezember 2012

Rosenstolz: Rosenstolz ist verwelkt

 Von Anne Vorbringer und Marcus Weingärtner
Bub und Zirkusdompteuse: Die Musik von Rosenstolz war nicht Jedermanns Geschmack. Ihr Bühnenimage auch nicht. Foto: ddp

Mit Rosenstolz trennt sich eines der erfolgreichsten deutschen Popduos der letzten Jahrzehnte. Die Fans der Band reagieren - mit Verständnis.

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Sprachlos. Das waren Rosenstolz schon seit Februar. Damals geisterten bereits Trennungsgerüchte umher, das Management sprach wie gestanzt von einer „kreativen Pause“ und von der Band selbst hieß es so verschwurbelt wie ungelenk: „Anna und Peter haben sich nicht aufgelöst, wohl aber sind wir ... sprachlos.“ Was das heißen sollte, darüber konnten sich die Fans dann auf der Facebook-Seite der Band die Köpfe heiß diskutieren.

Nun hat sich das Berliner Pop-Duo, das seit 1991 mehr als fünf Millionen Platten verkaufte, wieder zu Wort gemeldet und verkündet, was kaum jemanden noch überraschen dürfte: Rosenstolz gehen getrennte Wege. Oder, um es mit den wie immer überbordend gefühlig geratenen Worten der Band zu sagen: „Wenn man zwanzig Jahre so intensiv gemeinsam durch Höhen und Tiefen gegangen ist, kann es sein, dass irgendwann der Wunsch nach neuen Abenteuern immer lauter wird. Wir haben festgestellt, dass uns so viel verbindet und wir zusammen so viel erlebt und erreicht haben, dass es jetzt der schönste Moment ist, einander Raum zu geben. Raum, diese Abenteuer einmal getrennt voneinander zu erleben.“

Wiedervereinigung nicht ausgeschlossen

Mehr als fünf Millionen Platten

Seit 1991 standen AnNa R. (42) und Peter Plate (45) als Rosenstolz gemeinsam auf der Bühne. Im ganzen Land bekannt wurden sie durch ihre Teilnahme am Grand-Prix-Vorentscheid 1998, wo sie den zweiten Platz hinter Guildo Horn belegten.

Im Lauf der Jahre avancierten Rosenstolz zu einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Popband. Sie verkauften mehr als fünf Millionen Platten mit ihrem typischen Mix aus emotionsschwangeren Schmachtfetzen und energiegeladenen Nummern.

Zu ihren größten Hits zählen „Liebe ist alles“ und „Gib mir Sonne“. Bei Konzerten sangen die Fans vom ersten bis zum letzten Lied mit. Gern im Publikum: Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit, der Rosenstolz mal als seine Lieblingsband bezeichnete.

Eine mögliche Wiedervereinigung schließen beide nicht aus („wir lassen für den Moment los“), aber da es schon lange keine gemeinsamen Auftritte mehr gab – zuletzt sagten Rosenstolz im März zur Echo-Verleihung ab – bleibt das fraglich. Ebenso offen ist der Grund für die Trennung. Einen Streit soll es hinter den Kulissen jedenfalls nicht gegeben haben, heißt es aus dem Umfeld der Band. Die Musiker seien eher auf der Suche nach Veränderung.

Ihr 2011 veröffentlichtes, vorerst letztes Album „Wir sind am Leben“ verkaufte sich längst nicht so gut wie die zwei Vorgänger. Es stand auch nicht mehr so lange auf dem ersten Platz der Albumcharts, aber immerhin noch 30 Wochen. Vielleicht ist der Wunsch nach „neuen Abenteuern“, den die beiden auf ihrer Homepage äußern, auch in der Tatsache begründet, dem sich seit längerem abzeichnenden Abwärtstrend des gemeinsamen Projektes ein Ende setzen zu müssen.

Karriere fing klein an

Rosenstolz machten keine Karriere, die mit einem großen Knall, einer unverhofften Entdeckung begann. Sie fingen klein an. 1991 in Friedrichshain gegründet, den ersten Titel in Peter Plates Küche eingespielt, die ersten Auftritte in Berliner Galerien vor 30 Leuten. In der schwullesbischen Subkultur waren sie schon beliebt, bevor sie Ende der 90er-Jahre den Massenmarkt und damit den musikalischen Mainstream eroberten und mit ihren Alben fast durchgängig die ersten Chartplätze belegten, Echos, Gold und Platin holten. Aber selbst in dieser Subkultur waren Rosenstolz keine Band, auf die sich alle einigen konnten. Rosenstolz waren niemals cooles Berghain. Sie waren immer eher plüschige Busche – jener Berliner Schwulenclub also, in dem die Stücke noch vom DJ angesagt werden. Verbunden mit Grüßen an die große Liebe.

Ihre Lieder, irgendwo zwischen Therapie für herzschmerzgeplagte Sachbearbeiter und Feieruntermalung für Umlandtouristen, waren niemals hip. Und AnNa R. war nie ein makelloser Popstar, der für den Normalsterblichen unerreichbar bleibt. AnNa R. war die, mit der man nachts um drei Lust und Frust am Tresen diskutieren konnte. Auch Peter Plate schien immer erfrischend bodenständig. Rosenstolz waren nie eine abgehobene Band. Sie waren nette Bekannte, die Musik machten. In den vergangenen Jahren hörte man immer häufiger von Problemen. Peter Plate ließ sich 2009 wegen Burn-out behandeln, das Duo pausierte fast drei Jahre.

Die Facebook-Fans reagierten am Donnerstag recht Rosenstolz-typisch mit viel Verständnis und Gefühl. „Ihr habt einen wichtigen Teil meines Lebens mit eurer Musik begleitet. Danke dafür“, lautete einer von 1 600 Kommentaren zur Trennung des Duos.

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