Alexej Below ist einer, er löscht beim Dorf Polbino, ganz im Osten der Moskauer Region. Nun ja, von Löschen könne eigentlich nicht die Rede sein, sagt er am Telefon, derzeit versuchten sie bloß zu verhindern, dass sich das Feuer ausbreite. In Grüppchen von drei bis fünf Leuten stehen sie höchstens 30 Meter von der Straße entfernt, buddeln Sand aus dem Waldboden und werfen ihn auf die Brandherde, oder sie verspritzen Wasser aus tragbaren Kanistern. Abends um sieben müssen die Freiwilligen zurück in die Schule nach Polbino. „Wir dürfen nachts nicht im Wald bleiben. Was man abends fast gelöscht hat, kann morgens um sieben wieder brennen. Das ist so eine Art Stellungskampf. Mal rücken wir vor, mal das Feuer“, sagt er.
Below und seine Freunde sind am vorigen Samstag das erste Mal aufgebrochen, den Kofferraum voller Atemmasken, Schaufeln, Trinkwasser. Belows „Föderation der Autofahrer Russlands“ hatte einen Aufruf im Internet veröffentlicht. Aber der Schwung der Hilfsbereitschaft ging erst einmal ins Leere: Die Hotline des Ministeriums für Katastrophenschutz verwies sie weiter an einen Koordinator für Freiwillige. Es handelte sich um jemand von der Kremljugend Naschi, der auch nicht weiter wusste. Und mit den Naschi wollten Belows Leute ohnehin nichts zu tun haben. Die „Föderation der Autofahrer“, muss man dazu wissen, ist eine kritische Bürgerbewegung. Sie protestiert etwa gegen die Privilegien der Kreml-Bonzen, die mit Blaulicht an den Moskauer Staus vorbeifahren. Aber darum geht es jetzt nicht, sagt Below. „Das sind hier gewöhnliche Leute, die was tun wollen, anstatt zu fragen, wer schuld ist.“
Wie die Helfertruppe dann doch noch einen Brandherd fand – zunächst im Internet, dann mit dem Auto –, und wie sie sich dort nützlich machte, das kann man in den Blogs der Beteiligten nachlesen. Das Internet ist überhaupt der Ort, an dem sich Hilfsbereite spontan organisieren. „Pozar_ru“ etwa heißt ein Forum auf „livejournal“, dem in Russland so populären sozialen Netzwerk. Dort erfährt der Freiwillige, welche Motorpumpen etwas taugen, und wann und wo Autos ihn nach Osten bringen können.
Aljona Kostina, die vor einer Woche ebenfalls mit Below unterwegs war, ist in Moskau im Einsatz. Sie sammelt Geld und Material: Motorsägen, Atemmasken, Rucksackspritzen zu 600 Rubel das Stück. Das Gerät fehlt nicht nur den Freiwilligen, sondern auch Soldaten und Katastrophenschutz. „Ich dachte mir eines Morgens: Ich will nicht mehr mit diesem Smog aufwachen. Und wenn ich nichts tue, kann ich noch lange warten“, erklärt die 32-jährige Maklerin. Zunächst hat alles in der zentralen Sammelstelle der Orthodoxen Kirche abgegeben, nun schickt sie die Sachen selbst los. Ohne Internet, sagt sie, könnten sich die vielen Helfer gar nicht finden.
Umgekehrt findet das, was die Helfer sehen, zurück ins Internet. So erfährt man von den Problemen der behördlichen Einsätze: die dringend benötigten Landkarten etwa habe überhaupt niemand – weder Katastrophenschutz noch Feuerwehr noch Armee, schreibt der Blogger „umalx“ auf „livejournal“. Von Navigationsgeräten oder Satellitenbildern ganz zu schweigen. Die Armee handele ohne Logik, heißt es. „Umalx“ ist im Rjasaner Gebiet und sucht im Internet jemanden mit Jeep, der die selbst gekaufte Pumpe transportieren könnte.
Auch Below, der in Polkino löscht, beklagt das Fehlen jeder Koordination. Sein Freund Alexander Babajew dagegen lobt die Leute vom MTschS, dem Katastrophenschutzministerium: sie teilten alles mit den Freiwilligen. 27 sind es derzeit. Orechowo-Sujewo, wo Babajew schon den sechsten Tag löscht, ist 80 Kilometer von Moskau entfernt. Funkgeräte quäken im Hintergrund. Viel mehr kann Babajew dann nicht mehr sagen. Die Lage sei „mit einem Wort beschissen“, und jetzt müsse er wieder löschen, „helfen Sie doch auch mit!“
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