Im Mai vergangenen Jahres rücken zwei Männer und eine Frau einer gentechnisch veränderten Knolle mächtig auf die Pelle: Sie sabotieren einen Acker in Mecklenburg-Vorpommern. Zwischen Bütow und Zepkow liegt das riesige Versuchsfeld. Der Chemiekonzern BASF wollte dort nur einen Tag später, am 5. Mai, auf einer 20 Hektar großen Fläche die Genkartoffel Amflora zu Testzwecken auslegen.
Um das Ernteergebnis zu verfälschen oder gar unbrauchbar zu machen, verbuddelten die drei die Bio-Kartoffel Linda an den Rändern des Feldes, und feuerten, auf dass die Aktion ihre Wirkung bloß nicht verfehle, die ökologisch wertvolle Linda mit Hilfe einer selbstgebauten Schleuder quer über den Acker, 20 Kilogramm insgesamt. Würden die Wissenschaftler von BASF, so lautete der Plan der Aktivisten, später eine echte Linda zwischen der falschen Amflora finden, eine saubere Analyse des Feldversuchs wäre wohl nicht mehr möglich.
Der Landwirt Karl-Heinrich Niehoff, der Besitzer des Ackers und Vertragspartner von BASF, betrat die Szene, es kam zum handfesten Streit und schlagkräftigen Schlagzeilen. Die Umweltschützer waren begeistert. Die öffentliche Aufmerksamkeit war ihnen gewiss, die Auslegung der Amflora non grata wurde verzögert, der Bereich, in dem nun Linda lag, war für den Versuch gänzlich tabu. Und BASF, der Konzern, dem die tolle Genkartoffel Stärke für die Papier-, Garn- und Klebstoffherstellung liefern soll, stand einmal mehr in der Kritik.
Unternehmen und Landwirt sahen ihren Ruf geschädigt, den Profit gefährdet, sie bemühten die Justiz. Laut einem von der Staatsanwaltschaft Waren ausgestellten Strafbefehl sollten die männlichen Ackeraktivisten 30 Tagessätze als Entschädigung zahlen. Aber die wollten das nicht. Deshalb ging der Fall gestern vor Gericht.
Jetzt müssen Gutachter ran
Dort bezifferte Bauer Niehoff seinen Mehraufwand, den ihn das umständliche Umkurven von Linda gekostet hatte: 2600 Euro waren es genau. Die Anwälte der Angeklagten hielten dagegen. Es habe sich um eine rein symbolische Aktion von Gen-Gegnern gehandelt, das Acker-Experiment sei niemals gefährdet gewesen. 39 Hektar sei die Fläche insgesamt groß, es wäre, sagten die Verteidiger, ein Leichtes gewesen, die Anbaufläche entsprechend anzupassen. Und von Sachbeschädigung könne bei Kartoffeln auf einem Feld schon gar keine Rede sein.
Nun soll ein Gutachten die Richter von der Unschuld ihrer Mandanten überzeugen. Das Urteil wurde vertagt. Vor dem Gerichtsgbäude in Waren demons trierten derweil rund 50 Menschen, ihnen geht es vor allem ums Prinzip. Sie wollen den Anbau von Amflora grundsätzlich verbieten lassen.
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