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Aktuelle Nachrichten aus der Gesellschaft

17. Juli 2009

Sascha Lobo: Der Netzbeschmutzer

 Von PATRICK BEUTH
Im roten Bereich: Kritiker werfen dem Internet-Star Sascha Lobo vor, er habe seine Unabhängigkeit verkauft.  Foto: dpa

Sascha Lobo ist Werbetexter, Blogger und Web-Promi. Als Werbefigur soll er die junge Generation einfangen. Doch seine permanente Selbstvermarktung ist umstritten. Von Patrick Beuth

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Zur Person

Sascha Lobo, 34, ist Werbetexter, Blogger und noch einiges mehr. Der Sohn eines argentinischen Vaters und einer deutschen Mutter lebt in Berlin. Für das Blog Riesenmaschine.de, dessen Mitbegründer er ist, bekam er 2006 den Grimme-Online-Preis.

Er arbeitet in der Blogvermarktung und ist inoffizieller Mitarbeiter der Zentralen Intelligenz Agentur, einem Netzwerk von Kreativen, das als Agentur für PR und Webdesign, aber auch als Organisator von Veranstaltungen in Erscheinung tritt.

In diesem Jahr entwickelte und organisierte er für die Cebit den Bereich "Webciety". Netzpolitisch ist er im Online-Beirat der SPD aktiv.

Seine beiden Bücher "Wir nennen es Arbeit" und "Dinge geregelt kriegen ohne einen Funken Selbstdisziplin" beschreiben sein Leben im digitalen Zeitalter.

Lobo schreibt unter saschalobo.com, twittert unter twitter.com/saschalobo. Er ist regelmäßig in der 3sat-Sendung "neues" zu sehen.

"Also, den Quatsch, den @saschalobo (wer ist das überhaupt?) in jede Kamera redet - das könnte ich auch."

Ein Satz von Sascha Lobo über Sascha Lobo, veröffentlicht bei Twitter am 11. Juli, um 8.59 Uhr. Der 34-Jährige steht - mal wieder - im Mittelpunkt. "Heidi Klum des Internet-Business" nennen ihn manche schon. Immer damit beschäftigt, sich selbst zu vermarkten. Das fanden alle charmant, so lange dabei Bücher herauskamen mit Titeln wie "Dinge geregelt kriegen ohne einen Funken Selbstdisziplin". Immer ein bisschen chaotisch und vor allem unangepasst und unabhängig, wie sich Blogger und Twitterer halt gerne sehen.

"Werbung ist mir inzwischen viel zu kommerziell geworden." 5:18 AM Jul 12th

Jetzt nehmen ihm manche das nicht mehr ab. Wenn er die schrillen Stimmen im Internet ernst nehmen würde, müsste Sascha Lobo eigentlich alle Stecker ziehen und fortan und für immer offline leben. Der Vorwurf lautet: Sascha Lobo habe sich verkauft. Er, der unabhängige, unangepasste Internet-Irokese. Ausgerechnet an Vodafone. Ausgerechnet Sascha Lobo, dieses Wesen, das doch bislang halb Mensch, halb iPhone war.

Vier der Apple-Geräte besitzt er, und deshalb immerhin zwei Verträge mit T-Mobile, dem exklusiven Vermarkter. Werbung für den großen Konkurrenten Vodafone ist, toben Puristen im Netz, aus zweierlei Gründen verwerflich. Zunächst einmal mache Lobo sich unglaubwürdig. Man könne ihm nun nicht mehr trauen, wenn er sich zu Produkten und Services äußerte. Er ist angeblich nicht mehr unabhängig.

Alles Quatsch, sagt Lobo. Er habe schon immer sein Geld mit Werbung verdient. Oder eben nicht verdient, so wie 2001, als er seine erste Agentur an die Wand fuhr. In einem Interview, in dem er sich selbst die Fragen stellte, antwortete er, er habe "ja nie verschwiegen, Werber zu sein. Markenkommunikation war schon immer mein Beruf".

Angeblich hat er als Werbetexter auch schon für andere Handy-Anbieter gearbeitet. Nun eben für Vodafone. Seine iPhones will er deswegen aber "nicht im Klosett runterspülen". Er will jetzt nur ein anderes Gerät zu seinem "Kommunikationsmittelpunkt" machen. Denn Kommunizieren könnte man seinen Job auch nennen. Dass es ihm nicht unbedingt ums Geld geht, bestätigt ein Ex-Kommilitone: "Ich sehe bei Sascha einen viel größeren Willen zur Bühne als Willen zum Geld."

"Herausforderung in Zukunft: alle Menschen internetfit zu machen, selbst wenn sie arm, ungebildet oder im Bundestag sind." 7:23 AM Jun 25th

Der zweite Kritikpunkt an der Vodafone-Werbung ist politischer Natur: Lobo ist ein erklärter Gegner der jüngst vom Bundestag beschlossenen Internet-Sperren gegen Kinderpornografie. Denn einer wie er, der so ziemlich alles online macht, was man nicht unbedingt offline machen muss, kann die Einführung einer Infrastruktur zur Zensur des Netzes nicht gutheißen. Vodafone dagegen findet die Internet-Sperren gut. Ein Widerspruch, den Lobo nicht ganz aufzulösen vermag.

Als das Gesetz beschlossen wurde, verkündete er als Mitglied des Online-Beirates der SPD noch, die Partei bis auf weiteres nicht mehr in dieser Funktion zu unterstützen. Lobo war sauer. Er war in dieser Debatte zwar nie Wortführer, aber er war Verbindungsmann, Verteiler und auch Gastgeber für die Party der frustrierten Aktivisten am Abend der Abstimmung im Bundestag.

Jetzt plötzlich der Deal mit denen, die von den Netzaktivisten klar zu den Bösen gerechnet werden. "Ich halte die Sperren für falsch. Vodafone war hier anderer Auffassung", schreibt Lobo dazu lapidar. Und dann irgendwas mit Netzgemeinschaft, verhärteten Fronten, und dass er den Dialog zwischen beiden Seiten fördern will. Das werden ihm viele nicht zutrauen, aber vermutlich wird er damit leben können.

"Wenn Twitter verkauft wird, will ich einen Teil vom Erlös. Ohne meine Qualitätstweets wäre Twitter ja praktisch wertlos." 12:32 AM Jul 1st

Wie sich die Diskussion entwickelt, bekommt Lobo wahrscheinlich jederzeit mit. Er ist der erfolgreichste, bestvernetzte Twitterer Deutschlands. Mehr als 15.000 Follower hat er. Das bedeutet, mehr als 15.000 Nutzer haben seine 140-Zeichen-Statements abonniert. Deshalb wollte Vodafone ihn ja haben. Was auch immer Lobo macht, es gibt viele, die es mitkriegen und weitersagen. Entsprechend freut sich der Konzern, dass die Kampagne nun in aller Munde ist.

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