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Schlittschuhrennen "Elfstedentocht": Auf die Kufen, fertig, los!

Die Prinsengracht in Amsterdam wird schon zum Schlittschuhlaufen genutzt.
Die Prinsengracht in Amsterdam wird schon zum Schlittschuhlaufen genutzt.
Foto: dapd

Nicht alle leiden unter der Kälte. In Deutschland werden große Eisflächen freigegeben und die Niederländer bereiten sich auf die „Elfstedentocht“ vor – ein riesiges Volksfest auf Schlittschuhen.

Für viele Niederländer gibt es zur Zeit nur ein Thema, egal, ob sie gerade in Enschede, Amsterdam oder im Weltall unterwegs sind. Am Mittwoch twitterte stellvertretend der Astronaut André Kuipers von der Internationalen Raumstation ISS: „Wird es passieren ... die elf Städte in Friesland?“ Und dazu schickte er ein Foto aus dem All, das die elf friesische Städte bei Nacht zeigt.

Wird es passieren, wie zuletzt 1997 – das ist die große Frage, seitdem die Grachten zugefroren sind und die ersten Mutigen ihre Schlittschuhe geschnürt haben. Wird das Eis im Land dick genug sein, damit die Elf-Städte-Tour über eine Distanz von fast 200 Kilometern gestartet werden kann? 15 Zentimeter – das ist die offizielle Vorgabe. Erst dann fällt der Startschuss für die „Elfstedentocht“, wie die Holländer sagen, dann hätte das mediale und volkstümliche Vorspiel ein Ende und der Hauptakt könnte beginnen. Tausende von Menschen würden bei eisiger Kälte an den zugefrorenen Kanälen stehen und den Läufern aufmunternd zujubeln, sie würden sich verkleiden, musizieren und applaudieren.

Die spektakulärsten Eisbahnen der Welt

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Teilnehmer werden ausgelost

16.000 Hobby- und Profi-Schlittschuhläufer dürfen an dem Rennen teilnehmen. Die Sportler werden vom offiziellen Veranstalter der Elf-Städte-Tour, der „Koninklijke Vereniging De Friesische Elf Steden“, ausgelost. Denn nicht jeder der 30.000 Mitglieder darf einfach so mitfahren. Und nicht jeder darf einfach so Mitglied werden. Die Richtlinien schreiben vor, dass ein neuer Bewerber die schriftliche Bestätigung zweier Mitglieder benötigt, die ihn für fit gut genug halten, die lange Strecke auf Kufen zu bewältigen.

Im Jahre 1909 wurde die „Elfstedentocht“ erstmals ausgetragen, initiiert durch den leidenschaftlichen Schlittschuhläufer Pim Mulier. Insgesamt 15 Mal fielen seitdem die magischen Startworte „It giet oan!“ – eine Art von „Eiszapft is!“– die das spannende und bangende Warten beendet. 1909 dauerte es noch 13 Stunden und 50 Minuten, bis die ersten Läufer das Ziel erreichten. 1933 wurde erstmals die 10-Stunden-Grenze durchbrochen. Die letzten Elf-Städte-Touren 1985, 1986 und 1997 absolvierten die Sieger in etwas weniger als sieben Stunden.

"Ab Kilometer 120 wird es hart"

Das Eis muss mindestens 15 Zentimeter dick sein, sonst findet das Rennen nicht statt.
Das Eis muss mindestens 15 Zentimeter dick sein, sonst findet das Rennen nicht statt.
Foto: dapd

Der Landwirt Henk Angenant gewann vor 15 Jahren. Wenn er von den anstrengenden Stunden in der Kälte erzählt, dann senkt sich seine Stimme. „Ab Kilometer 120 wird es hart, sehr hart“, sagt er. Und dann berichtet er von der Erschöpfung und dem einsamen Kampf in der Abenddämmerung. Sechs Stunden und 49 Sekunden benötigte er für die 199,6 Kilometer. Er fuhr auf seinen Kufen durch die Städte Sneek, IJlst, Sloten, Stavoren, Hindeloopen, Workum, Bolsward, Harlingen, Franeker, Dokkum bis nach Leeuwarden. Am Rand warteten jauchzende, tanzende Menschen und Musikkapellen. So heiter angetrieben kämpfte er sich nach vorne. „Irgendwann kommst du in eine Art Flow, und denkst gar nicht mehr, sondern machst einfach weiter und weiter.“

Am Ende setzte er sich im Sprint gegen den hartnäckigsten Konkurrenten durch. Nach dem Erfolg wusste er: Sein Leben würde jetzt nicht mehr dasselbe sein wie bisher. Bald war er nicht mehr nur ein Landwirt, der nebenbei auch noch sehr gut Schlittschuh läuft, er war der Sieger der „Elfstedentocht“. Die Medien stürzten sich auf ihn. Und immer dann, wenn es wieder kalt wird in den Niederlanden und früh dunkel, erinnern sich die Menschen an Henk Angenant, den Gewinner von 1997.

Frostige Hotels aus Eis und Schnee

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Eine Absage wäre eine riesige Enttäuschung

Noch steht nicht fest, ob das Eis 15 Zentimeter dick sein wird, damit das Rennen in diesem Jahr genehmigt werden kann. Im Norden werden schon die Eisflächen präpariert, im Süden und Westen ist das Eis dagegen nur wenige Zentimeter dick. Um die Entscheidung nicht ganz der Natur zu überlassen, wird an den dünnen Eisflächen der Strecke fleißig gearbeitet, sprich: Schichten von Eis werden übereinander gelegt, so dass die Flächen dicker werden.

Eine Absage durch den „Koninklijke Vereniging De Friesische Elf Steden“ wäre eine riesige Enttäuschung. Denn auch die Politik beschäftigt sich mit dem Fest. Politiker schlugen bereits vor, allen Schulkindern „eisfrei“ zu geben. Und auch niederländische Spitzensportler bereiten sich auf das Rennen vor. Jorrit Bergsma gilt als einer der weltbesten Eisschnellläufer. Er führt im Weltcup, wird aber am Wochenende nicht in Norwegen starten, sondern in den Niederlanden bleiben. Es könnte ja klappen mit der Elf-Städte-Tour, vielleicht am Sonntag. Das Ereignis will der 26- Jährige auf keinen Fall verpassen. Dafür riskiert er sogar seine Führung im Weltcup.

Autor:  Andrea Ege und Nancy Krahlisch
Datum:  9 | 2 | 2012
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