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19. Februar 2009

Schmähpreis: Der "schlechteste Regisseur" der Welt

Der deutsche Filmemacher Uwe Boll wird eine Trophäe für das "schlechteste bisherige Lebenswerk" erhalten.  Foto: Foto: dpa

Der deutsche Filmemacher Uwe Boll trägt es mit Fassung, dass er am Samstagabend in Hollywood eine Ehrentrophäe für das "schlechteste bisherige Lebenswerk" erhalten wird.

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San Francisco. Der deutsche Filmemacher Uwe Boll trägt es mit Fassung, dass er am Samstagabend in Hollywood eine Ehrentrophäe für das "schlechteste bisherige Lebenswerk" erhalten wird.

Der Mainzer Horror-Meister wäre gern persönlich bei der Razzie-Spottpreis-Gala erschienen, doch Dreharbeiten in Südafrika gehen vor. Dort dreht der für Videospiel-Verfilmungen wie "Bloodrayne" und "Schwerter des Königs - Dungeon Siege" bekannte Regisseur seit Montag einen Actionthriller über die arabischen Dschandschawid-Milizen im Sudan.

"Ein politischer Film, der natürlich auch sehr hart sein wird", preist Boll sein jüngstes Projekt kurz vor dem Drehstart an. Doch die "Goldenen Himbeeren"-Verleiher, die in diesem Jahr zum 29. Mal Hollywoods unterirdischsten Leistungen honorieren - 687 Filmfans in den USA und neunzehn anderen Ländern stimmten ab - werden von Boll zu hören bekommen.

Die Verleihung der Schmähpreise wird üblicherweise von den Stars gemieden, doch "Catwoman" Halle Berry machte 2005 eine Ausnahme: Sie holte am Vorabend der Oscar-Gala überraschend ihre Razzie-Trophäe ab und bedankte sich auf der Bühne überschwänglich für die "Ehre". Boll will sich mit einer Videogrußbotschaft erkenntlich zeigen. "Vielleicht sollte ich die Verleiher auf das Wüsteste als gehirnamputierte Voll-Spastis beschimpfen", witzelte der 43-Jährige im Telefon-Interview mit der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Dank "Postal", "Dungeon Siege" und "1968 Tunnel Rats" hat Boll neben dem Lebenswerk-Preis auch beste Chancen für "Himbeeren" als schlechtester Regisseur, Nebendarsteller und als Leinwandpartner von "jedwedem Schauspieler, Kamera oder Drehbuch". Er befindet sich in guter Gesellschaft. Paris Hilton ("The Hottie & The Nottie") könnte zur schlechtesten Hollywood-Schauspielern des Jahres gekürt werden.

Die Komödie "Der Love Guru", mit Mike Myers als Star, Produzent und Drehbuchautor, sahnte gleich sieben Nominierungen ab, darunter für die Schauspieler Myers, Jessica Alba, Verne Troyer und Ben Kingsley und in der Königssparte "Schlechtester Film". Boll ist dankbar, dass in diesem Jahr "so viele grottenschlechte Filme" dabei sind, die bestimmt triumphieren werden.

Überrascht hat ihn die Nominierung für seinen Mini-Auftritt in seinem Terror-Streifen "Postal". "Das ist schon eine besondere Ehre, wenn man gegen Pierce Brosnan ("Mamma Mia!") und Ben Kingsley ("The Love Guru") antritt", meint Boll. Die Szene ist nur kurz, aber das zeige das wahre Gesicht der Organisatoren: "Egal, was der Boll macht, der muss nominiert werden!", frotzelt der Regisseur.

Kritiker-Spott und Verrisse ist "der schlechteste Regisseur" und "King of Trash" seit Jahren gewohnt. Die "New York Times" lästerte über "Postal", dass "die Grenzen des guten Geschmacks derart weit überschritten sind, dass selbst Weltraum-Teleskop das Hubble keine Grenzen mehr ausmachen kann". Doch Boll kann sich auf seine vielen Stars, darunter Ben Kingsley, Jason Statham und Billy Zane verlassen. Auch Til Schweiger, der in "Far Cry" einen Elitesoldaten spielt, lässt auf Bolls Genre-Kino nichts kommen. Das sei kein Trash, sondern ein "solides B-Movie", sagte er beim Kinostart im vergangenen Oktober.

Boll dreht in eigener Regie, mit seiner eigenen Produktionsfirma, häufig in Kanada und an anderen Billig-Drehorten. Die Verkaufszahlen machen die Schmährufe wett. "Wenn man in den USA 1,6 Millionen DVDs von "Schwerter des Königs" verkauft und "Das Leben der Anderen" nur 89 000 Stück, dann muss man sich eben sagen, das ist ja auch was wert".

Die Razzie-Verleiher haben Boll zu "Deutschlands Antwort auf Ed Wood" erklärt. Der 1978 in Hollywood verstorbene Horror-und Sci-Fi- Regisseur ("Plan 9 from Outer Space") machte mit Billig-Streifen und Trash-Movies Karriere, sah sich selbst aber stets als Künstler. Boll hat nichts gegen den Vergleich mit Wood. "Der hat das Maximale aus seinen spärlichen Möglichkeiten gemacht und hat seinen Traum vom Film umgesetzt. Das ist immer noch besser, als das ganze Leben lang nur davon zu reden".

Dass seine Oscar-Chancen gleich Null sind, macht dem Razzie-Preisträger offenbar nichts aus. "Jean-Claude van Damme wird ja auch nicht nominiert, da kann ich meine Hoffnungen wohl auch begraben", meint Boll. "Doch man weiß es ja nie. Mickey Rourke dachte auch er wäre völlig vom Fenster weg und jetzt ist wieder nominiert". (dpa)

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