Noch im Dezember klagten die Wintersportorte in Österreich über den Schneemangel. Weil die weiße Pracht ausblieb und auch die Temperaturen für den Einsatz von Schneekanonen zu hoch waren, mussten viele Wintersportorte ihre Saison-Openings absagen oder verschieben. Inzwischen hat sich das Blatt gewendet: Tagelange intensive Schneefälle und teilweise starker Wind stürzen den Westen der Alpenrepublik ins Chaos.
Bereits seit dem Wochenende sind zahlreiche Wintersportorte in Vorarlberg und Tirol von der Außenwelt abgeschnitten, tausende Urlauber sitzen fest. Eingeschneit sind zum Beispiel die Orte Ischgl und Galtür im Tiroler Paznauntal. Andreas Steibl vom Tourismusverband Paznaun-Ischgl spricht gegenüber Radio Tirol aber von einer „entspannten Situation“. Er sei froh, dass der Urlauberschichtwechsel am Samstag durchgeführt werden konnte. Auch die Orte Lech, Zürs und Stuben am Arlberg sowie Schröcken und Warth im Bregenzerwald sind nach wie vor nicht erreichbar, die Straße ins Vorarlberger Montafon ist hingegen wieder offen, berichtet der Österreichische Rundfunk (ORF).
Massive Behinderungen im Straßen- und Bahnverkehr
Lawinengefahr und umgestürzte Bäume hatten zwischenzeitlich alle Straßenverbindungen zwischen Vorarlberg und Tirol lahmgelegt, die Arlberg-Bahnstrecke ist bereits seit Tagen unpassierbar. Somit war Österreichs westlichstes Bundesland vom Rest des Landes abgeschnitten und nur mehr über Deutschland erreichbar. Die Behörden rieten dringend von Reisen aus Ostösterreich Richtung Vorarlberg ab. Nachdem das österreichische Bundesheer mit Hubschraubern umgestürzte Bäume von der Arlberg-Schnellstraße entfernt hatte, konnte die wichtige Straßenverbindung zu Mittag wieder freigegeben werden.
Kaum mehr erreichbar ist auch die Urlaubsregion Pinzgau im Bundesland Salzburg: Sowohl die Loferer- als auch die Pinzgauer Straße sind wegen umgestürzter Bäume blockiert, ebenfalls unterbrochen sind die Eisenbahnstrecken in diesem Bereich. Der Salzburger Pinzgau ist nur mehr großräumig über Kitzbühel und den Pass Thurn erreichbar. Auch zahlreiche weitere Bahnlinien und Passstraßen von Vorarlberg bis ins Salzkammergut sind blockiert.
Zehntausende ohne Strom
Der heftige Wintereinbruch im Westen Österreichs sorgt auch für Probleme bei der Stromversorgung, alleine im Bundesland Tirol sind 10.000 Haushalte ohne Elektrizität, die Störtrupps sind im Dauereinsatz, dringen durch die Schneemassen aber nur sehr langsam zu den durch umgeknickte Bäume beschädigten Stromleitungen vor.
Räumdienste und Behörden hoffen nun auf eine langsame Wetterbesserung: Nach Angaben des österreichischen Wetterdienstes ZAMG soll der Schneefall im Westen des Landes im Tagesverlauf langsam abklingen und Richtung Osten abziehen. Damit dürfte sich die Lage in Vorarlberg und Tirol langsam entspannen, weiterhin kritisch beurteilen die Meteorologen die Situation allerdings in Salzburg, einiges an Neuschnee dürfte in den nächsten Stunden auch die Obersteiermark abkriegen.
Sobald es die Wetterlage zulässt, wollen Straßendienste und die Österreichischen Bundesbahnen mit der Freiräumung der blockierten Verkehrswege beginnen. Probleme dabei bereitet allerdings die stellenweise extrem hohe Lawinengefahr. An einigen Stellen müssen deshalb zuerst drohende Lawinen abgesprengt werden, bevor mit der Räumung von Straßen und Bahnstrecken begonnen werden kann.
Kaum noch Schnee in Bayern und der Schweiz
In den bayerischen Alpen schneit es kaum noch, dennoch bleibt die Lawinengefahr zumindest oberhalb der Waldgrenze groß. „Achtung, umfangreiche Schneeverfrachtungen, ein einzelner Skifahrer kann Lawinen auslösen“, heißt es im Bericht des Lawinenwarndienstes vom Montag. In steilem Gelände, in dem sich Schneeverwehungen ansammeln, seien Selbstauslösungen auch von größeren Lawinen möglich. Von Dienstag bis Donnerstag erwarten die Meteorologen oberhalb von 800 Metern viel Sonnenschein.
Am Montag gab es nur noch wenig Schnee. In den Hochlagen der Alpen wurden bis Dienstagmittag maximal zehn Zentimeter erwartet, wie Christian Freuer vom Deutschen Wetterdienst in München berichtete. Danach sorgt ein Hochdruckkeil bis zum Donnerstag für viel Sonne oberhalb 800 Metern.
Viel Schnee gefallen ist in den vergangenen Tagen auch in den Schweizer Alpen. Größere Probleme gibt es laut Schweizer Medienberichten aber nicht, nur zwei Orte im Berner Oberland sind zurzeit nicht auf dem Straßenweg erreichbar, auch einige Nebenbahnen in den Alpen sind wegen Lawinengefahr aus Sicherheitsgründen gesperrt, es gibt aber überall einen Ersatzverkehr mit Bussen.
(dak/dpa)
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