Das Handyvideo ist so krass, dass sogar der rechte Sender "Fox News" darüber berichtete: Da verdreht ein bulliger Schulpolizist einem Mädchen den Arm, packt sie mit der anderen Hand am Rücken und presst ihr Gesicht auf einen Metalltisch.
Ihr Verbrechen? Sie habe sich geweigert, in der Schule ein paar Krümel vom Boden aufzuheben, sagt die Schülerin. Der Polizist habe sie daraufhin verfolgt und so brutal gepackt, dass er ihr die Hand brach.
Die Geschichte ist ein Beispiel dafür, dass kleine Vergehen von Schülern in den USA immer härter geahndet werden. Wo früher eine Strafarbeit fällig war, rufen genervte amerikanische Lehrer heute den Sicherheitsdienst.
Der Lehrer hat keine Autorität? Kein Problem mehr
Für die Lehrer ist das bequem, weil sie sich sie nicht mehr selbst mit den rebellischen Kids auseinandersetzen müssen; Wenn die eigene Autorität nicht reicht, sind die Uniformierten schnell und gerne zur Stelle.
Für die Schüler ist das Ganze weniger angenehm. Wer zu spät kommt, heimlich hinter der Hecke raucht oder in eine Prügelei verwickelt wird, der ist in Bundesstaaten wie Texas schnell vorbestraft - das gilt schon für Zehnjährige.
Laut dem britischen "Guardian" stehen in Texas täglich hunderte von pubertären Delinquenten vor Gericht, manche bekommen es schon im Grundschulalter mit der Polizei zu tun auf der Grundlage von Gesetzen, die sich in der Theorie gegen Schulgangs richten. In der Praxis treffen sie oft aufmüpfige Kinder.
Fünfzehnjähriger vom Sicherheitsdienst erschossen
Da gibt es den Fall einer Zwölfjährigen, die festgenommen wurde, weil sie ein wenig Parfüm in der Klasse versprühte, oder den eines pubertierenden Jungen, den Sicherheitsbeamte mit Taser-Stromschlägen zum Zappeln brachten, weil er angeblich obszöne Sachen sagte.
Erst kürzlich erschoss die texanische Polizei sogar den Achtklässler Jaime Gonzalez , weil der mit einer Luftpistole auf sie zielte.
Spätestens seit dem Amoklauf eines Schülers in Columbine sind die Schulbehörden besonders wachsam, aber wie das Beispiel zeigt, ist der Weg von der Wachsamkeit zur Panik nicht unbedingt weit.
"Unsere schlimmsten Ängste bestätigt"
Das gilt sogar für liberale Staaten wie New York: Dort bestrafte die Polizei zeitweise vier Schüler pro Tag, meldet die Polizeibehörde.
"Das hat wirklich unsere schlimmsten Ängste bestätigt", sagte Johanna Miller von der New Yorker Bürgerrechts-Union. Sie sprach mit einer Journalistik-Studentin, die sich in einem Fernsehbeitrag mit dem Sicherheits-Wahn beschäftigt hat.
"Wir haben das Verhalten von Kindern kriminalisiert", kritisiert die Anwältin Kady Simpkins im "Guardian". Andere bezeichnen die Gesetze zynisch als Pipeline, die von der Schule ins Gefängnis führt - und manchmal dort endet.
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