Eine halbe Million Moskauer Schüler haben unerwartet Ferien erhalten. Diese Woche fällt der Unterricht für sie ganz aus – wegen einer Grippe-Epidemie. Dabei ist es erst drei Wochen her, dass die russischen Weihnachtsferien endeten – und bis zu den Frühlingsferien im März ist es noch weit. Dennoch entschied das Bildungsministerium der Stadt, alle Schüler bis zur achten Klasse nach Hause zu schicken. Es folgte damit einer Empfehlung der Verbraucherschutzbehörde.
91.000 Moskauer leiden den Angaben zufolge an Erkrankungen der Atemwege oder Grippe, und mehr als die Hälfte davon sind Kinder. Um die Ausweitung der Epidemie zu bremsen, wurde eine Quarantäne ausgerufen. Diese trifft allerdings nur die Kinder von der ersten bis zur achten Klassen, die statistisch besonders anfällig für Infektionen sind. Die höheren Klassen und die Kindergärten sind nicht betroffen.
Es ist das erste Mal seit 1998, dass die Stadt wegen einer Epidemie sämtliche Schulen schließt. Die Zehnmillionenstadt hat 748.000 Schüler, zieht man davon die letzten drei Klassen ab, so trifft die Maßnahme immer noch etwa 550.000 Schüler. Die sollen nun mit Aufgaben versorgt werden – über Internetseiten, Email-Rundbriefe und Telefonate. Schließlich haben die Lehrer auch nicht frei, sie müssen ihre Arbeitszeit in der Schule verbringen.
Die Schüler der 9. bis 11. Klassen werden weiterhin unterrichtet; vielleicht auch deshalb, weil sie sich ja auf das gefürchtete neue Zentralabitur vorbereiten müssen. Seit 2009 wird das Abitur in ganz Russland nach einheitlichen Fragebögen abgelegt. Immerhin sollen die Schüler zwischen den Schulstunden ihre Klassenzimmer nicht verlassen.
Ob das Schließen der Schulen die Ausbreitung der Grippe bremsen wird, ist fraglich. Und Kinder, auf die zu Hause niemand aufpassen kann, werden auch in dieser Woche in Ganztagesgruppen betreut werden.
Das Gesundheitsministerium verkündete am Montag, die Zahl der Grippeinfektionen liege russlandweit sogar unter den Werten der vorangegangenen Winter. Aber nicht nur in der Hauptstadt wurden Schulen geschlossen. Zwangsferien gibt es diese Woche auch in der südrussischen Region Astrachan.
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