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02. April 2009

Schulpflicht: Deutsche suchen politisches Asyl in USA

 Von Sophie von Puttkamer
Der gläubige Christ Uwe Romeike fühlt sich in Deutschland politisch verfolgt, weil seine Kinder eine "unchristliche" Schule besuchen müssen (Symbolbild).  Foto: ddp

Eine Familie aus der Nähe von Stuttgart fühlt sich in Deutschland politisch verfolgt. Ein bizarrer Rechtsfall mit unbekanntem Ausgang steht bevor.

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Washington. Uwe Romeike ist ein ungewöhnlicher Fall. Normalerweise kommen Asylsuchende in den USA aus dem Iran, aus Birma oder einem afrikanischen Staat. Doch Uwe Romeike entflieht keiner Diktatur, keinem Gewaltsystem, der 37-Jährige kommt aus Bissingen an der Teck, einem idyllischen 3000-Seelen-Dorf in der Nähe von Stuttgart.

Dennoch: "Ich fühle mich politisch verfolgt", beharrt der Deutsche mit leichtem schwäbischen Zungenschlag. Schon vor Monaten ist Romeike mit seiner Ehefrau und fünf Kindern im Alter von drei bis elf Jahren in die USA geflüchtet, jetzt hat er dort Asyl beantragt - ein bizarrer Rechtsfall mit unbekanntem Ausgang steht bevor.

Dabei geht es Romeike nicht um Politik, ihm geht es um Religion, um christliche Werte - und um das Recht, seine Kinder außerhalb der, wie er meint, "unchristlichen" deutschen Schulen erziehen zu dürfen. Doch ein solcher "Hausunterricht" wird dem strenggläubigen Mann, der gemeinsam mit Ehefrau Hannelore einer evangelikalen Freikirche angehört, in Deutschland untersagt - jetzt versucht er sein Glück in den USA.

Das Drama begann im Jahr 2006, erzählt Romeike, als das Ehepaar das "unchristliche Treiben" an den deutschen Schulen seinen Kindern einfach nicht mehr zumuten wollte. "Der Unterricht ist weder christlich noch wertneutral", wettert der Schwabe. "In Wahrheit werden die Kinder nach einem antichristlichen Weltbild erzogen". Im Unterricht und sogar in Schulbüchern wimmele es von obszönen Ausdrücken, Flüchen und Gotteslästerungen. "Es geht dort mehr um Vampire und Hexen als um Gott." Für einen strengen Christen sei das einfach nicht hinzunehmen.

Polizei zwingt Kinder zum Unterricht

Doch als Romeike im September 2006 seine drei ältesten Kinder aus der Grundschule nimmt, stößt er auf staatlichen Widerstand. "Plötzlich stand die Polizei vor der Haustür." Noch heute überkommen ihn Angst und Wut, wenn er daran zurückdenkt. "Zuerst wollten wir einfach nicht öffnen", berichtet der gelernte Musiklehrer. "Doch dann drohten die Polizisten, die Tür einzutreten. Da habe ich aufgemacht." Hilflos hätten sie zusehen müssen, wie die Polizisten ihre schreienden und weinenden Kinder ergreifen und zur Schule bringen. Ihm habe sich das Herz umgedreht, "aber wehren konnten wir uns nicht."

Gerade mal einen Monat lang habe das Ehepaar die Kinder damals im "rechten Geiste" zu Hause unterrichten können."Vormittags habe ich meine Kinder unterrichtet, nachmittags meine Musikschüler. Schließlich musste ich ja auch Geld verdienen", berichtet der Pianist. Es sei eine gute Zeit gewesen, die Familie sei den ganzen Tag zusammen gewesen - auch die Kinder hätten den Unterricht daheim gemocht. "Doch in Deutschland ist das eben nicht erlaubt." Mehrfach habe der Rektor gemahnt. "Die Behörden drohten mit Geld- und Gefängnisstrafen." Sogar derBürgermeister habe sich eingeschaltet, wollte die Familieumstimmen.

Romeikes Widerstandswillen wurde aber immer größer, er zog sogar vor Gericht. "Doch da habe ich verloren." Auch das habe ihn nicht umstimmen können. "Aber ich habe Angst gehabt, ins Gefängnis zu müssen."

Anruf aus Amerika

Dann kam der rettende Anruf aus Amerika, berichtet der Schwabe. Am Apparat war Rechtsanwalt Michael Donnelly von der "Home School Legal Defense Association". Der Verein unterstützt das "Homeschooling", wie es in den USA genannt wird. Donnelly hatte vom Schicksal der Romeikes gehört. "Im Gegensatz zu Deutschland ist Hausunterricht in den USA erlaubt, 1,5 Millionen Kinder werden hier in den eigenen vier Wänden erzogen", schwärmt Donnelly den Deutschen vor. "Homeschooling liegt in Amerika im Trend."

Im August 2008 verkauft Romeike seine geliebten Klaviere, vermietet sein Haus im idyllischen Heimatort. Die Familie flüchtet in die USA. Heute lebt sie im Städtchen Morristown im Bundesstaat Tennessee - die Kinder werden zu Hause unterrichtet. "Hier haben wir endlich die Freiheit, die wir in Deutschland nicht hatten", schwärmt der Familienvater. "Unsere neuen Nachbarn sind auch Homeschoolers".

Um in den USA bleiben zu dürfen, hat Romeike politisches Asyl beantragt. Wie die Entscheidung ausfällt, ist kaum vorauszusagen. Einen vergleichbaren Asylfall hat es laut Donnelly in den USA aber noch nicht gegeben.

Der deutsche Generalkonsul Lutz Görges, zuständig für den Südosten der USA, wollte zu dem Fall nicht Stellung nehmen. Das Auswärtige Amt in Berlin betonte jedoch, es verfolge die Angelegenheit aufmerksam. "Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, möchte ich mich dazu aber nicht weiter äußern", sagte ein Sprecher. "Grundsätzlich ist jeder Bundesbürger frei, in ein anderes Land auszuwandern. Es ist Aufgabe der zuständigen US-Behörden zu entscheiden, ob sich ein deutscher Staatsangehöriger in den USA niederlassen darf oder nicht." (dpa)

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