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06. Mai 2014

Schwarze Magie in Brasilien: Angebliche Magierin gelyncht

 Von 
Einheimische am Strand Praia das Pitangueiras in Guaruja.  Foto: imago stock&people

Kurz vor der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien kommt es wieder zu einem Ausbruch der Gewalt. Eine Menschenmenge tötet eine unschuldige Mutter. Offenbar ist ein Gerücht in einem sozialen Netzwerk der Auslöser gewesen. Selbstjustiz häuft sich im größten Land in Südamerika.

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In Brasilien hat eine Menschenmenge eine 33-jährige Hausfrau zu Tode geprügelt. Das Opfer wurde für eine Frau gehalten, die bei Facebook beschuldigt wurde, Kinder entführt und schwarze Magie betrieben zu haben. Offenbar nichts weiter als ein Internet-Gerücht: Der Polizei ist kein einziger Fall von Kindesentführungen in der Region bekannt.

Sie sei „lebendig ans Kreuz geschlagen“ worden, sagten Familienangehörige von Fabiane Maria de Jesus, nachdem die Frau ihren schweren Verletzungen erlegen war. Sie wurde am Samstagnachmittag in einem ärmlichen Vorort von Guarujá, einer mondänen Bade- und Küstenstadt bei Santos, überfallen, als sie nach Hause kam. Offenbar hatte sie nicht die geringste Chance, sich zu wehren, zu rechtfertigen oder verteidigen. Eine Menschenmenge, darunter viele Kinder, fiel über sie her und prügelte auf sie ein. Zwei Videoaufnahmen, die der Anwalt der Familie den Medien und der Polizei übergab, zeigen die junge Frau schon regungslos am Boden liegend. Unter dem Geschrei der Menge geht ein Mann mit einem schweren Gegenstand auf sie los. Andere versuchten offenbar einzuschreiten, aber das Lynchen endete erst, als die Polizei kam. Fabiane wurde in ein Krankenhaus gebracht, wo sie am Montag (Ortszeit) an ihren Verletzungen starb.

Das Gerücht, eine blonde Frau entführe Kinder, um sie bei schwarzer Magie zu opfern, war von einer Facebook-Seite namens „Guarujá Alerta“ – etwa: Achtung, Guarujá! – verbreitet worden. Meist werden auf dieser Seite verlorengegangene Hunde gesucht oder die Schlaglöcher in den Straßen angeprangert. Die Seite verfolgen mehr als 50.000 Nutzer. Der Anwalt warf den Betreibern der Seite „Verantwortungslosigkeit“ vor; die Familie werde sie verklagen. Der Polizei zufolge lag keine Anschuldigung gegen das Opfer vor.

Internet verbreitet Gerüchte

Fabiane Maria de Jesus hatte selbst zwei Kinder. Der Familie zufolge litt sie seit einer Fehlgeburt an einer bipolaren affektiven Störung, die sich nach einer weiteren Fehlgeburt verstärkte. Deshalb verließ sie normalerweise selten allein das Haus – anders als am Samstag.
Sozialforscher sagten der lokalen Presse, durch das Internet breiteten sich Gerüchte, die früher von Mund zu Mund gingen, heute viel schneller aus, und die Hemmschwellen für Hass und Aggression sänken. Hinzu komme oft die Erfahrung, dass der Staat nicht präsent sei. Das Gefühl ist weitverbreitet; selbst die Zeitungen benutzen oft die Formulierung „das Recht in die eigene Hand nehmen“ und meinen damit Lynchen.

Ob Zufall oder ein Trend – in Brasilien häufen sich in den vergangenen Monaten die Berichte über Lynchjustiz. Der spektakulärste Fall trug sich in Flamengo zu, einem bürgerlichen Viertel von Rio de Janeiro; eine obskure Bürgerwehr stellte dort im Februar einen mutmaßlichen Räuber, zog ihn nackt aus und fesselte ihn mit einem Fahrradschloss an einen Laternenpfahl. In nordöstlichen Bundesstaat Piauí wurde ein Opfer in einen Ameisenhaufen gesetzt, in Natal wurde einem angeblichen Dieb eine Plastiktüte über den Kopf gestülpt.

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