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Schweinegrippe: Geschätzter Verlauf

Die Schweinegrippe greift weiter um sich - 59 Todesfälle sind bekannt. Wie viele Menschen sich infiziert haben, weiß aber niemand genau, denn die Meldepflicht wurde abgeschafft Von Anke Brodmerkel.

Ein Fläschchen mit dem H1N1-Impfstoff Pandemrix des Pharmaherstellers GlaxoSmithKline.
Ein Fläschchen mit dem H1N1-Impfstoff Pandemrix des Pharmaherstellers GlaxoSmithKline.
Foto: ddp

Die Schweinegrippe greift weiter um sich. 59 Tote meldet das Berliner Robert-Koch-Institut (RKI) inzwischen - der jüngste Patient war noch kein Jahr alt, der älteste 83. Mindestens sechs Tote waren bis zu ihrer Infektion mit H1N1 gesund. Drei Wochen nach dem Tod einer Kasseler Schülerin teilte das dortige Gesundheitsamt mit, die 15-Jährige sei nicht an der Schweinegrippe, sondern an einer Herzmuskelentzündung gestorben.

Wie viele Menschen sich bisher infiziert haben, weiß niemand genau. Die im April eingeführte Meldepflicht für Verdachts- und Erkrankungsfälle wurde vor knapp zwei Wochen abgeschafft, um die Belastung der Ärzteschaft auf das Notwendigste zu reduzieren. Seither müssen die Ärzte nur noch Todesfälle melden.

Inzwischen werden Menschen, die nicht zu den Risikogruppen gehören, auch nicht mehr auf H1N1-Viren getestet. "Während einer Grippewelle ist es allein aufgrund der Symptome möglich, relativ zuverlässig eine Grippeerkrankung zu diagnostizieren", erklärt Susanne Glasmacher, die Sprecherin des RKI. Zu den Symptomen einer H1N1-Infektion gehörten plötzliches Fieber, Husten, Halsschmerzen, Schnupfen, Kopf- und Gliederschmerzen sowie ein allgemeines Krankheitsgefühl. Da die saisonale Grippe Deutschland noch nicht erreicht habe, sei davon auszugehen, dass Patienten mit derartigen Symptomen an Schweinegrippe erkrankt sind, sagt Glasmacher.

Schnelltests aus Arztpraxen verbannt

Nur in Einzelfällen, etwa bei einem schweren Verlauf oder untypischen Symptomen, schicken die Ärzte derzeit einen Rachen- oder Nasenabstrich in ein Labor, wo ein PCR-Test vorgenommen wird. Dabei werden charakteristische Abschnitte im Erbgut des Virus nachgewiesen. Die Schnelltests wurden hingegen aus den Arztpraxen verbannt, da sie sich als unzuverlässig herausgestellt hatten.

Auch Menschen, die von sich vermuten, schon einmal an Schweinegrippe erkrankt gewesen zu sein, können dem RKI zufolge von einer Impfung mit Pandemrix profitieren. "Es ist zwar wahrscheinlich, dass eine Infektion mit Neuer Influenza eine gewisse Immunität gegen den Erreger erzeugt", sagt Glasmacher. "Aber es liegen hierzu keine Langzeitbeobachtungen vor." Und inwieweit eine natürlich erworbene Immunität auch vor H1N1-Varianten schütze, sei nicht bekannt. Das sei bei einer Impfung anders: "Durch die Wirkverstärker schützt die Impfung auch gegen Varianten des Virus, die durch Mutationen entstehen können."

Autor:  Anke Brodmerkel
Datum:  28 | 11 | 2009
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