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Schweinegrippe in Frankfurt: Information statt Panik

Nervosität und Trubel in Sachen H1N1 nehmen landesweit zu. Aber Frankfurt schließt bewusst keine Schulen. Das Stadtgesundheitsamt setzt auf Aufklärung und Appelle. Von Anita Strecker

Woanders bleiben die Klassenzimmer leer wegen der Schweinegrippe. Nicht in Frankfurt.
Woanders bleiben die Klassenzimmer leer wegen der Schweinegrippe. Nicht in Frankfurt.
Foto: ddp

Drei Schweinegrippe-Fälle hat Mechthild Wagenhoffen, Leiterin der Carlo-Mierendorff-Schule, aktuell zu vermelden. "Alle in einer Klasse." Ab zwei Krankheitsfällen in einer Klasse muss das Stadtgesundheitsamt benachrichtigt werden. Aufgeregt klingt die Schulleiterin deshalb nicht - "weil im Grunde gar nichts passiert". Die Kinder sollen zehn Tage zu Hause bleiben, die Schüler in der Klasse regelmäßig Hände waschen, Abstand halten, Eltern bekommen einen Brief mit Informationen rund ums Thema "Schutz vor Schweinegrippe", fertig.

"Es gibt in Frankfurt keine Schulschließungen aus infektionellen Gründen", bestätigt Amtsarzt Oswald Bellinger vom Stadtgesundheitsamt. Auch die Schule am Ried in Bergen-Enkheim, an der gleichfalls Krankheitsfälle aufgetreten sind, arbeitet ohne Einschränkung weiter.

Schließungen würden auch nach Einschätzung des Robert-Koch-Instituts wenig bringen, "die Schweinegrippe ist schon überall, es gibt sicher keine Schule und keine Kindertagesstätte in Frankfurt mehr, in der es nicht schon einen Fall gegeben hat". Zahlen kennt er allerdings nicht, da Schulen und Kitas nur "bei Ausbrüchen" Meldung erstatten müssten und auch Ärzte keine gesicherten Diagnosen stellen könnten, ob es sich nun um eine saisonale Infektion oder um die Schweinegrippe handele.

Für das Gesundheitsamt seien Einzelmeldungen nicht interessant, trotz steigener Krankheitsfälle. Allein in der Uniklinik und im Clementinen-Kinderkrankenhaus seien am Wochenende rund 100 Kinder wegen Schweinegrippe behandelt worden.

Aufklärung und Appelle

Dennoch. Das Stadtgesundheitsamt setzt auf Aufklärung - und den Appell, sich beim Hausarzt impfen zu lassen. "Wir folgen den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts, das die Impfung für Kinder ab sechs Monaten empfiehlt", sagt Bellinger. Ende vorige Woche ließ das Gesundheitsamt umfangreiche Informationen via Schulen und Kitas an die Familien verteilen.

Außerdem verstärkt das Amt das Bürgertelefon, an dem bisher täglich zwei Schichten à sieben Mitarbeiter über Schweinegrippe, Risikofaktoren und Schutzmöglichkeiten informieren, auf zehn Leute pro Schicht, sagt Bellinger. Als wichtigsten Schritt habe das Amt aber mit Massenimpfungen des medizinischen Personals begonnen. Nach zögerlichem Start hätten Amtsärzte seit voriger Woche 300 bis 500 Impfungen pro Tag. "Wir haben am Samstag noch 200 Leute geimpft und die Aktion verlängert", sagt Bellinger.

Keine Kapazitäten

Am Freitag forderte Kultusministerin Dorothea Henzler auch Schulleiter auf, ihre Kollegen zum Impfen ins Gesundheitsamt zu schicken. Von dort flatterte am Montag prompt eine Abfuhr hinterher: Keine Kapazitäten, deshalb auch keine Impfung. "Bisher kann ich dem Kollegium nur Kuriositäten weitergeben, das führt nicht dazu, dass die Sache Ernst genommen wird", klagt Thomas Mausbach, Schulleiter des Heinrich-von-Gagern-Gymnasiums. "Ab Mittwoch fangen wir mit den Lehrern und Erzieherinnen an", versichert Amtsarzt Bellinger - sofern es genügend Impfstoff gibt.

Autor:  Anita Strecker
Datum:  10 | 11 | 2009
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