Mexikos Gesundheitsminister José Angel Córdova konnte am Sonntag erstmals gute Nachrichten vermelden. Zehn Tage nach Ausbruch der sogenannten Schweinegrippe sei in Mexiko das Schlimmste überstanden. Die Epidemie habe zwischen dem 23. und dem 28. April ihren Höhepunkt erreicht und klinge allmählich ab, betonte Córdova. Insgesamt hätten sich in Mexiko 590 Menschen mit dem Virus infiziert. Die Zahl der Todesopfer bezifferte der Minister auf 22.
Während das Virus in Mexiko offensichtlich abklingt, werden die Neben- und Nachwirkungen von A/H1N1 für das Land immer deutlicher. Die Wirtschaft und der Ruf Mexikos haben an der Grippe schweren Schaden genommen. Zum einen wird das Bruttoinlandsprodukt durch die Epidemie dieses Jahr weiter gedrosselt. Darüber hinaus werden in vielen Ländern Mexikaner in diesen Tagen wie Aussätzige behandelt: Japan verlangt Visa von Mexikanern, in China wurden 71 mexikanische Passagiere nach ihrer Ankunft in Schanghai in Quarantäne genommen, obgleich sie keine Grippe-Symptome aufwiesen. Selbst in Lateinamerika stellten Peru, Ecuador, Kuba und Argentinien die Flugverbindungen nach Mexiko vorerst ein. In den USA wird sogar offen vor dem Kontakt mit Mexikanern gewarnt. Der preisgekrönte mexikanische Schriftsteller Juan Villoro fürchtet, dass es viele Jahre dauern werde, bis sein Land den Ruf wieder los werde, den ihm der A/H1N1-Virus eingebrockt habe. "Mexiko wird weltweit vorgeführt wie die bärtige Frau im Zirkus."
Die mexikanische Regierung bezeichnete die Behandlung ihrer Landsleute im Ausland als diskriminierend und ausländerfeindlich. Außenministerin Patricia Espinoza sprach von "ungerechtfertigten Maßnahmen" und kündigte an, bei UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon und der Welthandelsorganisation Protest gegen die Behandlung der Mexikaner in aller Welt einzulegen. Marcelo Ebrard, Bürgermeister von Mexiko-Stadt, kritisierte, dass die mexikanische Hauptstadt jetzt weltweit als "Schurken-Stadt" dastehe. "Es ist überhaupt nicht bewiesen, dass in unserer Stadt das Schweinegrippen-Virus erstmals aufgetreten ist."
Die Schweine-Krise trifft Mexiko im schlimmsten Moment. Das Land spürt als einer der wichtigsten Handelspartner und direkter Nachbar der USA die Weltwirtschaftskrise bereits am stärksten in Lateinamerika. Dazu kommt noch der Drogen-Krieg, der das Land an den Rand der Unregierbarkeit und in die internationalen Schlagzeilen gebracht hat. Und jetzt noch die drohende Epidemie. Der Hoffnungsfunke, der sich beim Mexiko-Besuch von US-Präsident Barack Obama kurz vor Ausbruch der Grippe entzündete, erstickt unter Millionen blauer Atemschutzmasken.
Am schmerzhaftesten sind die Auswirkungen auf die Wirtschaft. Finanzminister Agustín Carstens fürchtet, dass die Krise das Bruttoinlandsprodukt der zweitgrößten Volkswirtschaft Lateinamerikas dieses Jahr deutlich drosseln wird. Schon vor der Schweinekrise waren die Vorhersagen dramatisch schlecht: Mexikos Zentralbank hatte dem Land den Einbruch des Bruttoinlandsprodukts um 4,8 Prozent vorhergesagt.
Besonders betroffen ist der Hotel- und Gaststättensektor. In ganz Mexiko haben aufgrund des staatlich verordneten Zwangsurlaubs von einer Woche 35 000 Geschäfte ganz oder teilweise geschlossen 450 000 Beschäftigte in Hotels, Restaurants und dem Tourismussektor sind eine Woche ohne Job und Geld. Tourismusminister Rodolfo Elizondo schätzt, dass der ausländische Tourismus in den kommenden Wochen um bis zu 85 Prozent einbrechen werde. Der Tourismus ist die viertwichtigste Devisenquelle Mexikos nach dem Ölverkauf, den Auslandsüberweisungen und den Auslandsinvestitionen. Vergangenes Jahr generierte der Sektor 13,28 Milliarden Dollar.
Schräge Kandidaten, internationale Musik: Das ist der Eurovision Song Contest in Baku. Wegen der politischen Zustände in Aserbaidschan wird er dieses Jahr heftiger Kritik begleitet. Mehr dazu im Spezial.
Aktuelle Nachrichten aus der Gesellschaft
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.
Werben auf dem iPad
Das iPad als Werbeform bietet besonders viele Möglichkeiten. Gerne beraten wir Sie persönlich.