Marburg. Seit Freitag haben die Mitarbeiter des Marburger Hochsicherheitslabors kaum geschlafen. Innerhalb von wenigen Tagen entwickelte Laborchef Markus Eickmann in einem Team von Fachleuten einen Test, mit dem sich die Viren der Schweinegrippe nachweisen lassen. "Das ist sehr schnell", sagt Institutsleiter Stephan Becker. Erste Verdachtsfälle aus Hessen haben die Marburger Virologen bereits untersucht. Doch bei den Menschen, die mit Grippesymptomen am Frankfurter Flughafen landeten, konnten sie bislang Entwarnung geben. Becker prognostiziert jedoch: "Wir werden in der nächsten Zeit wohl auch Patienten mit dem Virus in Deutschland sehen."
Die drohende Pandemie hat das Hochsicherheitslabor in Alarmbereitschaft versetzt. Für die wichtigsten Mitarbeiter gilt eine Urlaubssperre. In Marburg soll ein Impfstoff gegen die Schweinegrippe entwickelt werden. Im BSL-4-Hochsicherheitslabor sollen die Seren in bebrüteten Hühnereiern oder Zellkulturen entstehen. Normalerweise wird in diesem Labor der höchsten Sicherheitsstufe an den gefährlichsten Viren der Welt gearbeitet. Das Labor ist fast luftdicht von der Außenwelt abgeschottet. Wer das komplizierte Schleusensystem mit Zahlencodes, Schlüsseln und Chipkarten durchlaufen hat, arbeitet dort in Vollschutzanzügen, die an Astronauten erinnern.
Am kommenden Wochenende werden die Marburger Virologen vom US-Center for Desease Control isolierte Viren von Erkrankten bekommen: "Sobald die ersten Patienten in Deutschland auftauchen, die mit diesem Virus infiziert sind, werden wir auch mit diesen Virus-Isolaten arbeiten", sagt Becker. Die Arbeit sei eine große Herausforderung. "Vor allem in der Geschwindigkeit, die notwendig ist, damit der Impfstoff schnell zur Hand ist, falls eine Pandemie entsteht."
Wie lange das dauern wird, können die Forscher nicht sagen. Das Labor rechnet mit Wochen oder sogar Monaten. Die r Wissenschaftler arbeiten mit dem großen Impfstoffhersteller Novartis Behring zusammen. Sobald der Prototyp des Impfstoffs vorliegt, würde es noch drei Monaten dauern, bis er in den Handel kommt, schätzt Novartis-Sprecher Eric Althoff. Im Moment stecke das Unternehmen in der Planungsphase. Nötig sei eine große Eierreserve, da das Medikament wohl in Millionen von bebrüteten Eiern hergestellt wird.
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