Strassburg. Der Europarat legt sich mit der Weltgesundheitsorganisation und der Pharmabranche an. Der Sozialausschuss der Parlamentarischen Versammlung will in der am Montag beginnenden Sitzungswoche Vertreter von WHO und Pharmaindustrie mit dem Vorwurf konfrontieren, im Umgang mit der Schweinegrippe Panik geschürt zu haben.
Unter dem Einfluss des Arzneisektors habe die UN-Einrichtung die Gefahren der bislang glimpflich verlaufenen neuen Grippe künstlich hochgespielt und der Pharmabranche so zu Milliardengeschäften mit dem Verkauf von Impfstoffen verholfen, den viele Regierungen massenhaft in nicht benötigtem Umfang bestellt hatten.
"Einer der größten Medizinskandale des Jahrhunderts" - so urteilt der deutsche Sozialdemokrat Wolfgang Wodarg, selbst Arzt und Epidemiologe. Als Vorsitzender der dem Sozialausschuss angegliederten Gesundheitskommission hat er wesentlich dazu beigetragen, den undurchsichtigen Umgang mit der Schweinegrippe zu einem Topthema der Sitzungswoche zu machen.
Es gilt als sicher, dass das Plenum am Montag auf die Tagesordnung auch noch eine Dringlichkeitsdebatte setzen wird, die in eine Resolution mit hartem Urteil über die WHO-Politik münden kann. In einem Entwurf dazu heißt es, die "Glaubwürdigkeit der internationalen Gesundheitsorganisationen" sei beschädigt.
Hat sich die WHO instrumentalisieren lassen?
Die WHO selbst will ihr Vorgehen bei der Schweinegrippe einer externen Untersuchung unterziehen, hat diese Prüfung aber auf die ferne Zukunft nach Abklingen der Infektion verschoben. Als offizielle internationale Institution zwingt der Europarat die UN-Organisation indes, schon jetzt Farbe zu bekennen. Mit Keiji Fukuda reist sogar der Chefberater von WHO-Direktorin Margaret Chan ins Elsass, um die bohrenden Fragen der Abgeordneten zu kontern.
Der Verdacht, die WHO und viele Regierungen hätten sich von der Pharmaindustrie instrumentalisieren lassen, ist laut Wodargs wohlbegründet. Er hält der WHO vor, die Schweinegrippe auf fragwürdige Weise zur Pandemie ausgerufen zuhaben. So frage er sich, wieso man nur die Geschwindigkeit der Infektionsausbreitung und die Zahl der Fälle zum Kriterium gemacht habe, ohne wie eigentlich üblich auch das Sterbe- und Erkrankungsrisiko einer Infektion zu berücksichtigen.
Schräge Kandidaten, internationale Musik: Das ist der Eurovision Song Contest in Baku. Wegen der politischen Zustände in Aserbaidschan wird er dieses Jahr heftiger Kritik begleitet. Mehr dazu im Spezial.
Aktuelle Nachrichten aus der Gesellschaft
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.
Werben auf dem iPad
Das iPad als Werbeform bietet besonders viele Möglichkeiten. Gerne beraten wir Sie persönlich.