In punkto Gedächtnis macht Ihnen keiner so schnell was vor. Fragt ein Kollege nach einer Telefonnummer, Sie kennen sie. Am Geldautomaten sind Sie noch nie ins Grübeln geraten, wenn Sie die Geheimzahl eingeben sollten, und Geburtstage haben Sie auch noch nie vergessen. Um Ihre grauen Zellen bei Laune zu halten, machen Sie fleißig Gehirnjogging. Und schlucken schon heute regelmäßig Ginkgo-Pillen, damit Sie später die Demenz nicht an den Wickel kriegt.
Um den Ginkgobaum ranken sich zahlreiche Mythen. Das mag vor allem daran liegen, dass er ein wahrlich biblisches Alter erreichen kann. Es soll Ginkgos geben, die weit über 1000 Jahre alt sind. Deshalb gilt der Baum als Symbol für ein langes Leben. Auch als Zierpflanze im Garten macht er sich mit seinen hübschen Blättern ganz gut. Obendrein sind seine Samenkerne essbar und in Asien recht beliebt. Andere Teile des Baums, vor allem die Blätter, werden gerne in der Naturheilkunde verwendet. Weil der Ginkgo selbst so alt wird, erhoffen sich viele Kraft und ein langes Leben, wenn sie an Ginkgoteilen herumknabbern. Ginkgoextrakt soll die Gehirndurchblutung steigern und dadurch die geistige Leistungsfähigkeit bis ins hohe Alter erhalten.
US-Studie zu Ginkgo und Demenz
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Aber es gibt auch Wissenschaftler, die prüfen, ob diese Pillen, Pülverchen und Wässerchen tatsächlich wirken. Sie kamen bisher zu sehr unterschiedlichen, sogar widersprüchlichen Ergebnissen. So konnte eine große französische Studie an mehr als 3500 über 65-Jährigen aus diesem Jahr zeigen, dass Ginkgoextrakt den Gedächtnisabbau verlangsamt und - das Leben verlängert. Teilnehmer, die den Extrakt einnahmen, hatten ein rund 30 Prozent geringeres Sterberisiko.
In den USA scheint das anders zu sein, denn in einer Untersuchung an rund 3000 über 75-Jährigen litten diejenigen, die Ginkgo einnahmen, sogar etwas häufiger an einer Demenz. Und jetzt? Um die Verwirrung zu vervollständigen noch eine dritte Studie, die zeigt, wie vorsichtig man mit Studien umgehen sollte. Amerikanische Forscher hatten zunächst herausgefunden, dass Ginkgo nichts bringt, aber das wollten sie nicht glauben. Also haben sie überprüft, ob die Patienten auch brav ihre Medizin einnahmen. Und siehe da: Nicht alle hatten sich an die Vorgaben gehalten. Wer aber fleißig geschluckt hatte, blieb geistig fitter. Dafür hatten allerdings Personen dieser Testgruppe durchschnittlich häufiger einen Schlaganfall.
Ob Ginkgo nun wirklich das Gedächtnis stärkt oder nicht, bleibt leider noch unklar. Dazu passt ein Bericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, das sich der Frage mit deutscher Gründlichkeit annahm und alle verfügbaren Studien auswertete. Das waren allerdings nur sechs, zu denen die oben erwähnten noch nicht gehörten. Vorläufiges Ergebnis der Auswertung: Ob Ginkgo tatsächlich etwas bringt, bleibt weiterhin unklar.
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