Das trutzige Schloss des Herzogs von Edinburgh, im Hauptberuf Ehemann der Königin, das hoch über die Altstadt seiner Geburtsstadt aufragt, ist nur halb nach Sean Connerys Geschmack. Das Wahrzeichen der alten Metropole steht für die stolze Tradition schottischer Monarchie. Aber es ist leider auch das äußere Kennzeichen der englischen Besatzungsmonarchie, findet der 78-jährige Filmstar. Und auf die ist er nicht gut zu sprechen.
Denn seine schottische Heimat und deren Unabhängigkeit liegt Connery so sehr am Herzen, dass er ihr nun seine Autobiographie gewidmet hat. Titel: "Mein Schottland" - eine Umarmung, die nicht all seinen Landsleuten behagt. Denn der Filmstar hat die zugigen Highlands längst eingetauscht gegen einen komfortablen Wohnsitz auf den Bahamas. Von da lässt es sich gut wettern gegen die Ungerechtigkeiten auf den verregneten britischen Inseln.
Sean Connery, 78, ist einer der berühmtesten Schauspieler Großbritanniens. Bekannt wurde der gebürtige Schotte als Agent James Bond. In den sechziger Jahren wurde Connery als 007 so populär, dass er fürchtete, in keiner anderen Rolle mehr ernst genommen zu werden.
Die Sorgen waren unbegründet: 1986 gewann er als Polizist in "Die Unbestechlichen" einen Oscar, danach brillierte er in "Der Name der Rose". Im Juli 2000 schlug die Queen ihn in seiner Geburtsstadt Edinburgh zum Ritter.
Connery ist politisch engagiert. Er trat 1999 der Scottish National Party bei. Im Jahr 2006 zog er sich aus dem Filmgeschäft zurück - bei einem verlockenden Angebot habe er jedoch Lust, wieder vor der Kamera zu stehen.
So schreibt der Ex-Agentendarsteller, der sein Vermögen vor allem seiner Rolle als treuer Untergebener der englischen Krone verdankt, in seinem Buch über all das, was Schottland groß gemacht hätte, wäre da nicht England gewesen. Über Sport und Öl, über die englische Ausbeutung schottischer Ressourcen, über den schottischen Beitrag zu Kunst, Kultur und Wissenschaft.
Aufgewachsen ist er in den 30ern nur ein paar Kilometer weg vom Schloss, im Arbeiterviertel Fountainbridge, in bescheidenen Verhältnissen. Mancher alte Edinburgher kann sich noch erinnern an den Milchjungen Tam (nach seinem ersten Vornamen Thomas), der schon im Alter von fünf Jahren die Morgenmilch ausgetragen hat. Dabei hat er die Stadt gründlich kennen gelernt. Das Haus der Eltern steht längst nicht mehr, eine Brauerei hatte sich Mitte des vergangenen Jahrhunderts im Viertel breitgemacht.
Connery bekommt vom Wandel Edinburghs wenig mit
Auch sonst hat sich Edinburgh dramatisch verändert seit den frühen Tagen, in denen ein schmächtiger Sean Connery seinen Körper durch intensives Bodybuilding stählte und sich in der Kunsthochschule als Aktmodell ein Zubrot verdiente. Doch vom großen Wandel zur Kulturmetropole des Landes hat Connery wenig mitbekommen.
Seine Filmkarrere hat ihn weit weggeführt von Edinburgh. Mag er sich nun wieder als wortgewaltige Unterstützer und Förderer des schottischen Nationalismus in Szene setzen: In seiner Heimat lebt er schon lange nicht mehr. Sind auf den Bahamas doch auch die Steuern wesentlich günstiger für den Großverdiener.
Von dort fliegt er zwei- oder dreimal im Jahr für einige Tage in die Heimat ein, meistens zu den Festspielen - und ärgert sich jedes Mal aufs Neue laut und öffentlich über das neue Parlamentsgebäude, das, natürlich, von englischen Baufirmen errichtet worden ist. "Schottische Firmen hatten keine Chance ihr eigenes Parlament zu bauen", schimpft er, "weil London den Auftrag nie ordnungsgemäß ausgeschrieben, sondern unter der Hand an englische Firmen gegeben hatte." Wenn er London sagt, dann meint er die britische Regierung, den Ex-Premier Tony Blair wie seinen Nachfolger Gordon Brown - beides Vasallen Londons, in Connery Augen. Dass beide gebürtige Schotten sind wie er - geschenkt.
So unterstützt der Filmstar aus der Ferne die schottischen Nationalisten und pflegt seine Freundschaft zum First Minister Alex Salmond, der ihm dafür schon mal die gesammelte Fanpost nach den Bahamas weiterschickt. Außerdem unterstütze er eine Reihe von "wichtigen wohltätigen Organisationen", rechtfertigt Connery sein Exilanten-Dasein. Damit meint er vor allem den von ihm gegründeten "Scottish International Education Trust", der Millionen in die Ausbildung junger Schotten und die Förderung kultureller Institutionen investiert.
Connery wehrt sich gegen Vorwurf der Steuerflucht
Gerade wegen dieses Engagements in der alten Heimat reagiert er auch ausgesprochen sauer auf Vorwürfe, er lebe im Exil um die schottische Steuer zu umgehen. "Ich investiere wesentlich mehr in Schottland als mein Steueranteil wäre wenn ich hier lebte. Wer mir Steuerflucht vorwirft, sollte erstmal Rechnen lernen."
Trotzdem: Wie kann einer, der sich selbst als glühender Verfechter der schottischen Kultur gibt, sein Leben so weit weg vom schönen Edinburgh verbringen? Ein aufrechter Schotte, so die Haltung von Kritikern, habe gefälligst im Lande zu wohnen, dort sein Geld auszugeben und auch das schlechte Wetter mit den Landsleuten zu teilen. Mit solchen Vorwürfen kann Sean Connery allerdings wenig anfangen. Zum Einen, rechtfertigt er sich, stecke dahinter sicherlich eine Kampagne der schottischen Medien. Und die seien nun mal fest in englischen Händen. Zum Anderen: "Dass ich in so vielen Ländern gelebt und gearbeitet habe, ist ein Vorteil. Diese Welterfahrung erlaubt mir einen klareren Blick auf die wirklichen Zustände in Schottland. Und ich lasse mir von niemandem vorschreiben, wo ich zu leben habe."
Krumm nehmen ihm schottische Nationalisten übrigens außerdem, dass er 2000 vor der englischen Königin zum Ritterschlag in die Kniee sank. Den Kniefall kann Sir Sean bis heute nur schwer rechtfertigen. Also erklärt er sich kurzerhand zum Opfer englischen Intrigantentums. Eigentlich, sagt er nun, sei er schon sehr viel früher an der Reihe für den Ritterschlag gewesen. Aber die Adelung immer wieder hintertrieben worden - weil er ja Schotte ist.
Schräge Kandidaten, internationale Musik: Das ist der Eurovision Song Contest in Baku. Wegen der politischen Zustände in Aserbaidschan wird er dieses Jahr heftiger Kritik begleitet. Mehr dazu im Spezial.
Aktuelle Nachrichten aus der Gesellschaft
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.
Werben auf dem iPad
Das iPad als Werbeform bietet besonders viele Möglichkeiten. Gerne beraten wir Sie persönlich.