Sie hat ein bisschen rumgezickt, als der Typ in der Düsseldorfer Disco „Checkers“ sie ansprach. Modelagent? Ja, bestimmt. Der will mich doch nur anbaggern. Michael Levaton konnte der Blonden mit den langen Beinen nur seine Visitenkarte überreichen und abwarten. Er hatte gerade ein zukünftiges Supermodel entdeckt.
Und tatsächlich kam die 17-Jährige am nächsten Tag in seine Modelagentur – mit ihrer Mutter. Das war im Jahr 1987. Der Anfang einer Weltkarriere, die Claudia Schiffer zu einer der bekanntesten Deutschen im Ausland machte. Am Mittwoch wird sie 40, für ein Model ein hohes Alter. Sie läuft nicht mehr über Laufstege, ist aber alles andere als arbeitslos. Im Frühjahr erst war sie auf dem Cover der deutschen Vogue zu sehen – hochschwanger und nackt.
Dennoch geht häufig das große Gähnen los, wenn ihr Name fällt. Kühl, reserviert, unnahbar. Ein deutsches Fräuleinwunder; eine typische Deutsche eben. Schön, aber langweilig. Eine Zeitung empfahl ihr einmal einen Humor-Bypass. Das liegt wohl daran, dass sie für Klatsch und Tratsch wenig Stoff bietet. Sie hatte keinen skandalösen Rockerfreund wie Kate Moss, schlägt nicht wild um sich wie Naomi Campbell, gibt ihren Brüsten keine albernen Namen wie Heidi Klum.
Nadja Auermann, 39, verabschiedete sich 2003 aus ihrer aktiven Modellaufbahn, versuchte sich als Schauspielerin und erwartet gerade ihr drittes Kind.
Linda Evangelista, 45, war mit Frankreichs Fußball-Nationaltorhüter Fabien Barthez liiert, bekam 2006 ein Kind von einem New Yorker Architekten.
Cindy Crawford, 44, war bis 1995 mit Schauspieler Richard Gere verheiratet. Mit ihrem zweiten Mann hat sie zwei Kinder, sie drehte Fitness-Videos, entwirft eine eigene Schuhkollektion und setzt sich für die Leukämie-Forschung in den USA ein.
Christy Turlington, 41, beendete nach ihrer Karriere ihr Studium in den Fächern Literatur und Philosophie, schrieb ein Buch über Yoga, ist verheiratet und hat zwei Kinder.
Naomi Campbell, 40, arbeitet als Einzige aus der Riege noch immer als Laufsteg-Model. In den letzten Jahren geriet sie mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt und musste bereits zweimal gemeinnützige Arbeit leisten, weil sie Personen in ihrer Umgebung attackiert hatte.
Nach der Liaison mit dem Zauberer David Copperfield in den 90er Jahren, hinter der viele eine PR-Beziehung vermuteten, gab es über ihr Privatleben nur so Geheimnisvolles zu vermelden wie die Frage wie sie wohl ihr drittes Baby nennen wird. Das kann man öde nennen – oder aber angenehm unaufdringlich.
2002 heiratete Claudia Schiffer den britischen Filmproduzenten und Regisseur Matthew Vaughn. Während andere ihre Hochzeitsfotos für Millionen verkaufen, gab es von Claudia Schiffer nur eine Schuhspitze zu sehen. Sicherheitskräfte geleiteten das ehemalige Haute-Couture-Model unter einer ollen Wolldecke verborgen aus der Kirche.
Bis heute lebt das Paar in London. Im Mai diesen Jahres bekam es das dritte gemeinsame Kind – nach Caspar und Clementine wieder ein C-wie-Claudia-Kind namens Cosima. Ausgesuchte Reporter, die „Die Schiffer“ in ihrem Haus besuchen durften, berichten von Schokoflecken auf edlen Sesseln. Und auch der Hund darf auf die Couch. Die Deutsche erzählt dann, dass sie das gemütliche Familienleben mag, ihre Tochter manchmal in Abendrobe durchs Haus stöckeln darf, dass sie seit ihrer ersten Schwangerschaft nur noch Bio-Kost isst und vom Stillen automatisch schlank wird.
Statt sich wie viele Models erfolglos als Schauspielerin zu versuchen, hat sich die Einmetereinundachtzig-Frau die Rolle der Botschafterin ausgesucht. So warb sie um Spenden für das Berliner Holocaust-Mahnmahl, trat als Repräsentantin im Organisationskomitee der Fußball WM 2006 auf, rief zum Schuldenerlass für die ärmsten Länder der Erde an der Seite von Bob Geldof auf, engagiert sich für die Deutsche Knochenmarkspenderdatei, beteiligte sich an den Plädoyers auf dem Davoser Wirtschaftsforum für die Reduktion des Co2-Ausstoßes und war das Gesicht einer Imagekampagne für Deutschland, „Land der Ideen“.
Auch die Produkte, für die sie wirbt, sind ausgesucht und edel, meist Luxusgüter. Claudia, die in einen Burger beißt. Claudia, die sich Gummidrops zwischen die Zehen steckt – undenkbar. Das Forbes Magazine schätzt ihr Vermögen auf 250 Millionen Dollar. Sie ist eine der Frauen aus der kurzen Blütezeit der Model-Geschichte. Gemeinsam mit Naomi Campbell, Linda Evangelista und Cindy Crawford wurde sie so berühmt und so reich wie ein Popstar. Eine Ära, die für Schiffer zunächst endete, als Karl Lagerfeld seine „Entdeckung“ 1996 bei Chanel unfein als „gestrige Erscheinung“ abservierte. Er hat seine Meinung revidiert, als er dieses Jahr wieder zu seiner Muse zurückkehrte, um sie für die 60. Ausgabe des Magazins Stern-Fotografie in Szene zu setzen.
„Supermodels, so wie wir damals waren, gibt es nicht mehr“, sagte Claudia Schiffer in einem Interview. Heute seien es allenfalls Sternchen, aber keine Stars.
Die Casting-Show, in der sie heute von Heidi Klum gemacht werden, hat man Claudia Schiffer damals auch angeboten. Sie lehnte ab. Moderieren sei einfach nichts für sie. Das klingt in Zeiten von Paris Hilton, singenden Soap-Stars und Roter-Teppich-Ludern doch ganz schön würdevoll.
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