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Sönke Wortmann im Interview: "Ein Mann muss zehn Jahre älter sein"

Der Regisseur Sönke Wortmann über seinen Film "Die Päpstin", Frauenversteher wie ihn und warum es für Männer ratsam ist, sich deutlich jüngere Partnerinnen zu suchen. ( Mit Trailer)

Sönke Wortmann guckt gerne Frauenfußball.
Sönke Wortmann guckt gerne Frauenfußball.
Foto: dpa

Herr Wortmann, sprechen Sie lieber über Frauen oder Fußball?

Über Fußball.

Zur Person

Sönke Wortmann ist einer der erfolgreichsten deutschen Regisseure. Seinen Durchbruch hatte er 1994 mit der Komödie "Der bewegte Mann". Weitere Erfolge waren "Das Wunder von Bern" und "Deutschland. Ein Sommermärchen", die Dokumentation über die deutsche Fußballnationalmannschaft bei der WM 2009.

Die Leidenschaft für den Fußball stammt aus Wortmanns Jugend, eigentlich wollte der heute 50-Jährige Fußballer werden - und brachte es immerhin zum Spieler beim Zweitligisten bei Westfalia Herne, bevor er sich endgültig für das Filmemachen entschied.

Sein neuestes Werk, "Die Päpstin", ist eine Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers. Gegenstand des Films ist die Legende um einen angeblich weiblichen Pontifex im neunten Jahrhundert.

Dann beginnen wir mit dem schwierigeren Thema. Wäre die Welt ein besserer Ort, wenn mehr Frauen Papst gewesen wären?

Ja. Ich glaube nicht, dass sich das auf Päpste allein bezieht, ich stecke ja auch nicht so tief drin in der katholischen Kirche. Aber wenn Frauen mehr auf Machtpositionen säßen, wäre die Welt ein bisschen besser.

Sie erzählen in "Die Päpstin" die Geschichte des Papstes Johannes Anglicus aus dem 9.Jahrhundert, der eine Johanna war. Glauben Sie, dass sich die Geschichte so tatsächlich ereignet hat?

Es gibt keine Beweise dafür, aber Indizien, und die finde ich relativ interessant. Mein Lieblingsindiz ist dieser Stuhl. Der neu zu wählende Papst wurde auf einem runden Stuhl, der unten eine Öffnung hatte, noch mal auf sein Geschlecht hin überprüft, und zwar zwischen dem 12. und dem 16. Jahrhundert. Da kann man sich schon fragen, warum das gemacht wurde, wenn so etwas wie mit Johanna nicht passiert wäre. Es gab das ja immer wieder in der Geschichte, dass sich Frauen verkleiden mussten. Noch vor etwas mehr als zehn Jahren ist in der portugiesischen Armee eine Frau aufgeflogen, die es als Mann verkleidet bis zum General gebracht hatte. Wenn das heutzutage in Westeuropa möglich ist, dann war es im 9. Jahrhundert allemal möglich.

Sie haben einen Roman verfilmt, der sich allein in Deutschland fünf Millionen Mal verkauft hat. Hatten Sie Angst davor, gegen das imaginierte Bild antreten zu müssen, das sich so viele Menschen Johanna gemacht haben?

Ich kenne das ja aus eigener Erfahrung; wenn ich ein Buch gelesen und womöglich sehr geschätzt habe, dann ist es schwierig für einen Film, mich zu überzeugen. Ich habe schon so besetzt, wie die Personen im Buch beschrieben sind. Ich wurde gefragt, warum John Goodman den Papst Sergius spielt - unter anderem deswegen, weil er genau so beschrieben wird. Dann kann man seine Arbeit nur so gut wie möglich machen und die Leute davon überzeugen, dass das, was sie sehen, ebenso gut ist wie das, was sie sich vorgestellt haben. Wir haben eine Testvorführung gemacht, da kam die gemeine Frage: Was hat Ihnen besser gefallen, Buch oder Film.

Da kann man eigentlich nur verlieren.

Ich bin relativ gut dabei weggekommen. 49 Prozent fanden Film und Buch gleich gut.

Sie sind als Einwechselspieler zu dem Projekt gekommen, nachdem die Produktionsfirma Constantin sich vom ursprünglichen Regisseur Volker Schlöndorff getrennt hatte. Haben Sie ihn zur Premiere eingeladen?

Ich wollte ihn einladen, er ist allerdings in Afrika, in Kigali an der Filmhochschule. Ich habe aber in der vergangenen Woche mit Herr Schlöndorff diesen Film angeguckt. Er war ehrlich begeistert oder ist ein grandioser Schauspieler, aber ich glaube, das erste ist richtig.

Wollten Sie bei Schlöndorff die Wogen glätten?

Die Wogen sind ein bisschen höher gemacht worden, als sie eigentlich waren damals. Um beim Fußball zu bleiben: Niemals würde Herr van Gaal gefragt werden, ob er sich komisch vorkommt, die Nachfolge von Herrn Klinsmann bei Bayern München anzutreten. In dem Fall musste Herr Schlöndorff gehen und Wortmann kam. Einer muss immer gehen. Ich habe versucht, da auf der kollegialen Ebene die Luft rauszunehmen, indem ich ihn angerufen habe. Und jetzt haben wir zusammen den Film angeguckt. Es kommt immer, wie es kommen muss. Er hat in der Zeit sein Buch geschrieben. Das Drehbuch, das er damals hatte, war nicht gut genug, das hat er dann jetzt auch selber gesagt. Wir sind beide sehr happy.

Der Ärger zwischen der Produktionsfirma und Schlöndorff war entstanden, weil Schlöndorff sich weigerte, neben der Kinofassung noch eine zweiteilige, 180-minütige TV-Fassung zu machen.

Mein Lieblingsthema.

Sie haben doch offenbar kein Problem damit.

Weil es nur Vorteile hat. Ich finde die Diskussion, wie sie immer noch geführt wird, geradezu grotesk. Worüber reden wir? "Der Baader Meinhof Komplex", "Der Untergang": Das sind Filme aus der jüngeren Vergangenheit, die so entstanden sind und die Publikumserfolge waren und viele Preise gewonnen haben. "Das Boot", einer meiner Lieblingsfilme, hat als Sechsteiler funktioniert und als Kinofilm. "Fanny und Alexander" von Ingmar Bergman - was soll daran schlecht sein? Es gibt Filme wie "Die Päpstin", die eine gewisse Länge haben, weil sie ein ganzes Leben erzählen, da tut man am Schluss noch ein bisschen was dran, und schon hat man zweimal 90 Minuten.

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Datum:  26 | 10 | 2009
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